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Das Gefecht – von der Defensive in die Offensive

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2 Kampfpanzer beim Schießen

Das Gefechtsschießen ist der Höhepunkt der Lehrübung.

Foto: © Bundeswehr / Hartung

So kämpfen Landstreitkräfte

Verzögern – Aufklären – Angreifen: Das facettenreiche, mobile und hochintensive Gefecht verlangt dem militärischen Führer all sein Wissen, seine Erfahrung und sein Können ab.

Es wird ernst. Oberstleutnant Thomas Zimmer, Kommandeur und zugleich der Leitende des Gefechtsschießens "Operation verbundener Kräfte", lässt die Schranken der Schießbahn schließen.


In den folgenden 90 Minuten der Informationslehrübung (ILÜ) 2017 zeigen rund 850 Soldatinnen und Soldaten mit fast 80 Gefechtsfahrzeugen und jeder Menge Gefechtsmunition atemberaubende Bilder. "Wir wollen am realen Gefecht erklären, wie wir Fähigkeiten streitkraftübergreifend verbinden und zielgerichtet einsetzten. Ja sogar nationenübergreifend zusammenarbeiten – auch unsere niederländischen Kameraden sind mit ihren Schützenpanzern in den Gefechtsverband integriert“, erklärt Kommandeur Zimmer.


Soldat mit Fernglas auf Gefechtsfeld.

Oberstleutnant Thomas Zimmer ist Kommandeur des Panzergrenadierlehrbataillons und Leitender des Schießens.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

Die Verzögerung verschafft wichtige Zeit

Auf der weithin einsehbaren Schießbahn grollen Panzertriebwerke. Die Mündungsblitze der Bord­kanonen der Leoparden und Pumas zeugen vom Feuergefecht mit den angreifenden feindlichen Spitzenkräften. "Achtung Feindmeldung. Habe zwei feindliche Kampfpanzer vernichtet, ich weiche weiter aus, Ende“, lautet ein Funkspruch. Rückwärts rollen Kampfpanzer und Schützenpanzer durch das Gelände – die Bordkanonen stets in Feindrichtung, die Richtschützen immer zum Feuern bereit. Unter ständiger Bekämpfung des Feindes wird in der Verzögerung Gelände preisgegeben, aber Zeit gewonnen. Verzögern ist der Tausch von Raum gegen Zeit.



Taktische Feuerunterstützung

Wichtig dabei ist der Einsatz der streitkräftegemeinsamen taktischen Feuerunterstützung. Joint-Fire-Coordination-Teams sind in der Lage, Mörser- und Artilleriefeuer, Kampfflugzeuge und sogar Schiffsartillerie in das Ziel zu lenken.  Soldaten der schweren Kompanie eines Jägerbataillons stehen mit ihren Panzermörsern in Stellung. Bis zu einer Reichweite von 6.350 Metern unterstützen sie die Infanterie im Kampf gegen leicht gepanzerte Feindkräfte. Eine hohe Feuergeschwindigkeit von 15 Schuss pro Minute sowie die Splitterwirkung der 120-Millimeter-Mörserpatronen machen die Feuerkraft der Waffe aus. Das Mörserfeuer fügt dem Feind bereits auf große Entfernungen Verluste zu. Die mit der Verzögerung gewonnene Zeit nutzt Kommandeur Zimmer zur Vorbereitung und Planung eines Angriffes – die Aufklärung liefert wichtige Informationen dazu.

Panzermörser beim Feuern.

Bis in eine Entfernung von mehr als sechs Kilometern reicht die Wirkung der Mörser des Typs M113.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow


Im Angriff die Entscheidung erzwingen

Oberstleutnant Zimmer hat die Lage neu beurteilt. Der Kommandeur befiehlt: "Angriff!“ Mit einem Angriff werden Kräfte des Feindes bekämpft und eine Entscheidung herbeigeführt. Die Wucht von Feuer und Bewegung machen die Stoßkraft eines Angriffs aus. Den Spitzenkräften des Angriffes voraus ist die eigene Gefechtsaufklärung eingesetzt, um eventuell doch noch verbliebene Feindkräfte zu entdecken. Panzer stoßen mit ihren weitreichenden Kanonen und hoher Geschwindigkeit über weit offenes Gelände vor.

5 Soldaten verlassen Schützenpanzer.

Das Gefecht ist die höchste Schule des militärischen Führers.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow



Abgesessener Kampf

In Heidedorf, einem bebauten urbanen Ballungsraum, kämpfen Infanteristen um jeden Meter. Hauptfeldwebel Sascha Steinmeier ist mit seinem Infanteriezug als Erster in Heidedorf.  "Der Flusslauf verhindert das Vorankommen unserer Boxer und Schützenpanzer. Wir sichern den Brückenkopf für die Panzerschnellbrücke der Pioniere“, erklärt der 33-Jährige. Zu Fuß, von Haus zu Haus und von Tür zu Tür, sichern die 24 Infanteristen das Gelände rund um die Brückenstelle.





Unterstützung von allen Seiten

"Das ist wichtig und muss sehr schnell gehen. Mit der Panzerschnellbrücke wird eine weitere Angriffsachse für die Infanterie geschaffen“, fügt Steinmeier hinzu. Nur Minuten später rollen die niederländischen Combat Vehicle 90, dem Schützenpanzer Marder vergleichbar, über den neuen Übergang durch Heidedorf. Eine durch den Raketenwerfer MARS II verschossene Minensperre riegelt feindliche Folgekräfte ab. Der geschlossene Angriff läuft gemeinsam mit allen Kräften über die gesamte Breite des Gefechtsfeldes.

Ein Brückenlegepanzer verlegt eine Brücke.

Für den Einsatz der Panzerschnellbrücke muss das feindliche Feuer ausgeschaltet sein.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow


Landstreitkräfte funktionieren nur im starken Verbund

"90 Minuten intensives Gefecht haben gezeigt, dass die ineinandergreifenden und facettenreichen Fähigkeiten, etwa der Panzertruppen, der Infanterie, der Artillerie ja sogar heeresübergreifend bis hin zur Luftwaffe, den Erfolg im Gefecht bringen. Immer mit dem Hintergrund der Landes-und Bündnisverteidigung“, resümiert Oberstleutnant Zimmer.

Autor: Rene Hinz