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Nadja steht vor einem geöffneten Van. Dahinter ein großer See.

Auslandspraktikum Neuseeland

Foto: privat / Nadja Petrat

Studium an der Bundeswehruniversität – Nadja Petrat studiert Management und Medien in München

Moin, moin, mein Name ist Leutnant zur See Nadja Petrat. Seit Juli 2013 diene ich in der Marine. Im September 2014 musste ich dann den geliebten Norden für mein Studium - Management und Medien - in München verlassen. Anbei erhaltet ihr von mir einen kleinen Einblick in das Leben als studierender Offizier an einer Bundeswehruniversität.


Grundsätzlich studieren wir in Trimestern. Das heißt, wir bekommen hier in einem Jahr ein Drittel mehr an Lehrstoff vermittelt als an einer „normalen“ Universität. Dadurch ist das Pensum etwas höher, bei guter Selbstorganisation aber absolut machbar. Je nach Studiengang unterscheidet sich die Hörsaalgröße. Es ist aber immer ein Bestreben, einen möglichst kleinen Betreuungsschlüssel von Professoren und Studierende zu gewährleisten. So sind in meinem Studiengang etwa 40 Kameraden im Jahrgang, nicht vergleichbar mit zivilen Universitäten, an denen Studierende teilweise keine Sitzplätze mehr im Hörsaal bekommen.

Eine Frau sitzt an einem Tisch und liest Bücher

Selbststudium in der Bibliothek

Foto: © Bundeswehr / Meyer

Auslandspraktikum

Wir sind hier, um ein Studium zu absolvieren. Das ist unser Auftrag. Dazu muss der eine mehr, der andere weniger lernen. Fest steht aber: Lernen für die Uni ist anders als Lernen fürs Abitur. So entwickelt jeder für sich eine eigene Lernstrategie. Ich habe die neu eröffnete und hoch moderne Bibliothek für mich entdeckt. Andere Kameraden lernen auf ihrem Zimmer, im Militärjargon als Stube bezeichnet, in einem Hörsaal, in Kleingruppen oder für sich allein. Jeder wird mit der Zeit seinen Stil finden.

In meinem Studiengang „Management und Medien“ sind zudem zwei Praktika à zehn Wochen Pflicht, wovon eines im journalistischen Bereich erfolgen soll. Das ist allerdings wieder vom Studiengang abhängig. Andere Fachrichtungen fordern nur eines, wieder andere zwei über einen kürzeren Zeitraum. Ich habe mein zweites Praktikum dazu genutzt, ins Ausland zu gehen. So war ich 2016 im Sommertrimester von Juli bis Anfang Oktober in einem lokalen Fernsehsender in Neuseeland tätig. Die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen und Erfahrungen zu sammeln, kann ich nur weiterempfehlen.


Zwei Soldaten sitzen vor einem Laptop und haben Headsets aufgesetzt.

Filmschnitt mit einem Kameraden

Foto: © Bundeswehr / Röpke

Militärische Verpflichtungen

Auch wenn mein primärer Auftrag hier der erfolgreiche Abschluss des Studiums ist, bin ich trotzdem Soldatin. So erfüllen wir alle an der Uni auch unsere jährlichen militärischen Verpflichtungen wie Schießen, Marsch, ABC- und Sanitäts-Ausbildung. Das Ablegen des Deutschen Sportabzeichens und des Basis Fitness Tests sind obligatorisch. Dies geschieht selbstorganisiert über das ganze Jahr. Der jeweilige Studienfachbereich bietet jeden Mittwochnachmittag unterschiedliche Leistungen zur Abnahme an. 

Wir sind eine Campus Universität. Das heißt, wir leben und studieren innerhalb der Liegenschaft. Ein großer Vorteil dabei ist, dass wir zum Essen in der Mensa, zu den Sporteinrichtungen und Hörsaalgebäuden äußerst kurze Wege haben. 

Nadja hockt in einem Trainingsanzug auf einem Sportplatz mit einer Kamera in der Hand.

Nadja bereitet ihre Ausrüstung für ein Interview vor

Foto: © Bundeswehr / Meyer

 Leben an der Uni

Die Unterbringung ist sehr unterschiedlich. Je nach Fachbereich und Kapazität können die Gebäude älter oder moderner sein. Fortlaufend wird aber an der Errichtung neuer Unterkunftsgebäude gearbeitet. In den meisten Häusern leben wir in Einzelstuben, damit wir uns individuell auf das Studium konzentrieren können. Auf den so genannten „Wohnebenen“ haben die Hausbewohner, bei mir sind es 34 Soldaten, die Möglichkeit gemeinsam Zeit zu verbringen und zu kochen.

München-Zentrum ist in circa 20 Minuten mit der U- und S-Bahn zu erreichen. Doch zur Freizeitgestaltung muss ich den Campus nicht unbedingt verlassen. Die Uni bietet für den Sportler alles, was das Herz begehrt. Von diversen Kampfsportarten über Kraftsport, Schwimmhalle mit Sauna bis hin zum Tanzen ist alles möglich. Ich gehe zum Beispiel regelmäßig schwimmen und nutze den Cardio- sowie die Krafträume.


Nadja steht vor einem Flipchart mit der Aufschrift Smart mit weiteren Interpretationen

"SMARTe" Ziele steckt sich Nadja für ihre Zukunft als Marineoffizier

Foto: © Bundeswehr / Röpke

Mein Ausblick

Auch in den unzähligen Interessengemeinschaften und Arbeitsgemeinschaften können sich die Studenten entfalten. So gibt es beispielsweise Gruppen der Verwendungsreihen: Dort treffen sich Soldaten, die später dem gleichen Aufgabenbereich nachgehen, also beispielweise angehende Fallschirmjäger.  Hier bereiten sie sich auf ihre spätere Verwendung vor und knüpfen Kontakte. Andere Gruppen verfolgen die gleichen Interessen.

So zum Beispiel die „Autoschrauber“ des „Athene-Racing-Teams“. Ob es nun die Uniband, die Marschgruppe oder wie bei mir, die Mitarbeit in der Zeitschrift CAMPUS vom studentischen Konvent: Jeder kann sich hier verwirklichen und seine Freizeit individuell gestalten.

Ich werde im Master die Vertiefung Journalismus wählen und diesen dann hoffentlich gut abschließen. Im September 2019 endet für mich die Zeit an der Universität der Bundeswehr in München. Dann geht es wieder in den hohen Norden, auf Lehrgänge und anschließend den ersten richtigen Dienstposten als militärische Vorgesetzte.


Persönlicher Werdegang

Juli 2013Eintritt in die Bundeswehr als Offizieranwärterin
Juli bis September 2013Allgemeine Grundausbildung
September 2013 bis September 2014Offizierlehrgänge darunter auch vier Monate Seefahrt auf dem Segelschulschiff Gorch Fock und der Fregatte Hamburg
seit September 2014 Studium "Management und Medien"


Service

Bewerbungen für die Offizierlaufbahn mit einem Dienstantritt 2018 sind bis zum 28. Februar 2018 möglich. Die Unterlagen werden im Assessmentcenter für Führungskräfte der Bundeswehr geprüft. Wer eine Runde weiter kommt, wird dann zum Assessment in die Mudra-Kaserne in Köln eingeladen. Hier entscheidet sich dann, ob der Bewerber für die Offizierlaufbahn geeignet ist. Besonders gute Absolventen des Tests bekommen dann eine Direkteinplanung. Das bedeutet: Sie erhalten unmittelbar nach der Ergebnisverkündung ein Einstellungsangebot.

Alle anderen Teilnehmer erhalten innerhalb der nächsten Wochen eine Entscheidung, ob sie ausgewählt worden sind. In jedem Fall lohnt sich eine gründliche Vorbereitung. Tipp: Auf der Internetseite Bundeswehrkarriere.de befindet sich ein „Assessment Trainer“.

Autor: Nadja Petrat