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Obermaat H. springt ins Wasser
Bild des Obermaaten im kurzen Neoprenanzug

Profilbild

Foto: © Bundeswehr / PAO Tender „Rhein“

Rettungsschwimmer auf dem Tender "Rhein" - "Mann über Bord" ist sein Manöver

Ich bin Obermaat Tobias H. und wohne in der Nähe von Kiel. Nach meiner Schulzeit war ich bereits 2006 als Wehrdienstleistender für 22 Monate bei der Luftwaffe tätig. Anschließend absolvierte ich eine Aus­bildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit und war in verschie­denen Tätigkeiten im Bereich Krisenmanagement aktiv. Ich bin im Be­sitz der Mittleren Reife und strebe an, noch mindestens die Fachhoch­schulreife nachzuholen.


Nach meinem Wiedereinstieg in die Bundeswehr und einer Grundausbildung als Marinesicherungssoldat, begann meine Ausbildung zum Taucher in der Marine. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Schwimmtaucherausbildung bin ich grundsätzlich befähigt, Schwimmtauchereinsätze bis 31 Meter Tauchtiefe durchzuführen. Mit externer Luftversorgung per Schlauch darf ich als Taucher in der Erstverwendung sogar bis zu einer Tauchtiefe von 40 Metern eingesetzt werden. Seit Januar 2015 gehöre ich zur Tauchergruppe des Marinestützpunktkommandos Kiel, wo mich auch die Anfrage erreichte, ob ich an dem Marineeinsatz EUNAVFOR MED Sophia auf dem Tender Rhein teilnehmen möchte. Um meine Kameraden an Bord zu unterstützen, habe ich sofort zugesagt.

In voller Montur kurz vor seinem Einsatz als Rettungsschwimmer

In voller Montur

Foto: © Bundeswehr / PAO Tender „Rhein“

Das ist meine Aufgabe

An Bord des Tenders „Rhein“ bin ich regulär im Decksdienst eingesetzt und stehe daneben als Rettungsschwimmer bei der so genannten Notrolle „Mann über Bord“ bereit. Für diese Tätigkeit ist die Ausbildung zum Schwimmtaucher Voraussetzung. Als Rettungsschwimmer stehe ich stets in Bereitschaft und muss auf Befehl oder bei einer Notlage innerhalb kürzester Zeit umgezogen am befohlenen Platz sein. Zu meiner Ausrüstung gehören der Nasstaucheranzug, Schwimmflossen, eine Halbgesichtsmaske, Schnorchel, Rettungsschwimmweste, ein Tauchermesser, ein Gewichtsgurt und eine Sicherheitsleine.

Nachdem ein Dummy über Bord gegangen ist, beginnt das Manöver „Mann über Bord“. Der Taucherhelfer unterstützt mich beim Ausrüsten und übergibt mir die mitzuführende Rettungsboje. Währenddessen führt das Schiff ein Wendemanöver aus und sobald sich der Tender auf der Höhe der über Bord gegangenen Person befindet, springe ich auf Befehl des Kommandanten ins Wasser und schwimme nach Zeichen des mich einweisenden Taucherhelfers rückwärts auf die zu rettende Person zu. Im nächsten Schritt ergreife ich den Verunfallten und werde zusammen mit ihm vom Seitendeckspersonal mit der Sicherheitsleine wieder zum Schiff zurückgezogen.

Dort wird erst der Gerettete und anschließend ich über das Kletterrettungsnetz an Bord verbracht. Dabei kommt es darauf an, dass das an Leinen gehaltene Kletterrettungsnetz von den bereitstehenden Kameraden möglichst waagerecht geborgen wird. Neben meiner Tätigkeit als Rettungsschwimmer bin ich fest im Abschnitt Decksdienst integriert, unterstütze bei seemännischen Manövern und gehe zusätzlich Brückenwache als Rudergänger und Ausguck. Während der Hafenaufenthalte führe ich als Kraftfahrer Transporte durch.

Die Besatzung des Tenders „Rhein“ konnte im Zuge des Einsatzes EUNAVFOR MED Sophia bereits über 2100 in Not geratene Personen aufnehmen und in italienischen Häfen an Land bringen. Für die Aufnahme von Menschen in Seenot sind vor Eintritt in das Operationsgebiet an Bord einzelne Stationen zu ihrer Versorgung und weiteren Betreuung vorzubereiten. Dabei unterstütze ich ebenfalls und während der Anbordnahme helfe ich bei der Betreuung, Verpflegung und Aufsicht.

Der Obermaat greift sich im Wasser die Übungspuppe

An der Übungspuppe

Foto: © Bundeswehr / PAO Tender „Rhein“

Das vermisse ich am meisten.

Am meisten vermisse ich meine Freundin mit der ich nun seit über drei Jahren zusammen bin.

Das sind meine Pläne, Grüße und Wünsche.

Ich stelle hohe Anforderungen an mich selbst und möchte kontinuierlich gefordert werden, um mich in erster Linie dienstlich, aber auch privat weiter zu entwickeln. Somit arbeite ich darauf hin, dass ich die Helmtaucherausbildung machen kann, damit ich in der Truppe, speziell im Tauchen, vielseitiger einsetzbar bin. Durch meine Affinität zum Tauchen habe ich auch eine zivile Weiterbildung zum Tauchlehrer im Sinn.

Ich wünsche der gesamten Besatzung des Tenders „Rhein“ weiterhin alles Gute und habe größten Respekt vor den Kameraden, die ihren Dienst an Bord der deutschen Schiffe und Boote leisten. Die fehlende Privatsphäre und die Belastung, welche entsteht, wenn man quasi rund um die Uhr im Dienst ist, sind enorm. Vor diesem Hintergrund sieht man aber auch, dass Kameradschaft so stark ist, dass sie einen familiären Charakter bekommt. 

Ganz herzlich grüßen möchte ich auch meine Familie und alle meine Freunde und danke ihnen dafür, dass sie immer für mich da sind.


Autor: Tobias H.