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Soldaten aus dem Fallschirmjägerregiment 31 trainieren in Schweden

Soldaten aus dem Fallschirmjägerregiment 31 trainieren in Schweden

Foto: © Bundeswehr / Maximilian Schulz

Spezialisierte Kräfte des Heeres trainieren in Schweden

Auf einem ehemaligen Flugplatz in Sjöbo im Süden Schwedens, rund 390 Kilometer nordöstlich vom niedersächsischen Seedorf, haben Soldaten des Fallschirmjägerregiments 31 unter anderem den Kampf im bebauten Gelände trainiert. Die spezialisierten Kräfte des Heeres mit erweiterter Grundbefähigung (spezlKrH EGB) haben vom 8. bis 20. September als Verstärkungskräfte an der Übung Northern Coasts 2017 teilgenommen.

Northern Coasts ist eine Übung bei der rund 5.000 Soldaten aus 17 Nationen verschiedene militärische Abläufe der Krisenbewältigung trainieren. Mit dabei sind die Soldaten der 3. Kompanie vom Fallschirmjägerregiment 31 aus Seedorf.

Fallschirmjäger sichern rechts mit dem G36 K A4 mit 40 mm Abschussgerät Granate und links mit dem MG 4 ab

Fallschirmjäger sichern rechts mit dem G36 K A4 mit 40 mm Abschussgerät Granate und links mit dem MG 4 ab

Foto: © Bundeswehr / Maximilian Schulz

Indoor Training - Kampf auf unbekannten Terrain

Betonblöcke, ausrangierte Metallcontainer und barackenähnliche Gebäude zieren die im dichten Wald eingebettete alte Landebahn. Rund 30 schwerbewaffnete Fallschirmjäger mit erweiterter Grundbefähigung (EGB) nähern sich im strömenden Regen durch das bebaute Gelände an, um ein doppelstöckiges Gebäude zu nehmen.

Vier Trupps stehen seitlich des Eingangs an der Außenmauer angelehnt. Ein Trupp setzt sich aus vier Mann zusammen. Die Mündungen ihrer schweren Waffen zeigen in Richtung der zu erkennenden Öffnungen wie Türen und Fenster. Man spürt die Anspannung der EGBler, denn sie haben keine Aufklärungsergebnisse über das Gebäude. Es ist so ruhig, dass man hört wie die Regentropfen auf dem Asphalt der Landebahn auftreffen, mit Feindkontakt müssen die Soldaten stets rechnen.

Die spezialisierten Kräfte dringen in ein Gebäude ein

Die spezialisierten Kräfte dringen in ein Gebäude ein

Foto: © Bundeswehr / Maximilian Schulz

Wir gehen rein!

Dann kommt das „Go“ von Maik. Der einsatzerfahrene Hauptfeldwebel ist als Zugführer eingesetzt und koordiniert hier seine Kräfte. Langsam setzt sich sein erster Trupp in Bewegung. Über eine Metalltreppe gelangen die EGBler ins erste Geschoss. Der erste Mann gibt die Richtung an, in die sich der jeweilige Trupp bewegen soll. Der letzte (vierte) Mann eines Trupps ist derjenige, der nach hinten absichert und die Verbindung zum nachfolgenden Trupp hat. „Großer Raum mit offener Tür nach rechts“, meldet der erste Mann. Diese und weitere Meldungen werden wie bei „stille Post“ weitergegeben. So entsteht für Zugführer Maik ein Lagebild, aus dem er seine Entschlüsse und das weitere Vorgehen schlussfolgern kann.


Die Fallschirmjäger kämpfen sich von Raum zu Raum

Die Fallschirmjäger kämpfen sich von Raum zu Raum

Foto: © Bundeswehr / Maximilian Schulz

Verschachtelte Räume – Kein leichter Weg

Dann kommt das „Go“ von Maik. Der einsatzerfahrene Hauptfeldwebel ist als Zugführer eingesetzt und koordiniert hier seine Kräfte. Langsam setzt sich sein erster Trupp in Bewegung. Über eine Metalltreppe gelangen die EGBler ins erste Geschoss. Der erste Mann gibt die Richtung an, in die sich der jeweilige Trupp bewegen soll. Der letzte (vierte) Mann eines Trupps ist derjenige, der nach hinten absichert und die Verbindung zum nachfolgenden Trupp hat. „Großer Raum mit offener Tür nach rechts“, meldet der erste Mann. Diese und weitere Meldungen werden wie bei „stille Post“ weitergegeben. So entsteht für Zugführer Maik ein Lagebild, aus dem er seine Entschlüsse und das weitere Vorgehen schlussfolgern kann. Nachdem die ersten beiden Trupps den großen Raum durch die Tür nach rechts passiert haben, stehen sie erneut in einem etwa 40 Quadratmeter großen Raum. Diesmal jedoch sind zwei verschlossene Türen zu sehen. Trupp Eins nimmt an der rechten und Trupp Zwei an der linken Tür Aufstellung. Der dritte und vierte Trupp ist bereits aufgeschlossen und sichert den rückwärtigen Bereich.

Ein Trupp Seedorfer Fallschirmjäger rückt weiter vor

Ein Trupp Seedorfer Fallschirmjäger rückt weiter vor

Foto: © Bundeswehr / Maximilian Schulz

Wachsames Auge

„Erst rechts dann links“, so befiehlt Maik. Die rechte Tür wird geöffnet. Es ist ein etwa 2,50 Meter breiter Flur zu erkennen, von wo aus rechts und links verschlossene und offen Türen zu sehen sind. Nun öffnen sie die linke Tür. Der erste Mann des zweiten Trupps geht als erster in den nächsten Raum. „Kontakt!“ hallt es aus dem Raum. Mit einem gezielten Doppelschuss wird das Ziel (der feindliche Schütze) erfolgreich bekämpft, die Bestätigung für die Soldaten, dass das Gebäude nicht feindfrei ist. Von jetzt an kann es zügig weitergehen. Fast jeder Raum ist mit alten Möbeln bestückt, was das Vorgehen immer wieder ein wenig ausbremst. Hinter oder in den Schränken, also im toten Winkel, können sich feindliche Kräfte aufhalten. Routiniert arbeiten sich die Kräfte von Raum zu Raum, wobei es zu drei weiteren Kontakten kommt. Als die Meldung „Free Clear“ (Letzter Raum klar) kommt, ist Übungsende.


Zügig nähern sich die Fallschirmjäger dem Angriffsziel

Zügig nähern sich die Fallschirmjäger dem Angriffsziel

Foto: © Bundeswehr / Maximilian Schulz

1. Outside Training – EGB Kräfte gefordert

Tim hat die entsprechenden Situationen im Gebäude vorbereitet. Er ist hier für die Ausbildung verantwortlich. Auch er ist ein einsatzerfahrener Hauptfeldwebel aus der 3. Kompanie. Tim ist dem Zug ständig auf den Fersen geblieben und hat sich seine Anmerkungen notiert. „Ich muss mit den Jungs mitlaufen und ihnen über die Schulter schauen. Da ist es wichtig, dass ich mir sofort in der jeweiligen Situation meine Notizen mache, weil mir später sonst der Bezug fehlen könnte“, so Tim. Nach einer gemeinsamen Auswertung durch ihn, den Zugführer Maik und den Trupps werden weitere Durchgänge trainiert. Immer mit einer leichten Steigerung der Anforderungen.

Zugführer Maik und seine Soldaten haben einen Folgeauftrag erhalten. Sie sollen einen Compound (eine nachgebaute verwinkelte Siedlung) nehmen. „Männer, erhöhte Aufmerksamkeit! Feindliche Kräfte in unbekannter Stärke im Compound“, so Maik. 

An der Waldkante, südwestlich des Compounds, haben Fallschirmjäger Stellung bezogen. Auf Befehl vom Zugführer rattert das Maschinengewehr mehrere Salven in Feindrichtung, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und somit ihren Kameraden den Einbruch in den Compound zu ermöglichen.

Fallschirmjäger kämpfen sich in den verwinkelten Compound vor

Fallschirmjäger kämpfen sich in den verwinkelten Compound vor

Foto: © Bundeswehr / Maximilian Schulz

Erbitterter Widerstand

Der Feind macht es den EBGlern nicht einfach. Der Compound ist eng und verwinkelt. Somit haben die feindlichen Kräfte einen enormen Vorteil, da sie ortskundig sind. „Für meine Jungs und mich ist es sehr schwierig, da sich die Kampfrichtung ständig ändert“, so Maik. Schon beim Einbruch in diesen Komplex wurde ein Fallschirmjäger durch feindliche Kräfte „tödlich verwundet“. Doch die erfahrenen Spezialkräfte des Heeres führen ihren Auftrag weiter fort.

Nach und nach gewinnt Maik den Überblick und koordiniert seine Männer durch die unübersichtlichen Gassen. Immer wieder kommt es zum Schusswechsel. Während die erste positive Meldungen „zwei Targets (Ziele= Feind) erfolgreich bekämpft“ den Zugführer erreicht, prasselt prompt eine negative hinterher. „Wir haben einen Verwundeten, Durchschuss am rechten Oberarm“. Routiniert leisten die Bravos (Soldaten mit erweiterter Sanitätsausbildung, vergleichbar Rettungsassistent) Erste Hilfe. Während sie die Verwundeten versorgen, kämpfen sich die anderen weiter vor. Nach rund 20 Minuten haben die EGB Kräfte den Compound in ihrer Gewalt. Fazit: Drei feindliche Targets erfolgreich bekämpft. Eigene Teile, ein Ausfall und zwei Verwundete, davon ein Beinschuss und ein Schuss durch den Oberarm. Zugführer Maik hat in der anschließenden Auswertung nochmals die drei Schwerpunkte im Gefecht wie Sanität, Schießen und den Blick für das Gelände verdeutlicht. „Diese Übung hat uns aufgezeigt, wo jeder einzelne an sich arbeiten muss.“

Durch Farbabdrücke der FX Munition werden Treffer realistisch dargestellt

Durch Farbabdrücke der FX Munition werden Treffer realistisch dargestellt

Foto: © Bundeswehr / Maximilian Schulz

Realitätsnah mit FX-Munition

Schwedische Soldaten haben bei dieser Übung als Feindkräfte unterstützt. Anders als in Deutschland dürfen die Schweden FX-Munition einsetzen. Die FX-Patrone ist ein Übungsmunitionstyp mit Farbprojektilen, vergleichbar mit Gotcha. Ausbilder Tim ist begeistert vom Einsatz der Übungsmunition. „Das ist das beste, interaktive Combat-Training-System für ultimative Realitätsnähe“, sagte Ausbilder Tim. „Wir haben hier bewusst nur den Feindkräften FX Munition zur Verfügung gestellt. Damit haben wir erreicht, jedem einzelnen Soldaten zu verdeutlichen, dass er nicht unbesiegbar ist“, so Tim weiter. Bei diesem Szenario wurde jedem außerdem aufgezeigt, was er beim Verhalten als Einzelschütze oder als Trupp noch ausbauen kann.

Zwei Tage haben die Fallschirmjäger EGB ihre Grundfertigkeiten im Kampf auf unbekanntem Terrain, in verschiedenen Situationen trainiert und aufgefrischt. Im weiteren Verlauf der Übung Northern Coast trainieren sie gemeinsam in engen Schulterschluss mit anderen Einheiten.

*Namen redaktionell geändert



Autor: Daniel Richter