• Neuer Inhalt
  • Zum Beratungsstellenfinder
  • Suche

Die Panzerhaubitze 2000

Eine Panzerhaubitze fährt über einen verschneiten Feldwebel.

Hier gelangst Du zum Video.

Eine Panzerhaubitze 2000 steht einem Truppenübungsplatz.

Die Hauptwaffe hat ein Kaliber von 155 mm.

Foto: © Bundeswehr

Die Panzerhaubitze 2000

Die Panzerhaubitze 2000 ist das Standardgeschütz der Artillerietruppe. Sie wurde ab 1998 in die Bundeswehr eingeführt und ist eines der modernsten und schlagkräftigsten Waffensysteme im Bereich der Selbstfahrlafetten. „Aus taktischer Sicht unterscheiden wir beim artilleristischen Feuerkampf mit der Panzerhaubitze 2000 zwei Szenarien“, sagt Hauptfeldwebel Stefan Günther. Er ist Geschützführer einer Haubitze in der 3. Batterie des Artilleriebataillons 295 in Stetten am kalten Markt. „Dabei handelt es sich um die Feuerunterstützung und den Kampf mit Feuer.“ 


Unterstützung aus der Distanz

Bei der Feuerunterstützung werden die Artilleristen tätig, wenn Unterstützung durch die Kampftruppe vor Ort angefordert wird. „Je nach Auftrag können wir dabei den Feind stören oder niederhalten, aber auch bekämpfen, zerschlagen oder vernichten. Die hohe Feuerkraft ermöglicht es auch, Geländeabschnitte abzuriegeln“, erklärt Günther. Beim Kampf mit Feuer hingegen ist die Haubitze in einem Zug mit bis zu vier Fahrzeugen in die operative Kampfführung der Brigade eingebunden. Dabei bekämpft sie Hochwertziele wie Gefechtsstände, Bunker oder feindlichen Nachschub. In beiden Fällen wenden die Artilleristen das indirekte Richten an; das heißt: Der Feind ist nicht sichtbar – nur seine Position ist bekannt. Anhand der eigenen Position, die über die Navigationsanlage bekannt ist, der Feindkoordinaten und anderen Faktoren wie der Wetterlage und den ballistischen Einflüssen, berechnet die Software der Haubitze die Richtung und die Erhöhung des Rohres und richtet sich automatisch aus. „Zudem besteht auch die Möglichkeit, sich über direktes Richten selbst zu verteidigen – wenn auch nur als letzte Lösung“, fügt Günther an. Beim direkten Richten mit dem Panzerzielfernrohr „TN-80“ wird der sichtbare Feind per Strichbild anvisiert, Vergrößerung: achtfach.

Eine Panzerhaubitze fährt einen Hügel hinauf.

In Aktion auf dem Truppenübungsplatz Munster.

Foto: © Bundeswehr / Archiv

Die Besatzung besteht aus fünf Soldaten: dem Geschützführer sowie vier Kanonieren. „Als Feldwebeldienstgrad obliegt dem Geschützführer die gesamte Einsatzbereitschaft des Waffensystems und deren Besat­zung. Zudem überwacht er das System im Feuerkampf, beobachtet das Gefechtsfeld mittels Rundblickperiskop „Peri RTNL-80", weist den Kano­nieren die Aufgaben zu und feuert das Geschütz ab“, sagt Günther. Zum Geschützführer kommen ein Militärkraftfahrer, ein Richtkanonier sowie zwei Munitionskanoniere. Der Richtkanonier – gleichzeitig der stellver­tretende Geschützführer – ist zuständig für das direkte Richten, aber auch für das indirekte Richten von Hand, falls die Waffenricht­anlage ausgefallen ist. Dazu steht ihm das Rundblick­periskop „PERI-R19 mod“ mit vierfacher Vergrößerung zur Verfügung. „Der Munitions­kanonier 1 bedient das Maschinengewehr gegen Luft- und Bodenziele und sichert so die Haubitze während des Marsches. Im Feuerkampf überwacht er die Armaturen“, führt Günther aus. Der Munitionskanonier 2 setzt den automatischen Ladevorgang in Kraft. Abschließend legt er die Treibladung von Hand in den Ladungsraum und schließt den Verschluss. Nach jedem Schuss lädt die Haubitze automatisch das nächste Geschoss nach. Maximal 60 Geschosse kann eine Haubitze als Kampfbeladung mitführen.

Zwei Soldaten stehen in der Luke der fahrenden Panzerhaubitze.

Überprüfungsfahrt im Gelände - alles ok.

Foto: © Bundeswehr

Feuer und Bewegung

Im Gefecht kämpft die Haubitze nach dem taktischen Grundsatz des dynamischen Feuerstellungskonzepts. Das Richten und Laden der Waffe dauert etwa 30 Sekunden. Nach Ausführung des Feuerkommandos ver­lässt die Haubitze innerhalb von weiteren 30 Sekunden die Stellung. „Wir gehen davon aus, dass uns der Feind nach der Schussabgabe auf­klärt und innerhalb von drei bis vier Minuten beschießt. Deshalb wird die Stellung möglichst nach jedem Feuerkommando gewechselt“, sagt Günther. Trotz aller militärischen Zweckmäßigkeit ist der Innen­raum der Hau­bitze geräumig. „Ich war vorher auf dem Waffenträger Wiesel ein­gesetzt. Dagegen ist die Panzerhaubitze 2000 ein Großraum­büro“, scherzt Günther. Lediglich die Verstauung der persönlichen Ausrüstung bereite Probleme. „Durch mehrere Umrüstungen ist Stauraum verloren gegangen. Dafür ist bisher auch keine praktikable Lösung in Sicht“ so der 33-Jährige.

Die technische Ausstattung der Haubitze ist, mit Ausnahme einiger Neuerungen von Hard- und Software, auf dem Stand der Einführung des Waffen­systems in die Bundeswehr, also Ende der 90er Jahre. Weitere Nachrüstungen für Hard- und Software sind extrem aufwändig und mit enormen Kosten verbunden. Dennoch: „Die Rechenleistung ist ausreichend für sämtliche Aufgaben“, konstatiert Hauptfeldwebel Günther. Bei der Hardware gebe es jedoch Verbesserungspotential. „Sie ist – vom heutigen Stand der Technik gesehen – sehr groß. Da könnte man Platz einsparen.“

Ein viermonatiger Lehrgang bereitet die Geschützführer auf ihre Aufgaben vor. Die Kanoniere kennen die Grundlagen ihrer Tätigkeiten nach etwa sieben Wochen Ausbildung. „Dann haben sie gehen gelernt. Das Laufen müssen sie sich danach noch durch diverse Besatzungsausbildungen und Truppenübungsplatzaufenthalte aneignen“, sagt Günther.


Technische Daten

Länge11,70 Meter (mit Rohr)
Breite3,56 Meter
Höhe 3,46 Meter
KaliberHauptwaffe: 155 Millimeter ; MG 3: 7,62 Millimeter
Motorleistung735 Kilowatt (1.000 PS)
Hubraum18,3 dm³
Durchschnittliche Reichweite420 Kilometer
Höchstgeschwindigkeit62 Stundenkilometer, Rückwärts: 27 Stundenkilometer
Gefechtsgewicht55,8 Tonnen
Besatzung3–5 Soldaten (1 Geschützführer; 2-4 Kanoniere)
maximale Schussreichweitecirca 30 Kilometer
Flugzeit des Geschosses bei maximaler Reichweite101 bis 107 Sekunden
Kadenz3 Schuss in 10 Sekunden, 8 Schuss in 60 Sekunden, 20 Schuss in 180 Sekunden



Autor: Stefan Rentzsch