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Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung

Über den Wolken

Soldaten begrüßen den Generalinspekteur der Bundeswehr bei seiner Ankunft am Flughafen in Köln.

Angetreten zum VIP-Empfang: Oberst Stefan Neumann begrüßt Generalinspekteur Volker Wieker bei seiner Ankunft in Köln.

Foto: © Bundeswehr / Dr. Stefan Peters

Flugbereitschaft und Flugbegleiter der „Weißen Flotte“ bringen jeden Fluggast sicher ans Ziel

Sind Bundespräsident, Kanzlerin oder andere Regierungsvertreter in der Welt unterwegs, fliegt die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung. Der in Köln beheimatete Transportverband der Luftwaffe hat aber wesentlich mehr Aufgaben als eine „Regierungs-Airline“. Es sind schon ganz spezielle Flugzeuge, mit denen die Volks­vertreter auf Reisen gehen. Ausgestattet mit einer VIP-Einrichtung tragen sie den Schriftzug „Bundesrepublik Deutschland“. Dazu: ein schwarz-rot-goldenes Zierband.


Die „Weiße Flotte“ der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung steht für die Beförderung herausgestellter Persönlichkeiten des parlamentarischen Bereichs parat. Beheimatet auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn, sorgen zwei Langstrecken-Airbusse A340, zwei A319 und vier Global 5000, hauptsächlich für kürzere und mittlere Distanzen dafür, dass hochrangige Regierungsvertreter ihre Ziele sicher errei­chen. Kurztrips übernehmen drei in Berlin-Tegel stationierte Cougar-Helikopter. Auf allen Maschinen prangt das Eiserne Kreuz. Denn die Flugbe­reitschaft, die dieses Jahr ihr 60-jähriges Jubiläum feiert, ist ein Lufttransportverband der Luftwaffe. Mit der sogenannten „Grauen Flotte“ besitzt sie mit fünf A310 auch eine Komponente für militärische Aufgaben.

Eine Flugbegleiterin in Uniform steht an der Tür des Flugzeuges.

Service für die Passagiere: Hauptfeldwebel Johanna Braun.

Foto: © Bundeswehr / Dr. Stefan Peters

„Flugbegleiter ist ein toller Job“

Der A330 ist nicht das einzige Flugzeugmuster, dessen Neueinführung geplant ist. Ab Mitte 2018 wird ein gebrauchter A321 den Bestand erweitern. „Dessen Reichweite und Passagierkapazität ergänzt unsere Flotte zweckmäßig im Segment zwischen A340 und A319. Und wir können mit ihm kleinere Regionalflugplätze nutzen“, so Neumann. Natürlich hat die „Weiße Flotte“ auch Kabinenpersonal: 52 männliche und 72 weibliche Flugbegleiter, darunter 21 Angestellte.

Deren Aufgaben seien vielfältiger als die ihrer zivilen Kolleginnen und Kollegen und auch die Abläufe unterscheiden sich, so Hauptfeldwebel Johanna Braun. Sie kümmert sich auch um die Nachwuchswerbung. „Das ist ein toller Job, aber viele potenzielle Interessenten wissen gar nicht, dass es ihn gibt – und daher haben wir zu wenig Bewerber.“ 106 Piloten und sieben Luftbetankungsoffiziere vervollständigen das fliegende Personal der Flugbereitschaft, die insgesamt 1.150 militärische und zivile Mitarbeiter hat.

Einem Großteil von ihnen steht ein Umzug bevor, denn nach Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg wird die „Weiße Flotte“ mitsamt technischen Komponenten in die Hauptstadt verlegen. „Dort benötigen wir ein Protokollgebäude, Betriebsflächen, Hallen und mehr, aber der Baubeginn hängt von der – noch nicht erfolgten – Baufeldübergabe durch die Flughafen GmbH ab“, so Oberst Neumann. „Daher brauchen wir eine Übergangslösung, um eine unterbrechungsfreie Durchführung des politisch-parlamentarischen Flugverkehrs zu gewährleisten.“

Und die ist unverzichtbar, wie Bundespräsident Steinmeier festgestellt hat: „Unsere Rolle in der Welt könnten wir ohne die Flugbereitschaft gar nicht spielen.“

Drei Flugzeuges des Typs Airbus fliegen nebeneinander.

Die Airbusse der Flugbereitschaft: A319 in Formation mit einem grauen A310 und einem A340.

Foto: © Bundeswehr / Dr. Stefan Peters


Die Ausfallquote ist gering

„Die Anforderungen an die Verfügbarkeit von Luftfahrzeugen und Crews sind in den vergangenen Jahren ständig gestiegen, während die Vor­laufzeiten für die Flugplanung immer geringer wurden“, sagt Oberst Stefan Neumann, Global-5000-Pilot. Er war von Mai 2014 bis Septem­ber 2017 Kommandeur der Flugbereitschaft. „Das variiert von mehreren Monaten, zum Beispiel bei Staatsbesuchen des Bundespräsidenten, bis zu wenigen Stunden, etwa bei Sondersitzungen des Sicherheitska­binetts.“ Daher stehe auch an Wochenenden und Feiertagen eine Bereitschaft von fliegendem und technischem Personal zur Verfügung.

„Fluggesellschaften halten auf ihrem Liniennetz Reparaturkapazitäten vor und können Ausfälle mit Ersatzmaschinen kompensieren, aber das ist der Flugbereitschaft mit ihrer Kleinst-Flotte, die weltweit zu meist wechselnden Zielen unterwegs ist, nicht möglich“, so Neumann. Abhilfe schaffen mitfliegende Techniker und Reparatur-Kits, die je nach Flugzeugtyp und Mission von Betriebsstoffen über Ersatzteile bis zu Spezialwerkzeug vieles vorhalten, was nötig ist, um technische Störungen an jedem Ort der Welt beheben zu können. „Wir sind sehr stolz auf unsere extrem geringe Ausfallquote“, sagt der Oberst. Er bedauert, dass sein Verband meist nur ins Rampenlicht rückt, wenn wirklich mal ein Flugzeug liegen bleibt. „Dabei hätte ein ziviler Betreiber auf Flugplätzen ohne eigene Station dieselben Probleme.“

Ein Flugzeug wird vor einem winterlichen Start in Köln von Spezialfahrzeugen enteist.

Ein A340 wird vor einem winterlichen Start in Köln von Spezialfahrzeugen enteist.

Foto: © Bundeswehr / Dr. Stefan Peters

Anforderungsberechtigte für Sonderflüge des politisch-parlamen­tarischen Bereichs melden ihren Beförderungsbedarf beim zuständigen Staatssekretär im Verteidigungsministerium an. Sitzt der Mandatsträger erst einmal in einem Jet der „Weißen Flotte“, kann er sich auch in Gegenden sicher fühlen, die gewisse Risiken bergen: Sowohl in den A340- als auch in den A319-Airbussen ist ein Selbstschutzsystem gegen tragbare infrarotgelenkte Flugkörper eingerüstet, die – durch Terroristen von der Schulter abgeschossen – eine Gefahr bei Start und Landung bilden können. Das System erfasst anfliegende Raketen und blendet deren Hitzesuchkopf per Infrarot-Laserstrahl - das macht das System selbstständig. Der Einbau ist auch in die Global 5000 geplant.


Medizinische Evakuierungen übernimmt der A310 MRTT

Für die Einsatzplanung und -führung der „Grauen Flotte“ ist seit 2010 das im niederländischen Eindhoven beheimatete European Air Transport Command (EATC) verantwortlich. Ob Transportflug, Luftbetankungs-Mission oder Evakuierung von Erkrankten und Verwundeten auf große Entfernung - der Auftrag kommt vom EATC.

Ein Soldat und eine Soldatin überprüfen die medizinische Ausrüstung im Flugzeug.

Letzte Checks an Bord der fliegenden Intensivstation: Oberstabsarzt Benedikt Schüller und Hauptfeldwebel Mandy Wewior überprüfen das Gerät.

Foto: © Bundeswehr / Dr. Stefan Peters

Für letztere Aufgabe steht täglich ein deutscher A310 MRTT (Multi-Role Transport Tanker) zur Verfügung. „Dieser Airbus und seine Crew sind 365 Tage rund um die Uhr in Bereitschaft und spätestens 24 Stunden nach Alarmierung gestartet“, so Oberstabsarzt Benedikt Schüller, Fliegerarzt bei der Flugbereitschaft. „Das passiert in der Regel für im Einsatz schwerverletzte oder erkrankte Soldaten, bei denen die Erstversorgung schon vor Ort stattgefunden hat, die dringende Weiterversorgung in Deutschland jedoch zeitkritisch ist.“ Betreut werden Verwundete und Kranke durch eine in Zusammensetzung und Stärke auf den jeweiligen Transport abgestimmte medizinische Crew. „Die besteht aus Ärzten und Sanitätspersonal unter Leitung eines Fliegerarztes der Luftwaffe, der unter anderem von einem Medizintechniker unterstützt wird“, sagt Schüller.

Der Medizintechniker ist für die Funktionsfähigkeit der medizinischen Geräte an Bord zuständig. „Ein Rüstsatz mit 44 Liegeplätzen – bis zu sechs davon als Patiententransporteinheiten mit kompletter intensivmedizinischer Ausstattung – verwandeln den MRTT in eine fliegende Intensivstation nach modernsten Standards“, erläutert Hauptfeldwebel Mandy Wewior. An Bord ist sie verantwortlich für Medikamente und Sanitätsmaterial. Beide wissen: „Die lückenlose Rettungskette hat herausragende psychologische Effekte auf die Moral der Truppe im Einsatz. Der Soldat kann sicher sein – wenn etwas passiert, holen die mich zurück.“

Zwei Flugzeuge fliegen nebeneinander und werden betankt.

Blick von der Empfänger-Seite: Ein Eurofighter nähert sich einem A310 MRTT der Flugbereitschaft zur Luftbetankung.

Foto: © Bundeswehr / Dr. Stefan Peters

Stark gefragt sind auch die Luftbetankungs-Kapazitäten bei Übungen und im Einsatz: „2013 haben wir von Dakar im Senegal aus mit einem A310 MRTT die Mali-Mission der französischen Luftstreitkräfte unterstützt“, so Neumann. Die Betankung funktioniert mit Behältern unter beiden Flügeln, die mit ausfahrbaren Schläuchen arbeiten. So können zwei Jets gleichzeitig versorgt werden. Mit bis zu 1.250 Kilogramm pro Behälter und Minute fließt der Sprit aus den umge­bauten Airbussen, die mit drei zusätzlichen Tanks über eine Treibstoff-Kapazität von mehr als 70 Tonnen verfügen. Dabei leitet der Luftbetankungsoffizier an Bord des MRTT den Vorgang von seiner Bildschirm-Arbeitsstation aus. Die Tage der A310-Flotte bei der Flugbereitschaft sind allerdings gezählt. Geplant ist, gemeinsam mit anderen NATO-Nationen acht A330 für eine multinationale Tanker- und Transporter-Flotte zu beschaffen. Fünf Maschinen sollen von Eindhoven aus fliegen, die anderen drei in Köln-Wahn stationiert sein, wo auch weiterhin ständig ein Flugzeug für Patientenevakuierungen vorgehalten werden soll. Eine entsprechende Absichtserklärung hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im Februar in Brüssel unterzeichnet.

Autor: Dr. Stefan Peters