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Der Start einer Rakete aus dem Mars-Werfer mit Feuerschweif
Ein Mars-Raketenwerfer feuert aus einem Wald heraus eine Rakete in den Himmel

Zwischen Abschuss und Aufprall können mitunter einige Sekunden vergehen

Foto: Bundeswehr / Mario Bähr

„Es ist einsam so weit oben, aber genau das ist gut für uns. Hier im nördlichen Schweden haben wir ausreichend Platz, um mit den Raketenwerfern MARS II zu üben“ sagt Oberfeldwebel David Clausnitzer. Er ist MARS II-Kommandant der 3. Batterie des Artillerielehrbataillons 345. Wie alle anderen seiner 30 Kameraden ist er stolz, den Raketenwerfer einzusetzen. Die Dimensionen auf der Test Range in Vidsel, einem Testgelände der schwedischen Armee, sind gewaltig: Es stehen dauerhaft rund 70 Kilometer Sperrgebiet in der Nord-Süd und 35 Kilometer in der Ost-Westausdehnung zur Verfügung. Bis zum Polarkreis sind es nur knapp 80 Kilometer. Mit spezieller Technik können Flugbahnen und die Einschläge im Ziel genau beobachtet und dokumentiert werden.


Ein Soldat steuert mit einer Fernsteuerung die Beladung des Raketenwerfers mit den Raketengeschossen

Ladetätigkeiten im Großformat: Zwei dieser Raketenstartbehälter passen in den MARS

Foto: Bundeswehr / Mario Bähr

Immense Vorbereitungen für den Erfolg

„Wir haben alle möglichen Transportwege, also Land-, Luft- und sogar den Seeweg per Fähre genutzt. Immerhin sind es mehr als 2500 Kilometer von Idar-Oberstein bis hier nach Vidsel“, sagt Clausnitzer. Das gesamte Material, Raketenwerfer, dazu Ausrüstung und Munition, wurden mit enormer Planungsarbeit und logistischem Aufwand nach Schweden gebracht. Auch nach sieben Jahren Erfahrung als „Werferführer“ ist dieser Übungsplatzaufenthalt etwas ganz Besonderes. In Deutschland sei es durch die enorme Reichweite und den daraus resultierenden Sicherheitsbereichen nicht möglich, diese gelenkten Raketen des Typs Guided Multiple Launch Rocket System, kurz GMLRS, einzusetzen.

„Marsch zum Ladeplatz“, befiehlt Kommandant Clausnitzer über die Bordverständigungsanlage des Raketenwerfers. Es geht los. Der erste Raketen-werfer setzt sich in Bewegung. Die Besatzung ist für das Beladen des Werfers mit den Raketen selbst verantwortlich. Sechs Raketen sind in einem Rocket Pot Container oder auch Raketenstartbehälter zusammengefasst. Zwei von diesen jeweils knapp zweieinhalb Tonnen schweren Raketenstartbehältern kann der MARS laden.Mit dem eigenen Ladebaum sind in knapp zehn Minuten zwei solcher Startbehälter in die Waffenanlage verladen. „Nach der elektronischen Verbindung der Startbehälter mit der Waffenanlage des Fahrzeuges sind wir in wenigen Minuten einsatzbereit“, die Raketenzünderprüfung laufe automatisiert durch das System ab, betont Oberfeldwebel Clausnitzer.

Ein Fenek-Spähfahrzeug steht in einer Baumgruppe und lenkt das Raketenfeuer ins Ziel

Über die Beobachtungs- und Aufklärungsausstattung (BAA) des Fennek lässt sich das Artilleriefeuer genau ins Ziel lenken

Foto: Bundeswehr / Mario Bähr

„Drei, Zwei, Eins“

26 Kilometer trennen die Feuerstellung des Raketenwerfers vom Ziel. GMLRS würden im Einsatz nur auf hoch priorisierte Ziele eingesetzt. Daher durchläuft die Zielmeldung des Beobachters zuerst eine Prüfungs- und Genehmigungsschleife, bevor der Bekämpfungsauftrag an die Feuerleitstelle geht.

Dort werden die Zieldaten mit anderen für das Schießen wichtigen Informationen an den Werfer übermittelt. Solch ein Feuerauftrag enthält mehr Details, als sich zunächst erahnen lässt. Daten über das aktuelle Wetter, Zielkoordinaten, Zündereinstellungen der Rakete oder auch die Feuerart, also ob ein Einzelschuss oder ein Fächer aus mehreren Raketen geschossen werden soll. Alle Informationen, vom Beobachter bis zum Raketenwerfer, werden im Datenfunk übermittelt. An entscheidender Stelle werden die Daten geprüft und letztendlich zum Abfeuern freigegeben. Die dreiköpfige Besatzung im MARS verfolgt über das Anzeige- und Bediengerät alle Vorgänge im Raketenwerfer und könnte jederzeit eingreifen.

Eine große Totalaufnahme zeigt die Flugbahn des Raketengschosses vom Werfer in Richtung Ziel

Bei einer Geschwindigkeit von mehr als 1.000 Metern in der Sekunde wird Entfernung zur Nebensache

Foto: Bundeswehr / Mario Bähr

„Feuer“

Nur noch Sekunden bis zum Start. Alle Systeme laufen auf vollen Touren. Die Besatzung ist angespannt. Das Navigationssystem der Rakete „kennt“ die Zieldaten, Bediener und Kommandant checken das System. Es knackt in den Ohren, denn im Inneren des Raketenwerfers herrscht ein Überdruck. So wird das Eindringen von Rauchgasen verhindert. Das Anheben der roten Sperrklinke des Startknopfes zeigt, der Start steht unmittelbar bevor. Das Zünden des Raketenmotors ist nicht nur deutlich zu hören, sondern auch merklich zu spüren. Rund 3500 PS beschleunigen die Rakete auf eine Geschwindigkeit von mehr als 1000 Metern in der Sekunde.

Ein Rauchstrich am Himmel zeigt den Weg der Rakete. Es ist deutlich zu erkennen, wie sie bereits kurz nach dem Verlassen des Startbehälters beginnt, sich auf die Zieldaten hin zu manövrieren. Rund zwei Sekunden nach dem Start ist die Rakete in der Wolkendecke verschwunden. Auf die Distanz bis zum Ziel, immerhin 26 Kilometer, erreicht die Rakete eine Gipfelhöhe von neun Kilometern.

Von der Rakete zerstörte Container zeigen die Wirkung des Beschusses

26 Kilometer entfernt: Mit fest definierten Zielen wird die Wirkung der Rakete im Ziel veranschaulicht

Foto: Bundeswehr / Mario Bähr

Genau im Ziel

Im Zielgebiet wurden vor Schießbeginn Fahrzeuge, nachgestellte Gebäude und Seecontainer als Ziele aufgestellt, um die Wirkung der Raketen zu verdeutlichen und die Präzision zu prüfen. Dies sind, neben den Erfahrungen für die Vorbereitung und dem Ablauf des Schießens, wichtige Erkenntnisse. Alle Ziele wurden mit den dafür vorher festgelegten Zündereinstellungen bekämpft. Ein Einblick in das Zielgebiet zeigt die Wirkung der einzelnen Raketen. Teilweise wurden die Ziele, trotz der großen Entfernung, direkt getroffen.

Insgesamt zwölf Guided Multiple Launch Rocket System Raketen haben die Soldaten der 3. Batterie des Artillerielehrbataillons 345 in Schweden eingesetzt. Sie waren der erste Verband der Bundeswehr, der diese gelenkten Raketen in der Ausbildung eingesetzt hat. Das Ausbildungsergebnis nach den beiden Wochen: ein erheblicher Erfahrungsgewinn in der Vorbereitung und Durchführung eines solchen Schießvorhabens sowie gewachsenes Vertrauen in das Waffensystem und die hohe Treffergenauigkeit der Munition.


Autor: René Hinz