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Mach, was wirklich zählt.

Oberfeldwebel Boris M. und Stabsunteroffizier Philine B. auf dem Weg zur Maschine.

Oberfeldwebel Boris M. und Stabsunteroffizier Philine B. auf dem Weg zur Maschine.

Foto: © Bundeswehr / Wils-Kudiabor

„Die Wartung ist schon was Besonderes“

Es ist früh am Morgen, die Sonne, die in diesen Tagen immer intensiver über der Air Base nach Al-Asrak brennt, steigt gerade über den offenen Sheltern der vier deutschen Aufklärungstornados empor. Arbeitsbeginn für Oberfeldwebel Boris M. und Stabsunteroffizier Philine B, die heute als 1. und 2. Wart ein Team bei der Vorbereitung eines der Tornados bilden.

Zeit für die Vorfluginspektion. „Wir sind meist schon gut zweieinhalb Stunden vor dem geplanten Start am Flieger“, sagt der 32-jährige, der seit 2012 bei der Luftwaffe arbeitet. Als 1. Wart kümmert er sich hier im Einsatz vorrangig um eine Maschine. „Man kennt die Besonderheiten, weiß auch um die kleinen Macken“, erläutert er.

Vor dem Flug wird der Tornado nochmal intensiv gecheckt.

Vor dem Flug wird der Tornado nochmal intensiv gecheckt.

Foto: © Bundeswehr / Sickmann

Die Vorfluginspektion

Mit ihm zusammen ist heute Philine B., ebenfalls 32 Jahre alt, für den Tornado mit der Kennung 45+20 verantwortlich. Ohne viel Worte wuseln die zwei Soldaten um das Flugzeug: gibt es erkennbare Mängel oder irgendeine Leckage, sind alle Füllstände okay, passt der Reifendruck. „Die Flieger stehen hier in einem unverschlossenen Bereich. Auch wenn wir einiges schon nach dem letzten Flug überprüft haben, müssen wir ausschließen, dass fremde Personen sich vielleicht an der Maschine zu schaffen gemacht haben“, sagt die Soldatin, die bereits seit 2004 ihren Dienst in der Bundeswehr leistet. Mit den Tornados war sie, die wie Boris aus dem Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ in Jagel kommt, 2010 schon in Afghanistan. Und auch auf der Incirlik Air Base in der Türkei hat sie – vor dem Umzug des Kontingentes nach Jordanien – bereits den Job als 2. Wart über mehrere Monate erledigt.


Philine B. hilft der Besatzung beim Einstieg und Angurten.

Philine B. hilft der Besatzung beim Einstieg und Angurten.

Foto: © Bundeswehr / Wils-Kudiabor

Übergabe des Fliegers

Etwa eine Stunde vor dem Start trifft die Besatzung – Pilot und Waffensystemoffizier (WSO) – am Flugzeug ein. Sie verlassen sich auf die Arbeit der Techniker, es herrscht ein kameradschaftliches, freundliches Miteinander. Der Pilot startet zu seinem „Walk-around“, bei dem er zur Sicherheit noch einmal selbst alle relevanten Punkte am Tornado abgeht. Anschließend unterstützt Philine ihn und den hinten sitzenden WSO beim Festschnallen. Dann werden die Triebwerke angelassen. Sollte jetzt noch eine Störbehebung nötig sein, wären Soldaten aus anderen technischen Fachgruppen schnell zur Stelle.


Nach dem Start ist vor der Rückkehr

Doch heute passt – wie meistens – alles. Es folgt ein letzter „Cross-Check“, wobei die Warte, die parallel die zweite Maschine vorbereitet haben, die heute mit raus geht, nun den Flieger von Boris und Philine ein letztes Mal überprüfen. Die beiden übernehmen das Gleiche an deren Maschine. „Vier Augen sehen mehr als zwei“, bringt Boris die „Before-take-off-inspection“, kurz: BTI, auf den Punkt.

Die beiden Tornados kurz vor dem Start.

Die beiden Tornados kurz vor dem Start.

Foto: © Bundeswehr / Sickmann

Dann rollen die zwei Tornados mit ihren „Recce Pods“ (englisch für Aufklärungsbehälter) zur Luftbildaufklärung unter dem Flugzeugrumpf zur Startbahn. Bevor es auf die „Runway“ geht, durchlaufen die Maschinen eine letzte Station, das „Arming“. Dabei wird von einem weiteren Wart die Selbstschutzanlage der Tornados „scharf“ geschaltet. Dann sind die Jets startklar, ihre Mission kann beginnen.

Jetzt haben Boris und Philine – je nach Dauer der heutigen Mission – etwas Zeit zum Verschnaufen. Gespräche mit den anderen Wartungscrews über technische Details, anstehende Arbeiten und die Heimat folgen. „Wir sind hier ein kleines, eingeschworenes Team, viele kennen sich von Zuhause oder schon aus vorherigen Einsätzen“, sagt Boris, für den dies der erste Einsatz ist. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Warte – wie Boris und Philine aus Jagel im hohen Norden – oder aus der Eifel, vom Taktischen Luftwaffengeschwader 33 in Büchel, kommen. Einsatz schweißt zusammen.


Die beiden Warte unterstützen den Schlepperfahrer beim Drücken des Flugzeugs in den Shelter.

Die beiden Warte unterstützen den Schlepperfahrer beim Drücken des Flugzeugs in den Shelter.

Foto: © Bundeswehr / Wils-Kudiabor

Nach der Landung

Landen die Tornados Stunden später, stehen die Techniker wieder bereit und nehmen sie in Empfang. Nach dem „De-Arming“ folgt das Gespräch mit der Besatzung: Gab es Auffälligkeiten oder Besonderheiten während des Fluges? Was folgt, ist die Nachfluginspektion. Der Flieger wird auf mögliche Schäden, die durch Vogelschlag oder möglicherweise auch bei der Betankung in der Luft entstanden sein könnten, untersucht. Parallel rollt schon ein Tankwagen an und füllt Kerosin in die Tanks des Tornados. Jetzt muss gegebenenfalls noch Triebwerksöl aufgefüllt, oder auch mal ein Reifenwechsel vorgenommen werden.


Stets nah dran am Flugbetrieb: Stabsunteroffizier Philine B. und Oberfeldwebel Boris M..

Stets nah dran am Flugbetrieb: Stabsunteroffizier Philine B. und Oberfeldwebel Boris M..

Foto: © Bundeswehr / Wils-Kudiabor


Doch heute ist nichts Gravierendes vorgefallen, die Warte sind zufrieden. Mit dem Zustand des Fliegers und mit ihrem Beruf. „Es ist was Besonderes, als Wart zu arbeiten“, sagt Boris, „denn näher dran am Flugbetrieb sind nur die Besatzungen.“

Und Philine ergänzt: „Der Geruch von Kerosin und Öl, als Letzte und Erste am Flieger zu sein – viele, die nicht mehr in der Wartung arbeiten, vermissen das ziemlich schnell. Und ich persönlich möchte auch nichts anderes machen.“   

Autor: Michael Wils-Kudiabor