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Zwei Soldat sind abgekniet auf einer Wiese mit Waffen im Anschlag.

Die Soldaten warten in der Schützenreihe auf weitere Befehle

Foto: © Bundeswehr / Helge Adrias

Lost in Translation

Der militärische Sprachgebrauch mag manchem Zivilisten spanisch vorkommen. Gerade die Bundeswehr ist berühmt berüchtigt für ihre ganzen Abkürzungen und Eigenbegriffe. Doch was sich im hiesigen Militärjargon über Jahre verselbstständigt hat, muss bei der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wieder aufwendig übersetzt werden. So liegt eine Herausforderung in der Kooperation zwischen Seebataillon und niederländischem Korps Mariniers in der gegenseitigen Verständigung.


Vier Soldaten knien auf der Schießbahn in einer Reihe und einer gibt Anweisungen .

Vor dem Beginn der Übung sprechen sich die Soldaten noch einmal ab.

Foto: © Bundeswehr / Helge Adrians

Auf der Schießbahn

„One enemy!“, schallt es über die Schießbahn 2 des Truppenübungsplatzes Putlos am Mittwoch. Konzentriert suchen die Soldaten das vor ihnen liegende Areal ab. „One enemy! One enemy!“, brüllen die Ausbilder unterdessen weiter.

Die Infanteristen der Küsteneinsatzkompanie und Korps Mariniers der 22nd Raiding Squadron werfen sich Blicke zu: Wer hat den Feind entdeckt? Wer soll zuerst schießen? Wer gibt die Kommandos? Frage über Fragen. Mehrmals hat man die Situation vorher durchgespielt. Aber jetzt, mit einem vollen Magazin an der Waffe und den Schreien der Ausbilder im Nacken, scheint alles anders zu sein. Es sind zwar nur Bruchteile von Sekunden, doch schaut man den deutschen und niederländischen Soldaten ins Gesicht, scheint die Zeit kurz stehen geblieben zu sein, bevor sie in den Angriff übergehen.

Ein Ausbilder steht vor einer Gruppe von Soldaten und bespricht mit ihnen die Übung.

Die Ausbilder weisen die Soldaten in die bevorstehende Übung ein.

Foto: © Bundeswehr / Helge Adrians

Seite an Seite

Ziel der heutigen Übung ist es, die Kommunikation und Koordination zwischen den deutschen und niederländischen Soldaten zu verbessern. Dazu arbeiten die Marineinfanteristen zusammen, um den fiktiven Angriff zu trainieren. In gemischten Schützenreihen von vier bis acht Soldaten hocken sie nebeneinander, immer abwechselnd ein Deutscher und dann ein Niederländer. Seite an Seite, nur wenige Meter voneinander entfernt. Mehr internationale Zusammenarbeit geht nicht.

Trotzdem liegt zwischen den Soldaten eine unsichtbare Barriere: Die Kommunikation. Einige Niederländer sprechen zwar Deutsch, die wenigsten Deutschen allerdings Niederländisch. Üblicherweise greift man in solchen Fällen aufs Englische zurück. Wer aber denkt, damit seien alle Probleme gelöst, hat sich getäuscht.

Wo geschossen wird, ist es laut. Man trägt Helm und Gehörschutz, steht unter Anspannung, muss sich auf mehrere Sachen gleichzeitig konzentrieren. Einstudierte Abläufe und Verfahren helfen in solchen Situationen zurechtzufinden. Das ist in diesem Fall aber nicht möglich, denn die Kameraden links und rechts stammen aus einer anderen Marine. Genau das wird hier trainiert.

Ein Soldat mit Waffe im Anschlag ruft jemanden etwas zu.

Im Feld wird deutlich kommuniziert, Sprache wird zur Nebensache.

Foto: © Bundeswehr / Helge Adrians

Deutsch-Niederländische Front

„In da House!“, rufen die niederländischen Ausbilder, die direkt hinter den Schützen stehen. Ihre deutschen Kameraden müssen schmunzeln: „In da House“? Ernsthaft? In Deutschland kennt man diesen Ausdruck eher aus dem US-amerikanischen Hiphop- oder Rap-Bereich – eine Kultur, die - völlig ohne Wertung - dem deutschen Militär eher fremd ist.

Trotzdem ist „In da House“ sowohl für Deutsche als auch für Niederländer klar verständlich. Sofort nehmen sie das Feuer auf. Nachdem die ersten Pappschilder erfolgreich bekämpft und infolgedessen umgefallen sind, rücken die gemischten Trupps vor: Deutsche sichern das Vorgehen der Niederländer, Niederländer sichern das Vorgehen der Deutschen.

Mit jedem Durchlauf werden die jungen Marineinfanteristen sicherer. Ihre Rufe überlagern mittlerweile die der Ausbilder. Routiniert nähern sie sich den Häusern auf der Schießbahn an. Was würde sich ein Gegner wohl denken, wenn sich eine Front aus Deutschen und Niederländern auf ihn zubewegt?

Zwei Soldaten im Gespräch.

Der Chef von der Küsteneinsatzkompanie im Gespräch mit dem Zugführer des Korps Mariniers.

Foto: © Bundeswehr / Helge Adrians

Positives Fazit

"Die Zusammenarbeit zwischen uns war heute recht gut", resümiert Hauptbootsmann Joost H. von der Küsteneinsatzkompanie des Seebataillons. "Man muss sich erstmal kennenlernen. Das haben wir gestern getan. Heute konnten wir dann den scharfen Schuss trainieren, zunächst im Vier-Mann und später im Acht-Mann-Trupp. Das klappte reibungslos, so dass man die Ausbildung unterm Strich als Erfolg verbuchen kann."

Auch die Niederländer ziehen ein positives Fazit. Sergeant Hans meinte: "Unsere oberste Priorität ist, dass wir einander verstehen, damit alle Abläufe reibungslos funktionieren. Taktisch sind wir gar nich so weit voneinander entfernt. Entscheidender ist zum Beispiel zu wissen, wann die gemischten Teams bereit sind, Positionen zu wechseln."

Der heutige Tag hat gezeigt, dass internationale Zusammenarbeit auf der taktischen Mikroebene viele Tücken mit sich bringt. Deutsche und niederländische Marineinfanteristen schafften es binnen kürzester Zeit jedoch, diese zu erkennen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Die Abschlussübung wird zeigen, was die Woche auf dem Truppenübungsplatz gebracht hat.

Autor: Helge Adrians