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Mach, was wirklich zählt.

Die Tornados verlegen aus Deutschland in die USA. Über dem Atlantik werden sie von US-amerikanischen Tankflugzeugen mit Treibstoff versorgt.

Close Air Support: Rettung aus der Luft

Ein Konvoi gerät mitten in der Wüste in eine tödliche Falle. Die Angreifer sind zahlenmäßig weit überlegen. Ohne Hilfe werden die Soldatinnen und Soldaten den Hinterhalt wahrscheinlich nicht überleben. Doch dann sind endlich die Triebwerke der Kampfjets am Himmel zu hören. Close Air Support, Luftnahunterstüzung, ist im Anflug. Willkommen bei der Übung Green Flag West! Die größte Übung der Luftwaffe 2018 findet in Nevada statt. Dafür verlegen über 350 Soldatinnen und Soldaten aus den Taktischen Luftwaffengeschwadern 31 und 33 in die USA, um an Green Flag West teilzunehmen. Die Luftwaffe trainiert dort die wichtige Fähigkeit der Luftnahunterstützung, die im Ernstfall Leben rettet.

​Die Mittagssonne über der Wüste brennt unbarmherzig auf die Patrouille nieder. Staub und Sand liegen in der Luft. Die Soldaten haben mit ihren 20 Fahrzeugen den Auftrag, einen Checkpoint an einem strategisch wichtigen Punkt zu errichten. Seit mehreren Stunden sind sie bereits unterwegs. Das schwierige Gelände lässt gerade einmal Schritt­geschwin­digkeit zu. Plötzlich meldet das hinterste Fahrzeug Beschuss von allen Seiten. Noch bevor die genaue Position der Angreifer ermittelt werden kann, wird das vorderste Fahrzeug angesprengt.

Ein Joint Terminal Attack Controller kommuniziert mit Kampfflugzeugen, um Luftunterstützung anzufordern.

Ein Joint Terminal Attack Controller kommuniziert mit Kampfflugzeugen, um Luftunterstützung anzufordern.

Foto: © Bundeswehr / Roman Heinrichs

Der Konvoi kann jetzt nicht mehr nach vorne ausweichen und gerät in eine tödliche Falle. Der Pa­trouillen­führer ordnet die Vertei­digung an und die Soldaten sichern ihre Position nach allen Seiten. Schnell wird dem Patrouillen­führer klar, dass er seine Kame­raden nicht ohne Hilfe aus dieser gefährlichen Situation befreien kann. Er ruft seinen „Schutzengel“ zu sich – seinen Joint Terminal Attack Controller (JTAC).

Der Flieger­leit­offizier ist hoch spezialisiert und hat alle Kommu­nika­tionsmittel, Luft­nah­unter­stützung anzufordern. Sofort nimmt er Kontakt zur Ope­ra­tions­basis auf und meldet das Feuer­gefecht. Er bittet um Unter­stützung aus der Luft, die Pa­trouille um Close Air Support. Zwei Torna­dos der Deutschen Luft­waffe werden alarmiert. Sie nehmen sofort Kurs auf die durch­gefunkten Koor­dina­ten. Der JTAC weist die Tornado-Besat­zungen über Funk in das Gel­ände ein und gibt ihnen die genaue Posi­tion der Patrouille und der Angreifer.

Der Tornado kommt den in Not geratenen, verbündeten Bodentruppen zur Hilfe.

Der Tornado kommt den in Not geratenen, verbündeten Bodentruppen zur Hilfe.

Foto: © Bundeswehr / Andrea Bienert

Wenige Minuten später rast einer der beiden Torna­dos im Tief­flug über die Posi­tion. Das ohren­betäu­bende Krachen der Triebwerke übertönt sämtliche Feuer­geräu­sche und zeigt unmiss­verständlich: Wir sind hier, bis hierhin und nicht weiter. Zieht Euch zurück sonst machen wir ernst! Das sogenannte „show of force“ wirkt. Das laute Geschrei und die Panik der Angreifer ermöglichen der Patrouille, sich einen Weg durch das Gelände zu schlagen und sich in Sicherheit zu bringen.

Tatsächlich war hier heute niemand in Gefahr. Unter rea­listi­schsten Ein­satz­bedin­gungen üben über 5.000 Solda­tinnen und Solda­ten der US-Army in der Wüste Kali­forniens an der Gren­ze zu Neva­da für den Ernst­fall. Über 2.000 fest vor Ort statio­nierte Solda­ten stellen den Feind dar.

Die Luftwaffe beteiligt sich mit ihren Tornados und Eurofightern an der Übung „Green Flag West“, um die lebenswichtige Fähigkeit der Luftnahunterstützung zu trainieren.


Darum ist Close Air Support so wichtig

Gerade in Gefechtssituationen, in denen sich die eigenen oder verbündeten Truppen nicht selbst befreien können, ist Luft­nah­unter­stützung über­lebens­wichtig. „Wir nutzen im Rahmen der rechtlichen Einsatz­grund­lagen Close Air Support nur zu defen­siven Zwecken. Es geht nicht darum, das Ge­fecht zu ent­scheiden. Wir wollen unseren Kame­raden am Bo­den Zeit ver­schaffen, sich in Sicher­heit zu bringen.“, sagt Major Chris L., einer der erfah­rensten JTAC’s der Deut­schen Luft­waffe.

Fünf Tornados und sieben Eurofighter werden bei der Übung Green Flag West im Einsatz sein.

Fünf Tornados und sieben Eurofighter werden bei der Übung Green Flag West im Einsatz sein.

Foto: © Bundeswehr / Andrea Bienert

Das Verfahren zur Luft­nah­unter­stützung ist inner­halb der NATO stan­dardisiert, damit multi­national unter den Verbün­deten kommu­niziert und gear­beitet werden kann. So ist das Bünd­nis in der Lage, jeder­zeit in bedroh­lichen Situ­ationen Close Air Support zu bean­tragen, unab­hängig davon, welche Nation die Flug­zeuge bereit­stellt. Bewaff­net sind die deut­schen Torna­dos mit den Laser oder GPS gelenk­ten Bom­ben GBU-24 und GBU-54. GBU steht hierbei für Guided Bomb Unit.


Realistischer kann man nicht üben

Tempe­ratu­ren bis zu 50 Grad Celsius, weite Wüsten­landschaften, trockene Luft, Sand und Staub zeichnen das Übungs­gebiet in Nevada aus. Dazu eine Fläche größer als Hessen. Die extra zu Trainings­zwecken geschaf­fene Infra­struktur mit zahl­reichen Ge­bäuden, Straßen und ganzen Dör­fern sucht ihres­gleichen. All diese As­pekte zusammen ermög­lichen Szena­rien, die so auch in Afgha­nistan, Mali, Syrien und anderen Einsatz­ländern vor­kommen könnten.

„Eine vergleichbare Übung ist aufgrund der dichten Besie­delung in Deutsch­land und auch in Europa nicht möglich. Daher ist die Teil­nahme an Green Flag für uns von sehr hohem Wert.“, erklärt Major Chris L. .

Statio­niert sind die deutschen Kampf­jets während der Zeit auf der Nellis Airforce Base wenige Kilo­meter nördlich von Las Vegas.

Leit­verband ist das Taktische Luftwaffen­geschwader 33 aus Cochem und wird durch das Taktische Luftwaffen­geschwader 31 „Boelcke“ aus Nörve­nich unterstützt. Geschwa­derüber­greifend nehmen etwa 350 deutsche Solda­tinnen und Solda­ten an Green Flag West teil.


Autor: Stephan Jeglinski