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Mach, was wirklich zählt.

Ein Soldat reinigt in ABC Schutzanzug ein Fahrzeug mit spezieller Entgiftungsflüssigkeit.
Ein Soldat im Schutzanzug kniet neben einem zweiten und nimmt eine Probe.

Vorsichtig entnimmt Stabsunteroffizier Farys eine Probe.

Foto: © Bundeswehr

Der unscheinbare Feind

Ein Schiffcontainer steht mitten in der kanadischen Prärie. So unscheinbar er von außen aussehen mag, umso gefährlicher ist sein Inhalt. Terroristen haben in ihm ein improvisiertes Labor zur Herstellung chemischer Kampfstoffe (C-Kampfstoffe) betrieben. Herauszufinden, um welchen es sich dabei genau handelt, ist die Aufgabe des ABC-Abwehrbataillons 7 aus Höxter.


Was wie ein Horrorszenario klingt, ist Teil der dreiwöchigen Nato-Übung Precise Response 2017. Zum Einsatz kommen dabei sogenannte SIBCRA-Teams (Sampling and Identification of Biological, Chemical and Radiological Agents). Ihre Aufgabe besteht darin, die Lage vor Ort aufzuklären, zu dokumentieren und Proben zu nehmen.

Ein Soldat steht mit dem Rücken zur Kamera, in seiner Hand hält eine Videokamera auf einen Kameraden gerichtet.

Der Einsatz wird mit Videokameras dokumentiert.

Foto: © Bundeswehr / Wiedemann

Übung mit echten Kampfstoffen

Stabsunteroffizier Marcel Farys nimmt das vierte Mal an Precise Response teil. Als "Spürer 1" ist er Teil des fünf-köpfigen SIBCRA-Teams, das sich auf den Weg zum Laborcontainer mit den C-Kampfstoffen gemacht hat. Der gebürtige Gelsenkirchener ist für die Entnahme von Proben sowie die Beratung des Teamführers zuständig. Seit 2011 leistet der gelernte biologisch-technische Assistent seinen Dienst in den ABC-Abwehrkräften der Bundeswehr.

Die Übung Precise Response sei für ihn immer wieder eine ganz besondere Herausforderung: „Die hohen Temperaturen sowie die anspruchsvollen Szenarien mit echten Kampfstoffen machen den Reiz dieser Übung aus", so Farys. Der 32-Jährige sieht darin die Möglichkeit das eigene Können im internationalen Rahmen unter Beweis zu stellen und es ist eine willkommene Abwechslung zum alltäglichen Dienst in Deutschland. „Viele Kameraden in der Bundeswehr wissen oft leider zu wenig über unsere Fähigkeiten. Die meisten bringen uns nur mit der Desinfektion von Geräten und Fahrzeugen im Auslandseinsatz in Verbindung. Hier ist das anders."

Mehr als nur ein Dienstleister

Die Angehörigen des ABC-Abwehrkommandos der Bundeswehr - in Suffield insbesondere die des ABCAbwBtl 7 aus Höxter - sind mehr als nur Dienstleister. Dies wird während der Übung schnell klar: Bei knapp 40 Grad Lufttemperatur und in einen dicken Schutzanzug gepackt, ist Farys mit seinem Team am Container angekommen. Die Anstrengung ist den Kameraden aus Höxter sichtlich ins Gesicht geschrieben: „Trotz der enormen Hitze und den echten Kampfstoffen müssen wir einen kühlen Kopf bewahren. Jeder der im SIBCRA-Team tätig sein will, muss deshalb körperlich und geistig fit sein. Sonst gefährdet er sich und das ganze Team."

Ein Soldat sitz im Vollschutzanzug mit ABC Maske auf einer Bank.

Die Erfahrungen schweißen das Team zusammen.

Foto: © Bundeswehr / Wiedemann

Vier Augen sehen mehr als zwei

Der Container wird geöffnet. Nun muss sorgfältig dokumentiert und Proben genommen werden. Schon eine Stecknadelkopf-große Menge bestimmter C-Kampfstoffe reicht dazu aus einen Menschen zu töten. Ein Risiko, dessen sich Farys durchaus bewusst ist: "Die einzelnen Arbeitsläufe müssen sitzen. Zudem muss ich meine Umgebung stets im Blick behalten. Schon im Vorfeld mache ich mir daher Gedanken, was ich wie tun möchte." 

Das „Buddy-Prinzip“ soll dabei helfen, Fehler zu vermeiden. Dabei gehen zwei Soldaten im Team gemeinsam vor: "Gerade wenn der Einsatz länger dauert, kann die Aufmerksamkeit nachlassen. Vier Augen sehen dann eben mehr als zwei“, so Farys. Angst hat der 32-Jährige vor seiner Aufgabe nicht: "Ich habe vollstes Vertrauen in meine Ausrüstung und meine Ausbildung. Man darf aber auf keinen Fall den Respekt vor den Kampfstoffen verlieren. Wer den Respekt verliert, macht Fehler und Fehler können wir uns nicht leisten."

Geschafft!

Auch dieses Mal konnte Farys gemeinsam mit seinen Kameraden erfolgreich eine Probe des C-Kampfstoffes nehmen. Diese wird nun an die kanadischen Soldaten eines mobilen chemischen Labors übergeben. Dort wird herausgefunden werden, worum es sich genau handelt. Zusammen mit seinen Kameraden begibt sich Farys nun zur Dekontaminationslinie. Er ist froh darüber, dass alle im Team den Einsatz gut überstanden haben: „Meine Kameraden sind mir sehr wichtig. Übungen wie Precise Response helfen das Team noch enger zusammenzuschweißen."

Autor: Philipp Wiedemann