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Mehrere Sodaten im Schießanzug stehen um eine Landkarte

Vorbereitung des Orientierungstrupps

Foto: © Bundeswehr Konstantin Möller

Operation Höllsturm: Fallschirmjäger erkunden Angriffziel

Mehr als 31 Kilometer Marschweg liegen vor den Fallschirmjägern des Alpha-Zuges. Weit voraus prüfen sie für die Hauptkräfte der Operation Höllsturm, ob Wege und Brücken begehbar sind und wie sich Ortschaften am besten umgehen lassen. Ihr Hauptauftrag: Das Angriffsziel Höll erkunden. Doch ein illegaler Checkpoint wird zum Schlüsselerlebnis, das über Erfolg oder Misserfolg des Auftrags entscheidet. Die jungen Fallschirmjäger sind Teilnehmer des Offizierlehrgangs 3 Teil B und werden gerade zum Zugführer der Fallschirmjägertruppe ausgebildet.


In Losheim am See üben sie als Alpha-Zug der 4. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 26 die Infiltration und Erkundung eines Angriffsziels. Schwere Ausrüstung, ein langer Marsch, zahlreiche Aufträge und eine vorgeschobene Sicherung des Feindes verlangen ihnen so einiges ab. Zwölf Stunden von den Hauptkräften entfernt, operieren sie völlig auf sich allein gestellt.

Ein Soldat packt seinen Fallschirm

Bergung des Fallschirms

Foto: © Bundeswehr Konstantin Möller

Aufklärung unter Zeitdruck

Sofort nach dem Absprung aus der C-160 Transall, dem taktischen Transportflugzeug der Bundeswehr, beginnt die Orientierung in der Luft: Wo genau befinde ich mich innerhalb der Landezone? Wohin muss ich? Das sind die ersten Fragen, die sich die Fallschirmjäger stellen. Eine kurze Rundumschau und schon ist klar, wo die befohlene Sammellinie ist. Der Landefall und das Bergen des Schirmes gelingen. Schon bald finden sich die Fallschirmjäger zusammen.

Ein Orientierungstrupp, klassisch ausgestattet mit Karte, Kompass und GPS-Gerät, macht sich auf den Weg. Nur etwa 3.000 Meter in südostwärtiger Richtung liegt das erste Zwischenziel namens Furt – ein feindlicher Checkpoint. Schnell und leise bezieht ein Maschinengewehrtrupp eine erhöht gelegene Stellung vor dem Kontrollpunkt. Von dort aus können die Soldaten den folgenden Angriff mit hoher Feuerkraft unterstützen. Auch die zwei Angriffsgruppen begeben sich schließlich in die Sturmausgangsstellung. Währenddessen blickt ein Angehöriger der Miliz am Checkpoint seelenruhig auf den Wald vor sich – das Sturmgewehr locker vor der Brust hängend. 

Ein Dingo in Zufahrt

Kontrolle des illegalen Checkpoints

Foto: © Bundeswehr Christian Mechenbier

Ruhe vor dem Sturm

Die Ruhe ist trügerisch. Er ahnt nicht, dass ihn bereits der Maschinengewehrtrupp des Alpha-Zuges durch die Visiereinrichtungen beobachtet. Ohne Vorwarnung bricht das Deckungsfeuer los. Eine der Sturmgruppen bewegt sich aus dem Wald über die Freifläche auf die feindliche Stellung zu. Ein Verfahren, das die Soldaten bereits viele Male geübt haben. Die Maschinengewehre halten die feindlichen Kräfte mit ihrem Feuer nieder. Ungehindert stoßen die Sturmgruppen vor. Der feindliche Checkpoint wird zügig geworfen. Doch kurz darauf kommt per Funk die Meldung, dass gepanzerte Kräfte des Feindes zum Gegenstoß ansetzen. Die Fallschirmjäger weichen Richtung Osten aus, um ihren Auftrag fortzuführen. 15 Kilometer mit Freiflächen, Stacheldrahtzäunen, Steilhängen, dichtem Bewuchs und sumpfigen Wiesen müssen sie überwinden. 

Soldaten beim Marsch mit Panzerfaust geschultert

Durchführung Gegenstoß mit Panzerfaust

Foto: © Bundeswehr Konstantin Möller

Fallschirmjäger weichen aus

24 Stunden können sie ohne weitere Versorgung mit ihrer Ausrüstung und Munition operieren. Sie führen Sturm- und Maschinengewehre, Panzerfäuste, Munition und Handgranaten mit sich.

Soldaten geben sich Sichtzeichen

Geräuschlose Kontaktaufnahme mit Handzeichen

Foto: © Bundeswehr / Konstantin Möller

Die Dämmerung setzt bereits ein. Da trifft der Alpha-Zug in der Dropzone mit dem Decknamen Last ein. Per Funk führt der stellvertretende Zugführer einen Hubschrauber zur Truppe. Die Funksprache ist Englisch, denn Fallschirmjäger sind multinational und teilstreitkräfteübergreifend einsetzbar. Der Hubschrauber bringt dem Alpha-Zug große Rucksäcke, mit denen die Soldaten weitere 72 Stunden ohne zusätzliche Versorgung durchhalten können.

Schwer beladen nähern sich die Fallschirmjäger dem Angriffsziel Höll. Es ist bereits tiefe Nacht. Restlichtverstärker vom Typ Lucie sorgen am Helm für die Nachtkampffähigkeit der Truppe. Im Schutz der Dunkelheit und aufgrund der Ausrüstung, die teilweise bis zu 40 Kilogramm wiegt, entscheidet der Zugführer, seine Soldaten auf ausgebauten Wegen marschieren zu lassen. Grundsätzlich ist das für die Infanterie ein eher untypisches Verhalten, doch mit Blick auf den Auftrag und die derzeitige Lage erscheint diese Entscheidung zweckmäßig.Nach weiteren zehn Kilometern nehmen eigene Scharfschützen die Fallschirmjäger auf und weisen sie in die Gegebenheiten vor Ort ein. Der Alpha-Zug bezieht ein Nahversteck kurz vor dem Aufklärungsziel. Jetzt beginnt die eigentliche Aufklärung. Die restliche Nacht verbringen die Soldaten im Schichtbetrieb. Ein Drittel ruht, ein Drittel bereitet sich auf Aufträge vor, ein Drittel führt die Aufträge aus. 


Der Alpha-Zug – das Zünglein an der Waage

Der Kompaniechef hat dem Zug mehrere Erkundungs- und Aufklärungsaufträge erteilt. Er möchte wissen, wo geeignete Stellungen für schwere Waffen, Sturm- sowie Deckungsgruppen sind und wie sich der Feind im Angriffsziel verhält. Der Zugführer entscheidet mit einem beweglichen Spähtrupp und aus einem Beobachtungsversteck heraus aufzuklären. Im Morgengrauen treffen die Hauptkräfte ein. Sie haben den Auftrag, in Höll eine Splittergruppe zu zerschlagen, die sich von der lokalen Armee losgesagt und den feindlichen Kräften angeschlossen hat. Der Angriff steht kurz bevor. Dafür nutzen sie die Aufklärungsergebnisse, die der Alpha-Zug in der letzten Nacht gewonnen hat. Für die Bewältigung der Operation sind nun die ganze Professionalität und das Spezialwissen der Fallschirmjägertruppe gefragt.

Autor: Marcel lederhausen, Dennis Wernien, Ilhan Akcay