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Soldaten rücken aus

Der erste Soldat steigt aus dem Marder aus.
Hauptfeldwebel Hanak hockt in einem mit Stöckern eingegrenzten Bereich und erklärt etwas seinem Zug

Hauptfeldwebel Karsten Hanack erklärt seinem Zug das weitere Vorgehen am Geländesandkasten

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

Hauptfeldwebel und Zugführer im Heer: „Alles hört auf mein Kommando“

In der Feldwebellaufbahn kann man fachlich auf Meisterebene in der Bundeswehr eingesetzt werden, zum Beispiel in der Technik, oder in einer militärischen Führungsverwendung – Feldwebel im Truppendienst,  so wie Hauptfeldwebel Karsten Hanack. Er leistet im Panzergrenadierbataillon 411 in Viereck als Zugführer seinen Dienst. Dabei führt, erzieht und bildet er junge Soldatinnen und Soldaten aus, damit sie im Ernstfall als Panzergrenadiere für ihren Auftrag gewappnet sind.

Hanak im Vordergrund. Hinten ein Schützenpanzer Marder in Annäherung

Als Zugführer eingesetzt ist Hauptfeldwebel Karsten Hanack mit seinen Grenadieren auf dem Truppenübungsplatz.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

Militärische Führungsverwendung heißt früh Verantwortung für Personal und Material zu übernehmen. Ein Zugführer in einer Kampfkompanie, in diesem Fall einer Panzergrenadierkompanie, führt 35 Soldatinnen und Soldaten mit der dazugehörigen Ausstattung an Fahrzeugen, Waffen und Material. Hauptfeldwebel Hanack stellt sich genau dieser Verantwortung und das mit Erfolg, wie sein Kommandeur, Oberstleutnant Sven Meyer, berichtet: “Hanack ist ein Vorzeigeunteroffizier im Heer der sein Handwerk beherrscht. Aufgewachsen vom Trupp- über Gruppen- bis zum Zugführer führt er mit Erfolg, Ehrgeiz und beispielgebender Berufseinstellung. Seine Frauen und Männer vertrauen ihm und schätzen ihn als Vorgesetzten“, so der Kommandeur.

Hanak steht am Panzer während ihm ein Soldat aus dem Panzer heraus zuhört.

Bevor es los geht werden noch letzte Anweisungen gegeben.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

„Ich wollte gar nicht zum Bund“ – vom Rohrleitungsbauer zum Grenadier

Hanack ist 33 Jahre alt, verheiratet, Vater eines Sohnes, seit 2006 bei der Bundeswehr und bereits Berufssoldat. Vor der Bundeswehr erlernte er den Beruf des Rohrleitungsbauers und arbeitete sich bis zum Vorarbeiter hoch. “Es existierte damals noch die Wehrpflicht und ich wollte gar nicht zum Bund – hab mich zweimal zurückstellen lassen“, sagt Hanack mit einem kleinen Lächeln. “Ich war zufrieden auf dem Bau, ständig draußen, durfte Menschen führen und hatte weitere Pläne.“ Dann kam aber die dritte Einberufung und es gab kein Zurück mehr. Er wurde als Grundwehrdienstleistender (GWDL) 2006 in sein jetziges Bataillon eingezogen.

Die Soldaten des Zuges sitzen um Hanak umringt und hören ihm zu

Hauptfeldwebel Karsten Hanack nutzt jede Minute, um nützliche Informationen an seinen Zug weiterzugeben.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

Tip-Top sag ich da nur

Der gebürtige Neubrandenburger merkte aber schnell, dass seine Ansprüche – nicht am Schreibtisch sondern draußen sein, Aufstiegschancen, Menschenführung, Weiterbildung, Planungssicherheit – bei der Bundeswehr hervorragend umsetzbar sind. “Die Möglichkeiten, die mir die Bundeswehr bietet, hey, welcher Arbeitgeber macht das denn schon in diesem Umfang.“ Und dabei schwärmt der fitte Panzergrenadier auch von den soldatischen Pflichten: “Ich mache Sport während der Dienstzeit, weil ich als Soldat, insbesondere in der Kampftruppe und als Zugführer sowie Vorbild, absolut fit sein muss. Tip-Top sag ich da nur. Früher bin ich abends für viel Geld ins Fitnessstudio gelaufen. Es passt einfach alles zusammen“, sagt Hanack mit sichtlicher Begeisterung. Er entschied sich zu bleiben und verpflichtete sich ohne zu zögern für die Feldwebellaufbahn im Truppendienst – wunschgemäß für die Panzergrenadiertruppe.

Soldaten betreten die Luke des Schützenpanzers marder.

Die Übungsphase beginnt und die Soldaten sitzen auf den Schützenpanzer Marder auf.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

Afghanistan noch als Gruppenführer, jetzt Zugführer

Hanack ist sich absolut bewusst, was es heißt, Soldat zu sein. Nachdem alle militärischen Feldwebellehrgänge – für die Panzergrenadiertruppe finden diese überwiegend in der Panzertruppenschule in Munster statt – absolviert waren, folgte zeitnah ein Auslandseinsatz. 2012 war er als Gruppenführer, eine Ebene unter der Zugführerebene, in Afghanistan. “Wir üben im Inland Trockenschwimmen, im Einsatz bin ich Rettungsschwimmer. Dort weiß man, wofür man übt und wie wichtig stetiges Üben ist – es geht um Leib und Leben“, sagt er mit dem gebotenen Ernst. Faszinierend sei für ihn auch das reibungslose Zusammenspiel aller militärischen Komponenten in Afghanistan gewesen, von der Wasseraufbereitung und Instandsetzung bis hin zur Aufklärung.

Hanak bereitet den Geländesandkasten vor, während sein Zug anmaschiert.

Bei dem Bau eines Geländesandkasten werden Gegenstände der Umgebung. sowie auch vorbereitete Hilfsmittel zur Veranschaulichung verwendet.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

“Das ist mega wichtig, man muss sich aufeinander verlassen können.“ Durch die militärischen Ausbildungen, dem ständigen Übungsalltag sowie seinen Einsatzerfahrungen aus Afghanistan habe sich seine heutige Zugführererfahrung nach und nach entwickelt, sagt er weiter. Neun Jahre nach der Grundausbildung, 2015, wurde Hanack dann erstmalig als Zugführer eingesetzt.

Der Zug umringt Hanak, während er erklärt

Vor jeder Übung, werden die Soldaten in das Vorhaben genau eingewiesen.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

Zugführer Hanack: “Das MG ist keine Schweigewaffe“

Hanack übt gerade mit seinem Zug die taktische Königsdisziplin der Panzergrenadiere, die Verzögerung. “Wer verzögern kann, kann auch alles andere“, sagt er. Auf dem standorteigenen Truppenübungsplatz Jägerbrück bei Viereck sind sie mit ihren Schützenpanzern Marder dafür vier Wochen im Gelände.

Einweisung ins Gelände, erklären der bevorstehenden Übungsphasen bis ins kleinste Detail, immer wieder Tipps und Wiederholen lassen durch seine Soldaten, dann geht es los: “Männer, aufsitzen und die zugewiesenen Stellungen beziehen“, befiehlt er und die erste Übungsphase beginnt. Nach jeder Phase tönt es: “Übungsunterbrechung, Übungsunterbrechung, alle zum Sammelplatz“ über Funk durch den Zugführer. Es folgt die Auswertung: “Männer, beim Absitzen muss man bereits das Messer zwischen den Zähnen haben, dass konnte ich bei Euch sehen. Der Raum wurde unter Feuer gehalten, das MG wurde richtig eingesetzt, denn merkt Euch – das MG ist keine Schweigewaffe. Top, das war sehr gut“, sagt er und geht ebenso im Detail auf Fehler ein und gibt Hinweise zur Verbesserung.

Sein Zug hört ihm aufmerksam zu und nimmt seine Worte anerkennend auf. Seine Männer sind trotz der Strapazen hoch motiviert. Denn sie wissen, dass die Ausbildung ihres Zugführers dafür sorgt, dass sie im Ernstfall bestehen können. Dann klopft er einem seiner Stabsgefreiten auf die Schulter und die nächste Phase beginnt.

Drei Soldaten hocken vor einer Magnettafel, die mit farbigen Magneten und Whiteboardmarkern beschriftet ist.

Als Leitender der schießenden Abteilung weist Hauptfeldwebel Hanack seinen Kompaniechef und den Kompanieeinsatzoffizier in die Lage ein.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

Unerschütterliche Gelassenheit und Improvisationstalent

Sein Kompaniechef, Hauptmann Kai Blüthgen, ist zur Dienstaufsicht mit auf dem Übungsplatz. Fragt man ihn über die Stärken seines Zugführers, sagt er: “Hanack ist ein Improvisationstalent, egal in welcher Situation und Lage, er bekommt alles zum richtigen Zeitpunkt hin. Aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln macht er das Beste. Dabei zeigt Hanack eine beneidenswerte unerschütterliche Gelassenheit, das zeichnet ihn aus.“

Zwei Wochen wird Hanack noch täglich mit seinem Zug so weiterüben, um für Folgeaufträge, Übungs- und Einsatzvorhaben sich und seinen Zug fit zu halten. Seine Pläne für die Zukunft: “Ich bin gerne Zugführer und hoffe, dass noch viele Jahre weiter machen zu dürfen.“

Der Schützenpanzer Marder fährt im großen Tempo durch den Wald und zieht eine Staubwolke hinterher.

Bei der "Verzögerung" müssen die Soldaten schnell beweglich einen überlegenen Feind in unterlegene Positionen locken und für Unterstützungskräfte Zeit verschaffen.

Foto: © Bundeswehr / Marco Dorow

Langfristig sei sein Ziel Spieß zu werden – die sogenannte “Mutter der Kompanie“. Rückhalt für seinen Beruf und seine Pläne hat Hanack auch von Zuhause. “Mein Team Hotel“, damit ist seine Frau und sein Sohn gemeint, “stehen voll und ganz hinter mir. Ich habe so ein Glück mit meiner Familie, ohne sie würde es nicht funktionieren“, sagt er sichtlich stolz. Dabei bereitet Hanack in gewohnter Akribie den nächsten Ausbildungsabschnitt für seine Soldaten vor, um als Zugführer eines Panzergrenadierzuges wieder zu befehlen: “Männer, aufsitzen und die zugewiesenen Stellungen beziehen.“



Autor: Birger Gädt