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Auf dem Truppenübungsplatz Putlos.
Brandschutz ist eine wichtige Fähigkeit für die Sicherheit auf einem Flugplatz.

Feuerwehr

Foto: ©Bundeswehr / Johannes Heyn

LEU 2018: Objektschutzbataillon zeigt kaum bekannte Fähigkeiten 

Unikatverband und Dienstleister der Luftwaffe: Das II./Bataillon des Objektschutzregiments. Bei der Logistischen Einsatzunterstützungsübung, kurz LEU, trainieren sie zwei Wochen lang auf dem Truppenübungsplatz Putlos. Sie errichten mobile Unterkünfte und sind für alle logistischen Abläufe sowie für den Schutz der deutschen Basis im Einsatzland verantwortlich. Dazu errichten sie die sogenannten Deployed Operating Bases (DOB).

Die Verlegung eines Einsatzkontingentes der Luftwaffe in ein Einsatzgebiet stellt einen logistischen Kraftakt dar. Im März 2018 übte das in Diepholz und Schortens beheimatete II. /Objektschutzbataillon der Luftwaffe zwei Wochen lang auf dem Truppenübungsplatz Putlos. Kräfte aus dem Stab und allen Staffeln des Bataillons (Einsatzlogistik, Luftwaffenpioniere, Kampfmittelabwehr und militärischer Brandschutz) waren gefordert. Erstmalig mit dabei sind in diesem Jahr auch Infanteristen des I. Bataillons sowie Sanitäter aus Oldenburg in Holstein.

Jederzeit ein Lagebild zu haben ist eine zwingende Notwendigkeit um eine gute Übung fahren zu können.

In der Operationszentrale.

Foto: © Bundeswehr / Johannes Heyn

Auftrag der rund 250 an der Übung beteiligten Soldatinnen und Soldaten des Verbandes war es, einen Flugplatz im Einsatzgebiet (Deployed Operating Base), kurz DOB, so vorzubereiten, dass ein Einsatz der Luftwaffe von diesem Flugplatz aus geflogen werden kann. Das bedeutet den Einsatz aller Fähigkeiten dieses Bataillons unter Beweis zu stellen. Daneben müssen sich die Soldaten auch um ihren eigenen Schutz kümmern. Gerade zu Beginn eines Einsatzes ist die Infrastruktur noch nicht vorhanden, um relativ sicher arbeiten zu können. Alles muss erstellt und aufgebaut werden.

"Die Logistische Einsatzunterstützungsübung (LEU) ist eine einmal im Jahr durchgeführte Bataillonsübung, bei der alle Fähigkeiten und der Einsatzauftrag, also der Aufbau und Betrieb eines Einsatzflugplatzes, geübt werden", erklärt Oberstleutnant Jürgen Hartmann, Bataillonskommandeur dieses Verbandes.  "Der Aufgabenbereich ist dementsprechend vielfältig, agieren können sie nur im Verbund. Die erstmalige Teilnahme infanteristischer Objektschutzkräfte ermöglicht mir als Kommandeur, meine Kräfte in einem deutlich realitätsnäheren Einsatzszenario beüben zu können."

Dafür wurden zwei Gefechtsstände eingerichtet. Einer für die Logistik und der andere für die taktische Führung der passiven und infanteristischen Schutzkräfte.

Pioniere müssen nicht nur handwerklich geschickt sein sonder auch mit der Waffe umgehen können.

Geländeüberwachung

Foto: © Bundeswehr / Johannes Heyn

Luftwaffenpioniere: Handwerker und  Schütze

Egal in welchem Einsatzszenario, die Pioniere setzen kurzfristig Start- und Landebahnen sowie angrenzende Flugbetriebsflächen instand, reparieren beschädigte Gebäude und Anlagen und bauen nutzerspezifische Infrastruktur auf einem Einsatzflugplatz auf.

In Putlos üben sie dafür in realistischen Szenarien.

In der sogenannten "White Cell", der Übungsleitung, werden alle Lagen als simulierte Ereignisse, angelehnt an Erfahrungen aus dem Einsatz, in den beiden Gefechtsständen "eingespielt". Die eingeteilten Schiedsrichter, erfahrene Soldaten des Verbandes, überprüfen die Arbeit der Gefechtsstände, aber auch jedes einzelnen Soldaten und führen bei Lagenende eine entsprechende Nachbesprechung durch.

Aber egal welche Fachtätigkeit die Soldaten haben, eines müssen alle können: Sich und die Kameraden im Ernstfall schützen und verteidigen. Auch die Pioniere mussten das unter Beweis stellen. Beim Gefechtsschießen übten sie das Verteidigen des Feldlagers als sogenanntes Kategoriepersonal. Hierbei handelt es sich um Personal, welches aus allen Teilen des Einsatzkontingentes zusammengezogen wird, wenn aktives Objektschutzpersonal zum Schutz nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung steht.

Mit Maschinengewehr MG3 und Sturmgewehr G36 schossen sie auf klappbare Scheiben, die den nahenden und ausweichenden Feind simulieren. Die Scheiben waren teils beweglich, teils in mehreren hundert Metern Entfernung aufgestellt. "Die Pioniere müssen jederzeit in der Lage sein, sich und das Feldlager zu verteidigen", erklärt Leutnant Marko Buttgereit, der Gesamtleitende der Gefechtsschießen und zugleich eingesetzter Schiedsrichter.

Für die Pioniere war das zunächst eine ungewohnte Aufgabe, schließlich sind sie keine speziell ausgebildeten Infanteristen. "Das ist eine Herausforderung die viele nervös macht", sagt der Gruppenführer der Soldaten, Oberfeldwebel Maik Tetarra, "aber dafür sind wir hier und werden entsprechend weitergebildet", erklärt er weiter. Und schlecht waren sie nicht. "Knapp 70 Prozent Trefferquote", verrät Buttgereit der schießenden Abteilung in der Nachbesprechung, "eine gute Leistung", lobte und motivierte er die Schützen.

Dennoch steht für die restliche Woche in Putlos vermehrt Pionierarbeit und Handwerk auf dem Dienstplan. Hier können sie sich wieder in ihrer Ursprungsverwendung unter Beweis stellen, so zum Beispiel beim Bau einer Behelfsstraße im Camp. Ebenso wie die Brandschützer, für die es heiß herging.

In Putlos üben die Objketschützer alle Ihre Fähigkeiten.

Verletztenversorgung durch die Sanität und Feuerwehr.

Foto: © Bundeswehr / Johannes Heyn

Brandschützer: Das Feuer bekämpfen

Sie sind dort wo es brennt: Die militärische Feuerwehr – Brandschutzfachpersonal der Luftwaffe. Im Verbund mit den Sanitätern sind sie für das Löschen von Bränden und das Bergen von Personen zuständig. "Die Unterscheidungsmerkmale zwischen militärischen Brandschützern und der beruflichen Feuerwehr liegen in unseren Spezialisierungen – in unserem Fall die Flugzeugbrandbekämpfung", erklärt Major Benjamin Bergmann. Zusätzlich sind die militärischen Brandschutzkräfte auch in den Verfahren und Taktiken bei Wald-, Schiffs- und Munitionsbränden ausgebildet.

Auch in Putlos dauerte es nicht lange, bis die militärischen Brandschützer das erste Mal benötigt wurden. Der Gefechtsstand wurde alarmiert - ein Autounfall, das Fahrzeug brennt, mehrere Verletzte. Sofort rücken die Brandschützer aus. Auf dem rund 13 Quadratkilometer großen Truppenübungsplatz sind sie schnell vor Ort.

Die Gruppenführerin teilt ihr Personal ein, ihre Kameraden handeln sofort. Zwei Personen haben es aus dem Auto geschafft, Sanitäter kümmern sich um die Erstversorgung. Eine weitere Person jedoch – simuliert von einer 80 Kilogramm schweren Puppe – liegt noch eingeklemmt im Auto, welches auf die Seite gekippt war.

Die Brandschützer bekämpfen das Feuer und setzen schweres Gerät an. Ausgerüstet wie jede Berufsfeuerwehr nutzen sie die hydraulische Schere und schneiden das Dach des Autos ab. "Es ist heute nur eine Puppe, aber der Verletzte hätte überlebt", sagt einer der Brandschützer. Anschließend werden die verletzten Soldaten für den Weitertransport zum Krankenhaus vorbereitet. Es folgt die Übergabe der Person an die mittlerweile vor Ort eingetroffenen Sanitäter. Doch dann kommt schon das "Lage-Ende".

Auch die Logistik beweist ihre Fähigkeiten.

Der Nachschub rollt.

Foto: © Bundeswehr / Johannes Heyn

Einsatzlogistik: Immer Herr der Lage

Der Aufbau, Betrieb und Rückbau von mobilen Unterkünften, Arbeitsbereichen, Verpflegungsstellen sowie die Bereitstellung von Material und Kraftstoffen ist die Kernaufgabe der Einsatzlogistiker. Sie stellen zudem den Personal- und Materialtransport sowie die Instandsetzung von Kraftfahrzeugen sicher. In ihrer durch die White-Cell eingespielten Übungslage mussten sie drei ausgebrannte Unterkunftscontainer aufnehmen, abtransportieren und drei Neue am alten Platz aufstellen.

"Eine schnelle Aufgabe, länger als einen Tag brauchen die Jungs dafür nicht", erzählt Oberleutnant André Lohrmann.

"Die größte Herausforderung im Einsatz ist die Eigensicherung", erklärt Lohrmann. Infanteristen seien nicht immer ad hoc verfügbar dennoch müsse eine "360-Grad-Sicherung durchgeführt werden", erzählt er weiter. Dies alles sei eine "unglaubliche Koordinierungsaufgabe, bei der man sich auf jeden Einzelnen verlassen muss".

Wenn etwas kaputt geht oder der Überprüfung bedarf sind die Techniker zur Stelle.

In der Einsatzwerkstatt.

Foto: © Bundeswehr / Johannes Heyn

Instandsetzung und gewaschene Wäsche

Entstehen Schäden an den Kraftfahrzeugen, ist das Instandsetzungspersonal des Bataillons gefordert. Und das auch bei Spezialfahrzeugen wie Bagger, Feuerlösch-Kfz, geschützten Fahrzeugen oder aber auch bei handelsüblichen Kraftfahrzeugen. Sie reparieren alles. In den Händen der ausgebildeten Kfz-Mechatroniker wird alles wieder einsatzklar.

Und für noch etwas sorgen die Logistiker des II. Bataillons: Für saubere Wäsche. Im Einsatz, bei oftmals hohen Temperaturen, wird auch so etwas vermeintlich Banales dringend benötigt. Und das aus nachvollziehbaren Gründen. Hygiene ist wichtig im Einsatz. Sie beugt unter anderem auch Krankheiten vor und manchmal ist es ganz einfach, man fühlt sich einfach besser in sauberer Kleidung. So baut die übende Truppe sogar eine eigene Wäscherei auf und betreibt diese.

Für Oberstleutnant Jürgen Hartmann ist es wichtig, solche Übungen durchzuführen. "Bei all dem Aufwand zur Vorbereitung und Durchführung einer solchen Übung, wir sprechen hier von 6 Monaten, ist dies die einzige Möglichkeit, herauszufinden, wo es hakt und wo wir ansetzen können und müssen. Nur durch das Üben im Wirkverbund aller Fähigkeiten meines Verbandes können wir uns ständig verbessern und weiterentwickeln. Die Abarbeitung komplexer Übungslagen trainiert die richtige Alarmierung und das Zusammenspiel der beiden Gefechtsstände. Das Löschen eines Brandes, der Austausch und geschützte Abtransport der Container, die Versorgung der Verletzten und nicht zu vergessen, alles in einer entsprechenden Bedrohungslage und unter Eigenschutz. Probleme wie unterschiedliche Ausstattung mit Funkgeräten, welche die Kommunikation untereinander erschweren sowie das Fehlen eines entsprechenden Gehörschutzes, welcher zeitgleich Arbeiten und Aufrechterhalten des Funkverkehrs erlaubt, sind nur einige der Herausforderungen, die es nun zügig abzustellen gilt", erklärte der Kommandeur des Verbandes.

Dass die Übung sinnvoll ist, zeigt die Realität. Von 2017 bis 2020 ist das Bataillon jedes Jahr durch die Bundeswehr für einen möglichen Einsatz im NATO Rahmen gemeldet. Das bedeutet, dass dieser Verband innerhalb von fünf bis sieben Tagen nach Alarmierung in der Lage sein muss, für einen solchen Einsatz bereit zu sein.

Die Einzigartigkeit dieses Verbandes und seiner Fähigkeiten bringen somit auch besondere Herausforderungen mit sich.

"Hier handelt es sich um einen echten Unikatverband der Luftwaffe. In Vielfalt stark – das ist das Motto dieses Bataillons das nicht treffender formuliert sein könnte. Mal schauen was noch alles kommt", brachte es Oberstleutnant Jürgen Hartmann es auf den Punkt.“


Autor: Steve Reutter