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Seefernaufklärer der Marine

Flugzeug auf Startbahn.
Orion bei Nacht.

Fernaufklärer Orion auf dem Rollfeld.

Foto: © Bundeswehr / Djibouti

Marineflieger "Orion" wird flott gemacht

In der Luft kann man Fehler am Flugzeug nicht so einfach beheben. In der Flugzeugwerft der Marineflieger in Nordholz sorgen die Fachkräfte der Technischen Staffel P-3C des Marineflieger­geschwaders 3 "Graf Zeppelin" alltäglich dafür, dass die Aufklärungs­flugzeuge vom Typ P-3C "Orion" in den Nordholzer Himmel starten können. Den Traum vom Fliegen lässt die Flugzeugwerft in Nordholz Wirklichkeit werden.



Eine gelbe Konstruktion neben dem Flugzeug.

Der "Galgen" im Einsatz.

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Der "Gesundheitscheck" ist Pflicht

Ein Flugzeug ist ein komplexes System und unterliegt höchsten Sicherheitsstandards. Aus diesem Grund werden die Uboot-Jäger und Seefernaufklärer kontinuierlich inspiziert und gewartet. Alle zwölf Monate kommt eine "Orion" ins Dock.

Dann steht eine große Inspektion bevor. In der sogenannten planbaren Instandhaltung machen Mechaniker, Elektriker oder Flugwerker einen kompletten "Gesundheits­check" an der Maschine. Sie arbeiten während der mehrwöchigen Inspektion zeitgleich an unterschiedlichen Stellen. "Didi" ist angestellter Facharbeiter und kennt sich aus. Er zählt als Mann der ersten Stunde zu den erfahrensten Technikern in der Technischen Staffel P-3C. 


Ein Mann beleuchtet das Flugzeug mit einer Taschenlampe.

"Didi" untersucht die Außenhaut.

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Als Angestellter an der P3C

Als stellvertretender Dockleiter und Flugwerkmeister übernimmt er eine besondere Verantwortung und sorgt dafür, dass alle Arbeiten koordiniert und korrekt durchgeführt werden. Wenn eine "Orion" im Dock ist, müssen viele unterschiedliche Arbeiten durch Fachwerk­stätten verrichtet werden. "Oftmals müssen bestimmte Bauteile abgebaut werden, damit man an das nächste Bauteil rankommt. Unser aller Ziel ist es, dass die Orion schnellstmöglich wieder in den Flugdienst übergeben werden kann", hebt Didi hervor.

Das Team begutachtet genaustens die Instrumente, Elektrik, Elektronik und die hydraulischen Anlagen. Weiterhin werden Rumpf, Flügel und Triebwerke der Orion in mehreren hundert Arbeitsschritten mehr oder weniger stark zerlegt. Hierbei nimmt das Team auch kleinste Bauteile unter die Lupe und überprüft deren Funktion.

Eine große Halle mit Handwerkern und Material.

Flugwerft der Marineflieger.

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack


Dem Triebwerk geht’s an den Kragen

Die leistungsstarken Triebwerke der P-3C "Orion" sind großen Belastungen ausgesetzt. Neben dem herkömmlichen Öl- und Filterwechsel nimmt die Bodencrew die kompletten Triebwerke und Propeller in Augenschein. "In der ersten Phase wird eine visuelle Kontrolle durchgeführt. Bei dieser oberflächlichen Inspektion wird geschaut, ob Leckagen oder Beschädigungen mit dem bloßen Auge zu erkennen sind. Anschließend gehen wir dann in die Tiefe, wobei wir dann auch diverse Baugruppen ausbauen und Bauteile überprüfen".

Während der großen Inspektion wird auch das Triebwerks­innere inspiziert. Mit Hilfe einer beleuchteten Minikamera können die Triebwerk­mechaniker den Blick in die Brennkammern, die Kompressoren und Turbinen werfen. Und sollte der Propeller mal abgebaut werden müssen, kommt der "Galgen" zum Einsatz. Mit diesem speziellen Hebekran mit Handkette können die schweren Propeller ohne Probleme abmontiert werden. Im Dock nimmt der Flugwerker auch die Struktur und Außenhaut des Flugzeugs genau unter die Lupe. Sie untersuchen mehrere hundert Quadratmeter auf Dellen, Risse, Korrosion oder sonstige Schäden. Nieten, Nähte und vieles mehr – jeder Zentimeter der Außenhaut wird inspiziert.

"Bei der Bestands­aufnahme lassen wir nichts aus. Das ist zeitaufwändig und kann mehrere Wochen dauern", erklärt Oberbootsmann Yannick Buchholz. Wird etwas entdeckt, bekleben sie das Flugzeug mit farbigen Klebezetteln. Unterschiedliche Farben deuten auf verschiedene Beschädigungen hin.

Ein Mann beleuchtet die Oberfläche des Flugzeugs.

Überprüfung der Außenhaut.

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Die Suche nach der Mini-Beule

"Blau bedeutet, dass die Lackierung beschädigt ist. Darum kümmert sich anschließend der Maler. Grün steht für die Beschädigung von Nähten und Abdichtungen. Gelb markiert Schäden an Aufklebern von denen eine P-3C 'Orion' nicht wenige hat. Die roten Klebestreifen zeigen Korrosion an, was ein sehr ernst zu nehmendes Problem am Seeflugzeugen darstellt. Das Team behebt diese dementsprechend umgehend. Orange Streifen werden überall dort verwendet, wo augenscheinlich ein Fehler vorliegt, der keiner der anderen Kategorien zugeordnet werden kann", erklärt Begutachter Buchholz.

"Anschließend kommen die Maler und die Spezialisten aus der Metallerwerkstatt. Sie begutachten die Funde und entscheiden über das weitere Vorgehen", erklärt Hans-Dieter Höpke, Facharbeiter in der militärischen Luftfahrzeuginstandhaltung.

Ein Mann steht mit einem Prüfgerät vor einer Batterie.

Untersuchung der Batterie.

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Black Box – der kluge Kasten

Der Flugdatenschreiber, die sogenannte Black Box, steht mit auf dem Überprüfungsprotokoll. Hier müssen die Avioniker tätig werden. Die Black Box ist ein kleiner Kasten: Knallorange und so groß wie ein Schuhkarton. Sie ist quasi das "Gehirn" eines Flugzeugs. Sie zeichnet alle flugrelevanten Daten auf, sodass bei einem Unglück die Abläufe rekonstruiert werden können.

"Auch sie kann sich vor der Inspektion nicht drücken und muss auf Herz und Nieren geprüft werden", erklärt Hauptbootsmann Kevin Maihöfer. Als Avioniker kontrolliert er die Haltbarkeit der Batterien. "Die Batterien der Flugschreiber sind so beschaffen, dass die Geräte bis zu fünf Wochen nach einem Unglück akustische Signale aussenden können. Bei der Inspektion wird das akustische Signal überprüft", erklärt Maihöfer. Ist der Funktionstest überstanden, bauen die Avioniker die kleine Box wieder ein.

Ein altes Sprichwort sagt: "Viele Köche verderben den Brei." Damit bei einer länger andauernden Instandhaltungsmaßnahme kein Chaos entsteht, gibt es für komplexe Instandhaltungsabläufe Netzpläne und Arbeitsfolgepläne. In diesen Ablaufplänen sind alle Arbeitsschritte detailliert und in der richtigen Reihenfolge aufgeführt. Nacheinander werden sie abgearbeitet. Mit ihren Unterschriften bestätigen die Mechaniker und Meister gegenüber dem Prüfer, dass sie alle Arbeitsschritte ordnungsgemäß ausgeführt haben. So geht am Ende nichts verloren.

Zwei Männer halten einen ausgebauten Sitz des Flugzeugs.

Instandhaltung eines Sitzes.

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack


Ohne Strom läuft nichts

Kilometerlange Kabelbäume ziehen sich wie Geäst durch das gesamte Flugzeug. Sie liefern den erforderlichen Strom zum Endverbraucher oder übertragen Daten und Signale. "Ohne Strom aus die Maus", so fasst es der Techniker Thomas Friedhoff zusammen. Insgesamt hat der Seefernaufklärer vier Generatoren verbaut, die die gesamte Stromerzeugung gewährleisten. "Sie sind kleine 'Stromkraftwerke', die letzlich dafür sorgen, dass genügend Saft dort ankommt, wo er benötigt wird", erklärt er. Da in einem modernen Aufklärungsflugzeug nichts ohne Strom funktioniert, finden sich im gesamten Luftfahrzeug unzählige Stecker, Sensoren und Klemmleisten.

Die Elektriker überprüfen während der Dockphase alle Verschleißteile der elektrischen Anlage und prüfen diese auf ordnungsgemäße Funktion. Verschleißteile wechseln sie aus, kleinere Schäden reparieren sie sofort am Luftfahrzeug oder in der Werkstatt. Außerdem messen die Elektriker die Generatoren und erneuen diese bei Bedarf. Auf dem hauseigenen Teststand setzt das Fachpersonal die Generatoren verscheidenen Belastungstests aus und notiert ihre Ergebnisse in Prüfprotokollen. "Ein großer Vorteil, da wir vor Ort gezielt auf Fehlersuche gehen und diese bei Bedarf selbst beheben", erklärt Friedhoff während einer Überprüfungs­phase.

Sind alle Inspektionen erfolgreich abgeschlossen und die gefundenen Mängel beseitigt, erhält das Flugzeug die Freigabe für den Flugbetrieb. Sollten keine größeren Probleme auftreten, kann die "Orion" für die nächsten zwölf Monate ohne eine größere Inspektion in den Himmel starten.

Autor: Sascha Jonack / Kim Brakensiek