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Ein bewaffneter Soldat erteilt von einem Speedboot aus Kommandos an Zivilisten

Bestimmtes Auftreten: Eine klare Ansage sorgt für klare Verhältnisse.

Foto: Bundeswehr / Hecker

„Fixiert und festgesetzt!“ – die Bordeinsatzkompanie in Action

Blauer Himmel. Leichter Wind. Wenige hundert Meter vom Strand entfernt liegen zwei Schlauchboote. An Bord befinden sich sechs Vermummte. Mit brüllenden Motoren rauschen zwei weitere Boote mit je fünf Soldaten heran. „German Navy Boarding Team! Put your hands up!“, schreit einer der Soldaten.


Seine Kameraden beobachten jede Bewegung der Fremden. Was wie der Dreh für einen Actionfilm aussieht, ist militärische Ausbildung: Hier trainieren Soldaten des Bordeinsatzkompanie in der Eckernförder Bucht ihre Fähigkeiten.

Nacheinander gehen die Bootsführer längsseits, so dass die Soldaten an Bord gehen können. Noch ist die Haltung der Einsatzkräfte entspannt, ihre Waffen nach unten gerichtet. „Wir steigen grundsätzlich mit der niedrigsten Eskalationsstufe ein und drohen unsere Maßnahmen zuerst an“, sagt Hauptbootsmann Alexander W. Er ist der Teamführer der Marinesoldaten und hat vor Ort das Kommando.

Zwei Soldaten sichern aus einem Speedboot heraus Ihre Kameraden die ein anderes Boot überprüfen

Wachsame Beobachter: Die Soldaten im hinteren Boot sichern ihre Kameraden.

Foto: Bundeswehr / Hecker

Fischer ohne Angeln und Netze

Angeblich befinden sich auf den zwei kleinen Schlauchbooten nur Fischer. Doch sie haben weder Netze noch Angeln bei sich. Das Team der Bordeinsatzkompanie geht deshalb auf Nummer sicher und überprüft die Identitäten der Seeleute.

Während die sich auf einem ihrer Boote sammeln sollen, ist W. in ständigem Funkkontakt mit dem Bordeinsatzoffizier, Oberleutnant zur See Jascha-Andrej K. Er führt das Team aus der Ferne. Normalerweise von einer deutschen Fregatte aus undmit einem Rechtsberater an seiner Seite. Heute ist er selbst auf einem Motorboot und beobachtet das Szenario aus einigen Metern Entfernung.

Die Bordeinsatzkompanie ist Teil des Seebataillons. Dieses umfasst alle Infanteristen der Marine und ist in Eckernförde stationiert. Sie sind auf Operationen an Bord von Schiffen und Booten spezialisiert: Sie kontrollieren Personen, durchsuchen Handelsschiffe und schützen eigene und verbündete Schiffe.

Codewort „Kaffeepause”

Sollten die Soldaten bei den vermeintlichen Fischern Waffen oder Ähnliches finden, hat der Teamführer zuvor ein Codewort festgelegt: Kaffeepause. „Wir wollen die Schmuggler so lange wie möglich in dem Glauben lassen, dass wir nichts gefunden haben“, erklärt er.

Auch was die Zusammensetzung des Teams angeht, sollen die Verdächtigen im Dunklen tappen. Deshalb haben die Seesoldaten ihre Dienstgradschlaufen abgelegt und ihre Namen vorübergehend gegen Bezeichnungen wie „Bravo Eins“ getauscht. So ist schwer erkennbar, wer im Trupp welche Rolle spielt.

Soldaten überprüfen in einer Übung verdächtige Personen auf einem Schlauchboot

Die verdächtigen Personen werden routiniert überprüft

Foto: Bundeswehr / Hecker

Verschärfte Lage

Während zwei Soldaten die Boote auf Schmugglerware durchsuchen, muss der Rest des Teams die fremden Seeleute in Schach halten. Die reagieren nur halbherzig auf die Kommandos des Bordeinsatzteams und sorgen dafür, dass sich die Lage verschärft.

Das soll auch so sein. Unter der Zivilkleidung stecken ebenfalls Soldaten. Sie sind Lagedarsteller und sollen es den übenden Kameraden nicht zu leicht machen. Die lassen sich jedoch nicht beirren und finden schon bald etwas Verdächtiges. An einem Seil befestigt hängen zwei Sturmgewehre und zwei Pistolen wenige Meter unter der Wasseroberfläche.

Motorboote und Hubschrauber

Die Seesoldaten benutzen in ihren Einsätzen hauptsächlich zwei Fortbewegungsmittel. Sie können, wie in diesem Szenario, mit knapp sieben Meter langen Motorbooten, den Boomerangern, fahren. Je fünf Boardingsoldaten inklusive Bootsführer besetzen normalerweise zwei der wendigen Boote. So können Motorboote, und mithilfe von Leitern auch größere Schiffe, geentert werden.

Alternativ stehen den Bordeinsatzkräften aber auch Hubschrauber zur Verfügung. Sie trainieren deshalb regelmäßig das Fast-Ropen. „Wir können aus dem Helikopter mit vier bis fünf Soldaten direkt am Seil herunterrutschen. Außerdem können wir in zwei Wellen anlanden. Eine Welle kommt dann mit dem Speedboat an, die andere Welle per Helikopter übers Fast-Rope-Verfahren“, erklärt einer der Bordeinsatzsoldaten.

Einem liegenden Mann werden die auf den Rücken liegenden Hände mit Handschellen gefesselt

Ausgespielt: Ein Verdächtiger wird festgesetzt.

Foto: Bundeswehr / Hecker

Die Handschellen klicken

Plötzlich ist Bewegung auf einem der Boote. Ein Verdächtiger hat den Fund der Waffen bemerkt und greift die Soldaten mit einem Messer an. Weit kommt er jedoch nicht. Sofort bringt ihn ein Soldat zu Boden. Dann zieht ein zweiter den Angreifer auf das benachbarte Boot, um ihn von den übrigen Verdächtigen zu isolieren. Er bekommt Handschellen angelegt.

Die Soldaten gehen trotz Übung nicht zimperlich vor, was bei den Darstellern auch mal zu Blessuren führt. „Man bekommt so eine Art Tunnelblick, man fährt sich dann hoch. Gerade, wenn sich Leute wehren und Widerstand leisten“, erklärt der Bordeinsatzoffizier.

„Fixiert und festgesetzt“, ruft ein Soldat seinem Teamführer zu. Der bestätigt und zückt sein Funkgerät, um den Vorgesetzten zu informieren. „Wenn der Verdächtige ab jetzt kooperativ ist, können wir ihm die Handschellen auch wieder abnehmen“, erklärt W. An erster Stelle steht jedoch die Sicherheit seiner Soldaten.

In Einsätzen, wie derzeit im Mittelmeer, arbeiten die Bordeinsatzsoldaten mit den Feldjägern zusammen. Schmuggler, Schleuser und Piraten werden durch die Militärpolizei übernommen und den zuständigen Behörden übergeben.

Autor: Jonas Müller