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Saoldaten beugen sich über einen verletzten Kameraden und bahndeln diesen.
Ein Soldat sitzt in einem gepanzerten Fahrzeug und bedient ein Funkgerät

Leutnant K. koordiniert alle Soldaten und hält die Verbindung ins Feldlager.

Foto: © Bundeswehr/ Oliver Pieper

Rettung aus der Wüste

In der Wüste Malis fand in diesen Tagen eine besondere Übung statt. Ein Spähtrupp auf dem Weg durch die Wüstenlandschaft Malis wurde mit dem Unvorhersehbaren konfrontiert. Bislang war alles Routine, doch plötzlich ertönt ein lauter Knall, ein Fahrzeug des Spähtrupps ist auf eine versteckte Sprengladung gefahren. Die Übung beginnt! Leutnant Bernd K. beobachtet über die Aufklärungskamera des Spähfahrzeuges Fennek die Umgebung. Die Temperatur im Fahrzeug steigt auf über 50° Celsius und der Schweiß läuft ihm ins Auge, er kneift die Augen zu und sein Gesicht brennt. Auf dem Monitor flimmert ein Geländewagen auf, es ist ein weiteres Fahrzeug der deutschen Patrouille. Das Fahrzeug steht zwischen mehreren vertrockneten

Büschen und Bäumen, einige Hundert Meter von K.´s Fennek entfernt. In der Umgebung und am Fahrzeug vom Typ Wolf ist keine Bewegung zu erkennen, nur das Schattenspiel der dürren Äste und Zweige unter der prallen afrikanischen Sonne zeichnet Muster auf den Boden und das angesprengte Fahrzeug.

Der Anschlag

Leutnant K. war mit seinem Spähtrupp und einem beweglichen Arzttrupp auf dem Weg zu seinem Aufklärungsziel. Sie waren am frühen Morgen vom deutschen Feldlager Camp Castor gestartet und hatten bereits mehrere Kilometer durch die Wüste zurücklegen können. Er wollte gerade seinen Standort an den Gefechtsstand melden, als es plötzlich laut knallt.

Ein Übungsverwundeter liegt am Boden und wird durch den übenden Arzt medizinisch versorgt

Oberstabsarzt Dr. S. versorgt seinen Übungspatienten.

Foto: © Bundeswehr/ Oliver Pieper

Das Funkgerät rauscht, der Ruf „IED, IED,IED!“ ertönt.

Jetzt bleibt ihm keine Zeit für das, was hinter ihm liegt. Mit seinen Gedanken ist er nun im Hier und Jetzt, den jetzt muss er unverzüglich handeln!

Zwei Überlebende

Heute ist es nur eine Übung, doch die Gefahr durch improvisierte Sprengfallen, den sogenannten IED´s (Improvised Explosive Device), ist hier allgegenwärtig. „Von den IED geht hier für uns die größte Gefahr aus.“ erklärt der 27-jährige Offizier. „Darum ist es so wichtig, die Abläufe und Verfahren nach so einem Angriff zu üben und zu optimieren.“ Er greift an seinen Funkkopfhörer und drückt die Sprechtaste, um eine Verbindung zum angesprengten Fahrzeug herzustellen. Es klickt nur und es folgt ein kurzes Rauschen. Dann plötzlich eine Stimme, die Besatzung des angesprengten Fahrzeuges antwortet. K. gibt alle Informationen an die Soldatinnen und Soldaten der Patrouille weiter und teilt jetzt sein Personal für die Rettung ein. Jeder weiß was nun zu tun ist, denn alle Abläufe wurden oft in der Einsatzvorbereitung geübt und trainiert.

Im Vordergrund des Bildes ist die Kennzeichnung CFR Comat First Responder am Arm eines Soldaten zu sehen

Die Kennzeichnung am Oberarm: Combat First Responder (CFR).

Foto: © Bundeswehr/ Oliver Pieper

Der Combat First Responder im Einsatz

Wenige Minuten später sind die beiden „Übungsverwundeten“ erstversorgt und aus der Gefahrenzone gebracht. Oberstabsgefreiter Felix K. war der Erste bei den Verwundeten. „In der ersten Phase versorgen wir nur kritische und stark blutende Wunden. Die Blutung stoppen wir durch Abbinden der verletzten Gliedmaßen nah am Körper, oder durch einen Druckverband. Damit verhindern wir, dass der Verwundete verblutet.“

Oberstabsgefreiter K. hat Erfahrung mit der Erstversorgung, denn er hat die Ausbildung zum Combat First Responder (Ersthelfer im Kampfeinsatz) absolviert. Diese Ausbildung durchlaufen Soldatinnen und Soldaten die bei spezialisierten Einheiten oder in der Fallschirmjägertruppe eingesetzt sind. Während seiner Ausbildung zum Combat First Responder hat Oberstabsgefreiter K. gelernt, lebensrettende Sofortmaßnahmen unter Gefechtsbedingungen anzuwenden und darf im Notfall einige spezielle Medikamente zur Schmerzlinderung oder zur Verbesserung der Gerinnung sowie Antibiotika verabreichen. Auch gehört es zu den Aufgaben des Combat First Responder, die oberen Atemwege zu sichern und intravenöse Zugänge zu legen.

Oberstabsgefreiter K. ist Angehöriger einer der beiden selbstständigen Luftlandeaufklärungskompanien aus dem niedersächsischen Seedorf. Die Spähtrupps seiner Kompanie arbeiten häufig in sehr kleinen Gruppen und sind dabei einige Kilometer von den eigenen Einheiten entfernt. Eine medizinische Versorgung wird dann durch den Combat First Responder in den ersten Minuten nach einer Verwundung sichergestellt.

Fünf Soldat transportieren mit einer Trage einen Verwundeten Kameraden

Die Verwundeten werden zum Hubschrauber gebracht.

Foto: © Bundeswehr/ Oliver Pieper

Mit vereinten Kräften

Zusammen mit seinen Kameradinnen und Kameraden hat Oberstabsgefreiter K. mittlerweile die beiden Übungsverwundeten zum Beweglichen Arzttrupp gebracht. Dieser übernimmt die verwundeten Kameraden und setzt die medizinische Versorgung fort. Ein Beweglicher Arzttrupp wird von einem Sanitätsoffizier geführt, der von einem Notfallsanitäter und einem Kraftfahrer, der ebenfalls eine weiterführende sanitätsdienstliche Ausbildung besitzt, unterstützt wird. Die Zusammenarbeit mit den Aufklärungskräften funktioniert reibungslos, denn der Arzttrupp kommt, wie die Aufklärer, auch aus der Fallschirmjägerkaserne in Seedorf. Sie sind Angehörige der Luftlandesanitätskompanie und werden besonders auf die Zusammenarbeit mit den spezialisierten Kräften vorbereitet und trainiert.

Während die medizinische Versorgung erfolgt, koordiniert Leutnant K. den Einsatz seiner Soldatinnen und Soldaten bei der Sicherung des Umfelds, und sammelt Informationen über die Lage. „Für mich ist es jetzt wichtig, alle Informationen zu sammeln und alle Details so genau wie möglich in das Feldlager an das Joint Operation Center zu melden, denn dort laufen alle Informationen zusammen. Außerdem wird von dort auch der Einsatz der Hubschrauber, die für die Bergung der Verwundeten benötigt werden, koordiniert. Zusätzlich muss der Bereich am Boden abgesichert und die Landezone für den Hubschrauber erkundet werden. Nur dann können die Verwundeten sicher versorgt werden“, erklärt der Spähtruppführer aus Seedorf.

Es ist ein Handrücken mit einem darin steckenden Zugang für Medikamente abgebildet

Der Zugang liegt. Durch ihn können dem Patienten Medikamente verabreicht werden.

Foto: © Bundeswehr/ Oliver Pieper

Realistische Übung

Die intravenösen Zugänge an den Patienten werden bei dieser speziellen Übung wirklich gelegt, denn das ist einer der besonderen Schwerpunkte der Ausbildung und soll durch das Sanitätspersonal unter diesen schweren Bedingungen trainiert werden. Mit dem Übungsverwundeten wurde zuvor alles besprochen und am Ende der Übung hat er mehrere Zugänge, eine Atemwegshilfe, Verbände und Pflaster am Körper. Medikamente werden bei der Übung nicht gegeben, hier werden lediglich nur der Wirkstoff und die Dosierung angegeben und vom Leitungsteam kontrolliert.

Doktor S. hat bei dem einen Verletzten einen Spannungspneumothorax diagnostiziert. Dabei dringt durch eine Verletzung des Brustkorbs oder der Lunge Luft zwischen Lunge und Brustwand ohne entweichen zu können, und nach und nach werden Herz und Lunge abgedrückt. Ein lebensbedrohlicher Zustand, den der erfahrene Sanitätsoffizier nun schnellstmöglich behandeln muss. Mit einer langen Nadel sticht er durch die Brustwand, um so den Druck zu entlasten. Trotz Übung und eines nur simulierten Einstiches ist dies bei der körperlichen Belastung und mehr als 50° Celsius in der Sonne eine schweißtreibende Präzisionsarbeit.

Über die geöffnete Heckrampe kann man ins Innere des gelandeten Rettungshhubschraubers NH90 schauen

Über die Heckrampe werden die Patienten an Bord gebracht.

Foto: © Bundeswehr/ Oliver Pieper

Die Rettung aus der Luft

Im Funkgerät rauscht und knackt es, die Stimme von Leutnant K. ist zu hören: „Lageinformation: Die Hubschrauber sind in wenigen Minuten da. Fertig machen, um die Landezone auf meinen Befehl mit Rauch zu markieren.“ Wenig später tauchen zwei Punkte am Himmel auf, die schnell größer werden. Ein Rattern erfüllt die Luft und der sandige Boden erzittert, als der erste Hubschrauber tief über die Soldatinnen und Soldaten am Boden rast.  Leutnant K. nimmt Verbindung mit den Piloten auf und gibt alle wichtigen Informationen weiter. 

Es darf jetzt keine Verzögerungen beim Zusammenspiel zwischen Hubschraubercrew und dem Trupp am Boden geben, denn jede Sekunde zählt, da das Leben der verwundeten Kameraden in Gefahr ist. Leutnant K. gibt den Befehl, die Rauchgranate zu werfen und Grüner Rauch steigt in den Himmel auf. Auch der zweite Hubschrauber, der den landenden Hubschrauber aus der Luft sichern soll, trifft ein. Er dreht eine Runde und erkennt die deutschen Soldatinnen und Soldaten und nimmt eine Sicherungsposition hoch über der Landezone ein. 

Dröhnend setzt der erste UN-Hubschrauber auf den Boden auf. Eine riesige Staubwolke steigt auf, doch Leutnant K. hat die Landezone richtig erkunden lassen und so drückt der Wind die Staubwolke vom beweglichen Arzttrupp und den Verwundeten weg. Die belgischen Soldatinnen und Soldaten der Besatzung des UN-Hubschraubers springen aus dem Hubschrauber und werden sofort durch die deutschen Kräfte aufgenommen. Doktor S. übergibt seine Patienten mit einem Gespräch von Arzt zu Ärztin an seine belgische Kameradin. Dann geht alles sehr schnell, die beiden Verwundeten werden zum Helikopter getragen und sicher an Bord untergebracht. Leutnant K. koordiniert die Sicherung am Boden, während der zweite Hubschrauber das Gelände aus der Luft überwacht.

Unter ohrenbetäubenden Lärm steigt der Rettungs-Hubschrauber vom Typ NH-90 in die Luft. Der harte und heiße Boden erzittert unter den mächtigen Rotorblättern und eine Wolke aus Staub verdunkelt erneut den Himmel. Die belgische Maschine durchstößt die Staubwolke und dreht eine weite Kurve über den Fahrzeugen bevor sich beide Hubschrauber schnell entfernen.

Ein NH90 Hubschrauber landet und wirbelt eine große Staubwolke auf

Der belgische NH90 Hubschrauber landet.

Foto: © Bundeswehr/ Oliver Pieper

Der Rückweg

Die Übung ist zu Ende, doch auf ihrem Rückweg von der Übung müssen die Soldatinnen und Soldaten jederzeit mit realen Sprengfallen oder Beschuss durch Aufständische rechnen, so dass aus dem gerade Geübten schnell bitterer Ernst werden könnte. Doch nach mehr als einer Stunde Fahrt kommt der Trupp schließlich wohlbehalten im deutschen Feldlager Camp Castor an.


Autor: Bundeswehr / BMVg.de