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Mach, was wirklich zählt.

Eine Soldatin untersucht das Gebiss eines Hundes.
Eine Soldatin untersucht einen Hund.

Stabsveterinär Tessa-Carina Heil mit Schäferhundin Nell.

Foto: © Bundeswehr / J. Pushparajah-Hoof

Ein Hundeleben lang: Veterinärin an der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr

Tessa-Carina Heil ist Sanitätsoffizier und Stabsveterinär in der Diensthundeklinik an der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr (SDstHundeBw). In der Gräfin-von-Maltzan-Kaserne nahe dem Eifelstädtchen Ulmen, untersucht, diagnostiziert und behandelt die 32-jährige Zeitsoldatin die Diensthunde der Bundeswehr.

Visite im Behandlungsraum der Tierklinik: Die belgische Schäferhündin Nell hat sich scheinbar einen Futtersack „organisiert“ und ist überfressen. Dadurch, und in Kombination mit großer Anstrengung, besteht die Gefahr, dass sich ihr Magen verdrehen könnte. „Geschieht das, besteht akute Lebensgefahr für das Tier! Dann handelt es sich um einen Notfall, ich muss sofort und schnell handeln“, erklärt Stabsveterinär Heil. Nach der Röntgenaufnahme dann Entwarnung, der Magen ist nicht verdreht. Die Zuchthündin erhält eine Injektion. Das Medikament bewirkt, dass sie sich innerhalb von Minuten mehrfach - unter Aufsicht der Tierpfleger - erbricht. Sie bekommt einen intravenösen Zugang und eine Infusion gegen den Flüssigkeitsverlust und zur Kreislaufstabilisierung.


Eine Soldatin schaut auf einen Computerbildschirm, welcher ein Röntgenbild zeigt.

Veterinärin Tessa-Carina Heil bei der Röntgenbildauswertung.

Foto: © Bundeswehr / J. Pushparajah-Hoof

Von A wie Anästhesie bis Z wie Zahnmedizin

Dem deutschen Schäferhund Tom wurde ein Tumor an der Zehe entfernt. Heil zieht die Fäden der verheilten Operationsnaht. „Die Operationswunde ist sehr gut verheilt“, sagt sie. Der Rüde bekommt ein antibiotisches Wundspray und einen Schutzverband. Der ehemalige Diensthund wurde im Rahmen eines Pflegevertrages an einen zivilen Halter zur Betreuung abgegeben, notwendige Behandlungen erfolgen in der Klinik SDstHundeBw. Patient Odin hat ein Othämatom, ein „Blutohr“. „Ich habe ihm Blut aus dem Hämatom am Ohr mit einer Spritze abgezogen“, erklärt die approbierte Tiermedizinerin. Heil kontrolliert den Heilungsverlauf, die Helferin legt einen neuen Ohrverband an. „Am Montag ziehe ich die Fäden; bitte bringen Sie Odin dann wieder zur Visite“, gibt sie dem zuständigen Tierpfleger mit auf den Weg. Bei einem weiteren vierbeinigen Patienten kontrolliert sie nach einer Milzoperation den Heilungsverlauf und die Operationsnaht. „Bei uns wird jedes Krankheitsbild am Hund veterinärmedizinisch behandelt: Ob Chirurgie, Orthopädie, Zahnmedizin, Anästhesie, Röntgenologie oder Innere Medizin, wir arbeiten in allen Fachmedizinischen Bereichen eines Veterinärs kurativ am Diensthund“, erklärt Heil.


Eine Soldatin überprüft eine Wundnaht am Bauch eines Hundes.

Kontrolle der Operationsnaht.

Foto: © Bundeswehr / Bock

Gesundheitscheck für hohe Anforderungen

Die rund 650 Diensthunde der Bundeswehr begleiten im Einsatz Patrouillen, bewachen militärische Lager oder werden bei Zugriffsoperationen eingesetzt und spüren nach Minen, Sprengstoffen oder Rauschgiften. „Vor dem Ankauf eines Diensthundes überprüfe und bewerte ich gemeinsam mit der Klinikleiterin in umfangreichen Untersuchungen die Tauglichkeit zum Diensthund. Die hohen Ansprüche an einen Diensthund der Bundeswehr erfüllt längst nicht jeder Hund. Wir entscheiden dann, ob angekauft wird oder eben nicht“, so Heil.  Vor und nach jedem Lehrgang der Diensthunde mit ihren Hundeführern untersucht Heil die Hunde auf Lehrgangstauglichkeit und ihren gesundheitlichen Zustand nach dem Lehrgang. So wird festgestellt, ob der Hund auch prüfungstauglich ist und den jeweiligen Lehrgang im Rahmen seiner Ausbildung zum Diensthund mit seinen hohen Anforderungen nachher gut verkraftet hat.


Ein Hund liegt auf der Röntgenbarre und die Ärztin positioniert ihn.

Röntgenaufnahme für den Gesundheitscheck eines Diensthundes.

Foto: © Bundeswehr / J. Pushparajah-Hoof

Medizinische Betreuung ein Hundeleben lang

„Vom Ankauf oder der Geburt, über die Ausbildung und alle Einsätze begleite ich tiermedizinisch jeden Diensthund. Das ist das ganz Besondere in meinem Beruf. Ergibt eine Untersuchung, dass ein Hund nicht mehr die Voraussetzungen zum Diensthund erfüllt, mustere ich ihn aus“, sagt Heil. Aber auch nach der Dienstzeit als aktiver Diensthund verbleiben die Tiere in der SDstHundeBw und erhalten ihr Gnadenbrot; häufiger werden sie aber von ihren Diensthundeführern oder anderen geeigneten Haltern im Pflegevertrag übernommen. „Sie verbleiben jedoch immer im Besitz der Bundeswehr bis zu ihrem Tode“, erzählt die junge Offizierin. „So begleite ich die Diensthunde lebenslang, das ist das Einmalige in meinem Beruf.“ An sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr stehen die stellvertretende Klinikleiterin und die Tierärzte der Einheit im Rahmen des Notdienstes für das Wohl der Diensthunde zur Verfügung. „Ich wohne ganz in der Nähe“, lacht sie.


Eine Soldatin sitzt neben einem Hund.

Dienstlich wie privat ist Tessa-Carien Heil ganz vernarrt in Hunde.

Foto: © Bundeswehr / J. Pushparajah-Hoof

Auch privat nicht ohne Hund

Die gebürtige Saarländerin ist seit Januar 2015 Soldatin. Ihr ziviles sechsjähriges Studium mit dem Abschluss des Staatsexamens in Tiermedizin hat sie an der Universität München absolviert und ihre Approbation erhalten. Erfahrungen sammelte sie in verschiedenen Tierarztpraxen. „Mein Kindheitstraum, die Berufe Tierarzt und Soldat zu vereinigen, hat sich für mich erfüllt“, sagt sie. Über das Karrierecenter der Bundeswehr bewarb sie sich und wurde nach Bestehen des Auswahlverfahrens angenommen. Im Dienstgrad Stabsveterinär wurde sie im Januar 2015 eingestellt. „Als Eignungsübende hatte ich eine viermonatige Probezeit. Einen Monat davon verbrachte ich in meiner Grundausbildung an der Sanitätsakademie in München, drei weitere an der Schule für Diensthundewese in Ulmen“, sagt Heil. 

Auch privat hat Tessa-Carina Heil zwei Hunde und ist regelrecht „vernarrt“. „Ich möchte mich weiterverpflichten, würde gern als Veterinärin in der Bundeswehr in verschiedenen Bereichen Verwendungsbreite erwerben und Einsatzerfahrungen im Ausland sammeln. Mein größtes Ziel ist es, als Sanitätsoffizier Veterinär Berufssoldatin in der Bundeswehr zu werden“, so die engagierte Tierärztin.

Autor: Uli Reinecke