• Neuer Inhalt
  • Zum Beratungsstellenfinder
  • Suche

Studiengang Aeronautical Engineering

Studiengang Aeronautical Engineering

Neben ziviler Kleidung und Uniform wird an der UniBw auch Fliegerkombi getragen.

Neben ziviler Kleidung und Uniform wird an der UniBw auch Fliegerkombi getragen.

Foto: © Luftwaffe / Ulrich Metternich

Von der Vorlesung in den Flugsimulator

Beim Dualen Studiengang „Aeronautical Engineering“ an der Universität der Bundeswehr in München werden technisches Studium und fliegerische Erstausbildung miteinander kombiniert. Seit zwei Jahren gibt es an der Universität der Bundeswehr in München den neuen Studiengang „Aeronautical Engineering“. Im ersten Studienjahrgang waren es 15 Studenten, die den neuen Dualen Studiengang begannen. 2016 wählten bereits 35 Studenten diesen Werdegang. Zukünftig werden es pro Jahrgang bis zu 55 Anwärter aus dem Fliegerischen Dienst der Luftwaffe und Marine sein.


Von der Simulatorkonsole aus kann alles überwacht werden.

Von der Simulatorkonsole aus kann alles überwacht werden.

Foto: © Luftwaffe / Ulrich Metternich

 Im Simulator wird schon für Arizona geübt

„Mixture cut off, Fuel Selector off, Fuel Pump off, Throttle full open”. Laut und klar sind die ersten Punkte des Notfallverfahrens „Engine Fire in Flight“ aus dem Cockpit zu hören. Zusammen mit seinem Fluglehrer sitzt Oberfähnrich Niklas Doré angeschnallt im voll beweglichen Simulator-Cockpit. Bevor der 21-Jährige in die Checkliste auf seinem Kniebrett schaut, „betet“ er weitere Checklistenpunkte auswendig herunter. „Bestimmte Notfallverfahren, die Bold Face Procedures, müssen wir auswendig lernen und jederzeit anwenden können“, erzählt der Oberfähnrich.

Seit Herbst 2015 gehört er zu den Ersten des neuen Studiengangs „Aeronautical Engineering“. Nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums möchte er Transportflugzeuge bei der Luftwaffe fliegen. Ein Stück des Weges hat er bereits geschafft. Er ist optimistisch: „Endlich geht es richtig los mit der praktischen fliegerischen Ausbildung. Nachdem wir bereits während der Zeit an der Offizierschule in die Segelfliegerei hereinschnuppern konnten, bereiten wir uns jetzt auf die Fliegerische Erstausbildung (FEA) der Phase 2 in Goodyear, Arizona, vor. Das Training hier im Simulator ist für uns äußerst nützlich, denn die Datenbasis vom Südwesten der USA ist darin abgelegt, so dass wir uns bereits mit den Gegebenheiten vor Ort genau vertraut machen können.“


Im Briefing erklärt der Simulator-Lehrer den Ablauf der Mission.

Im Briefing erklärt der Simulator-Lehrer den Ablauf der Mission.

Foto: © Luftwaffe / Ulrich Metternich

Verfahren werden mehrfach geübt

Oberfähnrich Doré hat sich intensiv auf seine Simulator-Mission vorbereitet. Mit seinen Kameraden übt er vorab die jeweiligen „Procedures“: „Vor jeder Simulator-Mission setzen wir uns mit mehreren Leuten zusammen und gehen den Ablauf des Fluges durch. Dazu gehören Verfahren am Boden, Manöver in der Luft, erforderliche Funksprüche und Notfallverfahren. Einer von uns spielt dabei den Flug für sich genau durch. Die Aufgabe der Kameraden ist dabei Fehler zu korrigieren.“

Neunzig Minuten dauert ein Flug im Simulator in der Regel. Hinzu kommen vorher und nachher jeweils ein ausführliches Briefing und Debriefing, bei dem alle Ausbildungsinhalte detailliert besprochen werden. Geplant sind laut Studienplan insgesamt 20 Simulator-Missionen, von denen jeder fünfte Flug ein sogenannter „Check-Ride“ ist, der bestanden werden muss. Um die steigende Zahl der Studenten abdecken zu können, sind zwei weitere stationäre Simulatoren und ein mobiles System im Zulauf. Derzeit wird die Simulator-Ausbildung von drei Lehrern mit fliegerischer Erfahrung begleitet.


Eine Professorin für Flugzeugbau erläutert Studenten Details am Hauptfahrwerk einer C-160 Transall.

Eine Professorin für Flugzeugbau erläutert Studenten Details am Hauptfahrwerk einer C-160 Transall.

Foto: © Luftwaffe / Ulrich Metternich

 Themen im Hörsaal mit direktem Bezug zur Praxis

Auch Oberfähnrich Jonas Kleeberg ist auf dem Weg ins Cockpit. An seinem Wunsch Eurofighter Pilot zu werden, arbeitet er hart. Das bisherige Studium hat er gut hinter sich gebracht. Seinen Studienalltag beschreibt er so: „Das Basisstudium der ersten drei Trimester hat uns bereits stark gefordert. Aber jetzt im zweiten Studienjahr bekommen wir erst recht nichts geschenkt. Ein Kamerad musste schon das Studium abbrechen. Ein einziges Fach wurde ihm dabei zum Verhängnis, denn Vieles baut auf den Stoff des ersten Jahres auf. Wenn man erstmal im Hintertreffen ist, dann ist es schwer, wieder aufzuholen.“

Für Jonas Kleeberg haben die Themen jetzt direkten Bezug zur Luftfahrt und sind anspruchsvoller geworden. Kleeberg beschreibt es so: „Kürzlich bekamen wir die Aufgabe, ein Bugfahrwerk für ein Sportflugzeug zu entwickeln, so wie es einem Konstruktionsbüro übertragen wird. Wir haben unter uns Arbeitsgruppen gebildet und bestimmte Aufgaben an Einzelne vergeben. Es war schon
eindrucksvoll, wie sich das Projekt entwickelt hat.“


In den Vorlesungen wird viel Lernstoff in kurzer Zeit vermittelt.

In den Vorlesungen wird viel Lernstoff in kurzer Zeit vermittelt.

Foto: © Luftwaffe / Ulrich Metternich

 Lernen, Lernen, Lernen

So lautet die Devise. Viel Zeit für andere Aktivitäten bleibt dabei nicht. Die knappe Zeit nutzt Oberfähnrich Kleeberg, um seinem Hobby, dem Handballspielen nachzugehen. „Das ist ein guter Ausgleich zum Studium und gehört mit zum persönlichen Fitnessprogramm“, erzählt er. Oberfähnrich Niklas Doré hingegen widmet sich in seiner Freizeit der Segelfliegerei. Beide sind stolz und zufrieden, wenn sie hin und wieder in ihren Fliegerkombis auf dem Campus unterwegs sind. Dieser Anzug wird hoffentlich bald zu ihrem täglichen Outfit gehören, wenn für sie die Fliegerei in den Geschwadern anfängt. 

Der neue Studiengang Aeronautical Engineering ist ein vollwertiges technisches Studium, das es in sich hat. Ab Herbst wird der dritte Jahrgang sein Studium aufnehmen. Im kommenden Frühjahr werden die ersten Anwärter den praktischen Teil der fliegerischen Erstausbildung in Goodyear, USA, beginnen.


Autor: Ulrich Metternich