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Winter Wolf

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Mehrere Soldaten gehen zu ihren Panzern.

Perfekt getarnt: Durch die Schneeanzüge sind die Soldaten auf dem Weg zu ihren Panzern kaum zu erkennen. Jetzt nur noch aufsitzen und los geht`s.

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Winter Wolf: Übung im Schnee

Der Name der Übung ist Programm für die Soldaten der Enhanced Forward Presence Battlegroup in Litauen: Pünktlich zum ersten Gefechtsschießen liegt Schnee auf dem Truppenübungsplatz Pabrade. Insgesamt vier Mal üben die Soldaten der deutschen Kampfkompanie nun im scharfen Schuss für das abschließende Gefechtsschießen auf Kompanie-Ebene.


Im eisigen Wind "schminken" Besatzungen die stählerne Außenhaut ihrer Schützenpanzer. Drinnen summen die Standheizungen. Geweißte Leinenstoffe verschleiern die Kontur der Fahrzeuge im schneebedeckten Gelände. Munitionsgurte für die 20-Millimeter-Maschinenkanone finden ihren Platz im Innenraum des Panzers. Der Schützentrupp legt Schneeanzüge an.


Zwei Soldaten kniend im Wald.

Besonders die Fähigkeit, auf- und abgesessen zu kämpfen, macht die Grenadiere flexibel. Die Schützen werden durch ihre Gruppenführer in die Stellungen eingewiesen.

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Geländeabschnitte werden für Stunden gehalten

Fast den kompletten Übungsbereich des Platzes nutzen die Panzergrenadiere für das Gefechtsschießen im Zugrahmen. Das Ausbildungsthema dazu lautet: "Der Panzergrenadierzug in der Verzögerung". Das ist der operative Begriff dafür, dass eigene Kräfte bestimmte Linien eine Zeit lang verteidigen und dann zurückweichen. Das verschafft ihnen einen Zeitgewinn, weil der Gegner sich sprichwörtlich abkämpft und abnutzt, während man das Zurückziehen auf eine neue Linie schon vorbereit. Feuern und ausweichen also, oder, wie es ein stellvertretender Zugführer zusammenfasst: "Die kontrollierte Aufgabe von Gelände, um Zeit zu gewinnen."


Verzahnung vermeiden

"Der Panzergrenadierzug, der heute eingesetzt ist, wurde für diesen Auftrag mit zwei Kampfpanzern Leopard verstärkt", sagt der Leitende des Gefechtsschießens. "Leoparden" können mit ihren Waffen Angreifer auf große Kampfentfernungen bekämpfen. Auch eine Pioniergruppe wird unterstellt.
Mit solcher Verstärkung soll der Zugführer seinen Verantwortungsbereich schützen. Die ihm unterstellen Soldaten muss er so einsetzen, dass sich der Zug nicht mit dem Gegner verzahnt. Der Angreifer soll auf Abstand gehalten und der Kampf auf kurze Distanz vermieden werden.


Feind vorm Feldposten

"Alpha! Hier Falcon. Feindmeldung! Kommen!" Der Feldposten, quasi das "Auge" der Kompanie, hat den Feind vor den eigenen Stellungen aufgeklärt. Auf den Funkspruch folgt Feuer. Schüsse aus der Bordmaschinenkanone zwingen feindliche Spitzen zur Entfaltung. Gelegenheit für den Feldposten, sich aus seiner vorgeschobenen Stellung auf die Höhe der eigenen Kräfte zu verschieben. Der Alpha-Zug der Kompanie nimmt die Grenadiergruppe auf.


Ein Schützenpanzer steht im Wald.

Feuer und Bewegung wechseln sich ab. Unter erneutem Deckungsfeuer ist ein Ausweichen der Kräfte problemlos möglich.

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Panzerfaust schießt

Aus allen vier Marder-Kanonen des Zuges fliegen dem Feind 20-Millimeter-Geschosse entgegen. Brachiales Krachen der 120-Millimeter-Kampfpanzerkanonen mischt sich unter den Lärm der Bordmaschinen­ka­no­nen des Schützenpanzers Marder. Kaum eine Panzerung widersteht den Leopard-Geschossen. Erste Feindkräfte sind bekämpft. Schnell folgen weitere. "1.0, hier Alpha! Nachstoßender Feind! Ich beantrage Stellungswechsel! Kommen!"
Unter gegenseitigem Deckungsfeuer weichen die Marder in den nächsten Stellungsraum aus. Feuer und Bewegung wechseln sich ab. Waldabschnitte zwingen den Zugführer zu abgesessenem Kampf. Panzerfaustschützen finden im bewachsenen Gelände gute Stellungen. Selbst kaum sichtbar visieren sie gepanzerten Feind auf freier Fläche an. "Achtung! Panzerfaust schießt!", ertönt der Warnruf.
Raketengetriebene Hohlladungen zischen von den Schultern der Schützen über das Gelände. Sie vernichten in dieser Phase vier feindliche Fahrzeuge. Weitere Zeit ist gewonnen.


Auf- und abgesessener Kampf

Pioniere schließen eine Richtminensperre. Sie haben auf den Stellungswechsel der Grenadiere gewartet. Nach Durchfahrt der Marder machen sie die Sperre scharf. Ihre Kampfmittel erschweren dem Gegner das Folgen. Schützen halten den Feind mit Gewehr- und MG-Feuer nieder, verhindern das Räumen der Sperren. 40-Millimeter-Geschosse aus Granatpistolen ergänzen das Gewehrfeuer.
Dann: Feindlicher Artilleriebeschuss. Die Panzergrenadiere ziehen die Köpfe ein. Keine Verwundeten. Künstlicher Nebel und Deckungsfeuer schützt die Schützenpanzer, kurz SPz, beim Beziehen neuer Stellungen. Nur noch kurze Zeit durchhalten, und der Auftrag ist geschafft.
Die Fähigkeit zu auf- und abgesessenem Kampf macht die Panzergrenadiere flexibel. Feuerkommando eines Schützenpanzer-Kommandanten: "12 Uhr, 800, feindlicher SPz! AP 800 Feuer!" AP bedeutet Armour Piercing – panzerbrechend. Die Geschosse wirken gegen leicht gepanzerte Ziele. Die Marder verschießen auch hoch explosive Munition auf nicht gepanzerte Ziele. Die Sekundärwaffe, ein Maschinengewehr, kommt gegen abgesessene Schützen zum Einsatz. Der Mix macht’s. Alle Feindkräfte werden abgewehrt.


Mehrere Soldaten liegen in Stellung.

An der Verzögerungslinie gehen die abgesessenen Kräfte in Stellung. Sie bereiten sich auf den nächsten Feuerkampf vor.

Foto: © Bundeswehr / Kraatz

Winterkampf

In nasskaltem Wetter haben die Soldaten engagiert gekämpft und wichtige Erfahrungen gesammelt, sich Gelände und Witterung angepasst und die taktische Flexibilität ihrer Truppengattung voll ausgenutzt. "Schon die vorherigen Übungen waren hart und anstrengend. Dennoch geben die Besatzungen immer wieder alles. Ich bin nicht nur mit der eben gezeigten Leistung zufrieden. Ich bin insgesamt stolz, was meine Männer und Frauen in all’ der Zeit in Litauen gezeigt haben", betont der Kompaniechef.
Komplex und herausfordernd wird auch das Schießen verbundener Waffen unter Leitung des Kommandeurs der Battlegroup. Bei dem unmittelbar folgenden Kompaniegefechtsschießen werden Infanterie- und Artilleriekräfte der Iron Wolf-Brigade eingebunden. Die Übung Winter Wolf stellt den letzten Ausbildungshöhepunkt des Jahres 2017 für die zweite Rotation dar.

Autor: Sebastian Grünberg