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CSI Bundeswehr

Kampfmittelabwehr Detonation eines Sprengsatzes

Hier geht es zum Video

Ein Soldat mit einer Pipette

Beweisaufnahme anhand von Glassplittern

Foto: © Bundeswehr / Jonas Weber

CSI Bundeswehr: Ermittlungsarbeit nach Sprengstoffanschlägen

Ein Van kommt herangefahren. Vier Soldaten mit Nasen- und Mundschutz sowie Latexhandschuhen steigen aus. Mit vollgepackten Rucksäcken und Taschen laufen sie zum Ort des Schreckens – ihrem Einsatzort. Sie sind das Weapons Intelligence Team, kurz WIT. Die Aufgabe des WIT ist die professionelle Spurensicherung bei behelfsmäßigen Spreng- und Brandvorrichtungen – kurz IEDs (Improvised Explosive Devices). Am Ausbildungsstützpunkt Kampfmittelabwehr in Stetten am kalten Markt lernen sie die Grundlagen und die Praxis der Ermittlungsarbeit.

IEDs – hinterhältig und effektiv

Ein Soldat durchsucht den Fahrerraum

Auch im Innenraum des Fahrzeugs können Hinweise des Anschlags gefunden werden

Foto: © Bundeswehr / Jonas Weber

„Zu IEDs zählen beispielsweise versteckte Sprengfallen, Autobomben und Selbstmordattentäter“, erklärt Markus Lischka. Der 50-Jährige ist Angehöriger der Abteilung Counter-IED im Amt für Heeresentwicklung. Die taktische Wirkung von IEDs sei teilweise enorm. Das zeigten die Rückeroberungen irakischer und syrischer Städte von der Terrororganisation „Islamischen Staat“. Mit IEDs gespickte Straßenzüge müssen erst mühsam gesichert und geräumt werden.

Das kann Tage oder Wochen dauern“, so Lischka. Da die Expertenteams vorrangig in potenziell gefährliche Gebiete gerufen werden, gilt es, sich so kurz wie möglich am Ort des Geschehens aufzuhalten. Im Lehrgangsszenario müssen die Teilnehmer deshalb in 45 Minuten fertig sein.


Eine Soldatin entnimmt Proben von einer Fensterscheibe

Je mehr Information desto besser. Auch Abstriche können wichtige Hinweise liefern.

Foto: © Bundeswehr / Jonas Weber

Spurensicherung unter Zeitdruck

Das WIT macht sich sofort an die Arbeit. Oberleutnant David Berger* schnappt sich einen Fotoapparat und hält die Umgebung sowie alle relevanten Fundstücke rund um die Anschlagsstelle fest. Hauptfeldwebel Tom Kather* notiert das Lagebild und fertigt eine Tatortskizze an.  Währenddessen bereiten die beiden anderen Teammitglieder die Forensikutensilien vor. Dann machen sie sich an die Detailarbeit. Beweismittel werden vermessen, nummeriert, und mit Pinzette in Tüten verpackt. Trotz des Zeitdrucks und der unübersichtlichen Lage bleibt das Quartett ruhig und professionell. 

Berger und Kather vermessen die Sprengkrater. Danach nehmen sie drei Bodenproben, eine von der Kraterschulter, eine von der Kratermitte und eine in zehn Metern Entfernung. „So kann die normale Bodenbeschaffenheit mit der belasteten verglichen und die Art des Sprengstoffs ermittelt werden“, erklärt er. Zum Schluss sichert das WIT die Blutspuren, indem es angetrocknetes Blut mit einem Wattestäbchen von den Resten der Autoscheibe abstreicht.


EIn Soldat untersucht das gesprungene Glas

Die Streuung der Glasscherben kann Aufschluss über die Richtung der Detonation geben

Foto: © Bundeswehr / Jonas Weber

Alles Wichtige gefunden?

Die Zeit ist abgelaufen. Über Funk erhält das WIT den Befehl, den Anschlagsort zu verlassen. Die Bewertung der eigenen Leistung fällt dem Team zunächst schwer. „Man ist im Tunnel drin und weiß nicht richtig, ob es gut oder schlecht war“, sagt Berger, der etwa 200 Beweisbilder mit seiner Kamera geschossen hat. 

Der zeitaufwendigste Teil der Arbeit kommt erst jetzt. Im Feldlager muss das Team seine Ermittlungsergebnisse zusammenfassen und Schlüsse aus dem Szenario ziehen. Das Ganze bereiten sie dann in einem Lagevortrag für den Vorgesetzten auf. Der grobe Ablauf des Anschlags war den Soldaten bereits nach kurzer Zeit klar: „Vor und hinter dem Wagen sind Sprengsätze explodiert, um ihn zum Stehen zu bringen. 


mehrere Soldaten entnehmen Bodenproben rund um ein Fahrzeug

Entnahme von Bodenproben am Anschlagsort

Foto: © Bundeswehr / Jonas Weber

Kurz darauf hat sich ein Selbstmordattentäter an der Fahrerseite in die Luft gesprengt“, fasst Berger zusammen. In der Übungsauswertung erfährt das WIT schließlich, wie es sich im Übungsszenario geschlagen hat. „Ihr habt euch super aufgeteilt, die Kommunikation hat gestimmt. So sollte es laufen“, lobt Ausbilder Hauptmann Daniel Urban vom Ausbildungsstützpunkt Kampfmittelabwehr. Er sieht aber auch Verbesserungspotenzial. So hat das Team ein Handy-Tastenfeld nicht gesichert. „Das wäre ein optimaler Spurenträger gewesen. Aber so was passiert. Der Lehrgang ist da, um Fehler zu machen. Das Ziel wurde insgesamt erreicht.“


Autor: Stefan Rentzsch