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Drei Soldaten vor Drahtsperre

Pioniere der Bundeswehr bei der Übung Engineer Thunder 2017.

Im Angriff: Pioniere und Infanterie Seite an Seite

Zwei Nationen, zwei militärische Fähigkeiten: Ein deutscher Panzerpionierzug und ein Zug litauischer Infanterie sollen heute gemeinsam üben. Denn beim Manöver Engineer Thunder auf dem Übungsplatz Pabrade sind sie aufeinander angewiesen.

Die Mittagssonne scheint, und Mücken umkreisen die Soldaten. Getarnt, bewaffnet und mit Gefechtshelm und Schutzweste ausgestattet, schauen diese auf einen Geländesandkasten. Vor ihnen ist mit Ästen und Zweigen eine kleine Stadt dargestellt. An diesem Modell weist ihr Zugführer, ein junger litauischer Leutnant, die Soldaten auf Englisch in die Lage ein. Selbstbewusst zeigt er mit einem Stock auf ein mehrstöckiges Haus. „Der Feind hält dieses Gebäude besetzt. Es ist unser Auftrag, das Gebäude unter unsere Kontrolle zu bringen. Die Terroristen haben sich im Haus versteckt, den Zugang mit einer Drahtsperre gesichert und im Gebäude mehrere Sprengfallen versteckt.“

Ein Soldat schneidet mit einem Bolzenschneider eine Drahtsperre durch.

Handarbeit: Mit Bolzenschneidern schaffen die Pioniere eine Gasse.

Foto: © Bundeswehr / Jane Schmidt

Letzte Ab­sprachen vor dem Angriff

Nach der Befehlsausgabe sprechen die deutschen Pioniere und die litauische Infanterie ihr weiteres Vorgehen ab. Unter dem Kommando des litauischen Offiziers werden die Soldaten mit ihren Schützen- und Transportpanzern auf das Gebäude vorrücken. „Die Pioniere verschaffen uns den Zugang zum Gebäude, damit unsere Infanterie eindringen kann“, sagt der litauische Leutnant. Der deutsche Pionierzugführer, Oberleutnant F., erklärt die Aufteilung seiner Kräfte: „Der Pionierzug teilt sich in eine Panzerpioniergruppe mit Zündtrupp und eine Gruppe zur Kampfmittelabwehrfähigkeit, genannt EOD-Gruppe.“ Im Anschluss bereiten sich die Pioniere auf den Angriff vor. Jeder Soldat kennt seine Aufgabe: „Ich werde die Drahtsperre öffnen“, sagt ein junger Soldat der Panzerpioniergruppe. Auf dem Rücken eines Kameraden wird ein schwerer Bolzenschneider verstaut. Andere Soldaten bereiten eine Sprengschnur vor: „Wir haben den Auftrag, das mit Holz versperrte Fenster und die Türen aufzusprengen. Die Sprengschnur wird mit Klebeband vorbereitet, damit sie besser auf dem Untergrund haftet. Sie besteht aus Sprengstoff, der mit Kunststoff umgeben ist“, erklärt ein Panzerpionier.

Ein Soldat wirft eine Nebelgranate um eine Häuserecke.

Vor dem Angriffsziel: Künstlicher Nebel soll dem Feind die Sicht nehmen.

Foto: © Bundeswehr / Jane Schmidt

Feuer und Bewegung

Der Angriff beginnt: Die Panzer setzen sich in Bewegung. Das Gebäude wird von beiden Seiten angegriffen. Die schweren Maschinengewehre der litauischen Schützenpanzer setzen den Feind stark unter Druck. Der Beschuss zwingt die Terroristen in Deckung und hindert sie daran, mit ihren Maschinengewehren aus dem Fenster zu feuern. Der Panzerpionierzug und die Infanterie gehen gemeinsam an der Seite der deutschen Transportpanzer des Typs Fuchs vor. „Nebel!“ – nach diesem Kommando aus der Panzerpioniergruppe werden mehre Nebelgranaten geworfen. Den Terroristen wird so die Sicht auf das Gebäudevorfeld genommen. Unter Feuerschutz rücken die Soldaten vor: „Sperre öffnen!“, ruft der Führer der Panzerpioniergruppe. Die deutschen Pioniere rücken im Schutz des Nebels an die Drahtsperre vor. Mit dem Bolzenschneider wird der Draht zerschnitten: Die Sperre ist geöffnet. Jetzt muss es schnell gehen!

Vier Soldaten im Angriff an Hauswand.

Kleine Kampfgemeinschaft: Jeder muss sich auf den Anderen verlassen können.

Foto: © Bundeswehr / Jane Schmidt

Zündtrupp vor!

Unter Sicherung der litauischen Infanterie und der eigenen Panzer rückt der Zündtrupp an das verbarrikadierte Fenster vor. Weitere Nebelgranaten werden geworfen und die Sprengschnur wird befestigt. „Achtung, wir zünden! 3, 2, 1: Zündung!“, ruft der Zündtrupp-Führer. Die Kameraden gehen in Deckung. Ein lauter Knall übertönt die Gewehrschüsse, eine schwarze Rauchwolke steigt an der Häuserwand hoch. Die Sprengschnur hat die Barrikade in zwei Teile zerschnitten. Der Zugang zum Gebäude ist frei.

Jetzt geht die litauische Infanterie vor, und die Pioniere geben Feuerschutz. Mit einer einfachen Steigleiter rücken die Soldaten nach und nach durch das freie Fenster ins Gebäude ein. Sofort beginnt ein heftiger Feuerkampf. Die Terroristen verteidigen sich zäh, die Litauer feuern mehrere Salven in die Räume. Nach dem hellen Licht draußen müssen sich die Augen im Gebäude erst an die plötzliche Dunkelheit gewöhnen. Türen werden aufgerissen, Blendgranaten geworfen, Feuerstöße abgegeben. Raum für Raum wird gesichert.

Zwei Soldaten bereiten eine Türsprengung vor.

Letztes Hindernis: Der Feind hat Fenster und Türen verbarrikadiert.

Foto: © Bundeswehr / Jane Schmidt

Suche nach versteckten Sprengfallen

Eine Tür lässt sich nicht öffnen. „Pioniere zu mir!“, ruft der litauische Leutnant. Erneut kommt der Zündtrupp zum Einsatz. Diesmal muss eine Tür aufgesprengt werden.

„3, 2, 1: Zündung!“ – Die Tür wird zerstört. Nachdem die Litauer den Raum gesichert haben, wird die EOD-Gruppe angefordert. Sie durchsucht jeden Winkel und jedes Möbelstück auf versteckte Sprengfallen. Nachdem die untere Etage gesichert wurde, geht es durch den dunklen und engen Treppenschacht nach oben. Nach und nach wird auch die komplette zweite Etage bis zum letzten Raum im Feuerkampf unter Kontrolle gebracht. Alle Terroristen werden festgesetzt. „Das Gebäude ist frei. Aber ohne die Pioniere wären wir aufgeschmissen gewesen“, sagt der litauische Zugführer.

Auf dem richtigen Weg

Der deutsche Pionier-Oberleutnant F. kommentiert die Übung so: „Bei internationaler Zusammenarbeit muss man sich abstimmen und die Abläufe üben, um erfolgreich zu sein. Diese Übung hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“  Die Übung hat auch demonstriert, welche verheerende Wirkung Sperren und Sprengfallen ausgehen kann. Aber mit Pionieren an ihrer Seite ist die Infanterie trotzdem erfolgreich.

Autor: Michael Fuckner