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Mach, was wirklich zählt.

Ein Panzer feuert.
Ein Leopard 2 fährt durch Sanddünen.

Auf dem dänischen Leopard 2 messen sich die Panzercrews.

Foto: © Bundeswehr / Maximilian Schulz

Nordic Tank Challenge: Panzermänner im Wettkampf

Was macht eine gute Kampfpanzerbesatzung aus? Schnell fahren, genau zielen und schießen – oder gibt es da noch mehr? Die Nordic Tank Challenge verlangt den Panzerbesatzungen alles ab – körperlich, geistig, aber auch technisch gehen die Besatzungen an ihre Grenzen. Sechs Nationen stellten sich der Herausforderung im dänischen Holstebro. Unter ihnen auch Deutschland mit zwei Teams aus dem niedersächsischen Munster.

„Allein kommt hier keiner durch, das war uns von Anfang an klar. Wir als Team müssen uns hier beweisen. Die ganze Besatzung der Kraftfahrer, der Lade- und Richtschütze und ich als Kommandant werden bei dieser Challenge gemeinsam auf den Prüfstand gestellt. Dazu dann natürlich noch die ganzen anderen Teams“, erzählt Oberfeldwebel Florian Jose. Der 26-Jährige führte eines der beiden Teams aus der 2. Kompanie des Panzerlehrbataillons 93.

Soldaten sind zum Begrüßungsapell angetreten.

Das „1st Armoured Battalion Jutland Dragoon Regiment“ ist der Gastgeber für fünf Nationen.

Foto: © Bundeswehr / Maximilian Schulz

Multinational messen und voneinander lernen

Gastgeber der Challenge war das 1st Armoured Battalion, des Jutland Dragoon Regiment. Soldatinnen und Soldaten unterschiedlicher Nationen sind in der dänischen Dragoonkaserne angetreten. Die Besten unter sich ausmachen, ist das Ziel der Teams aus Norwegen, Schweden, Kanada und den USA sowie den beiden Munsteraner Panzerbesatzungen und natürlich den Gastgebern. „Ganz panzertypische Fähigkeiten wie das Aufmunitionieren des Panzers, Arbeiten am Fahrwerk, aber auch das Schießen mit dem Gewehr vom fahrenden Panzer sind Teil der Challenge“, so Jose. Die Teams greifen dabei auf dänische Panzer vom Typ Leopard 2 A5, dänische Handwaffen und Ausrüstung zurück. „Das funktioniert schon. Wir wurden vorher von den Dänen an ihrer Technik und Bewaffnung ausgebildet und konnten mit deren Gerät üben“, erklärt Panzerkommandant Jose.

Zwei Soldaten überwinden gemeinsam ein Hindernis.

Auf der Hindernisbahn kommt keiner alleine durch: Hier ist Teamwork gefordert.

Foto: @ Bundeswehr / Maximilian Schulz

Keine Zeit zum Durchatmen

Heimvorteil ausgeschlossen: Eine der ersten Stationen bringt Joses Panzercrew weitab ihrer gewohnten Umgebung – dem Kampfpanzer – ordentlich in Wallung. Die Stoppuhr ist der Gegner beim Orientieren im Gelände. „Karte einnorden, nach Marschkompasszahlen laufen und aufpassen, dass wir im Gelände nichts übersehen, fordert mehr die Konzentration als die Physis“, stellt Richtschütze Stabsgefreiter Marco Magiera fest. Höchste Ansprüche an Physis und Teamgeist verlangt kurz darauf auch das Überwinden der Hindernisbahn. Extra so angelegt, dass einige der Hindernisse nur zu zweit überwunden werden können, ist schnell klar, dass es auch an dieser Station einmal mehr auf das Zusammenspiel der gesamten Panzercrew ankommt. Immer mit dabei: acht Kilogramm Gepäck und Waffe, so das Reglement.

Ganz handwerklich, aber trotzdem mit der Stoppuhr im Nacken geht es beim Wechseln einer Laufrolle zur Sache. „Der Panzer muss dabei bewegt werden. Da ist das Abstimmen der Arbeiten enorm wichtig: Panzer vorfahren, dabei Laufrolle anheben, Schrauben lösen, Laufrolle abnehmen und neue Laufrolle rauf. Dann alles wieder umgekehrt. Da darf nichts passieren“, erzählt Kommandant Jose. Unter den strengen Augen der Schiedsrichter wird die Laufrolle in etwas über mehr als neun Minuten gewechselt. Leider bringen drei falsch angesetzte Schrauben Strafsekunden ein und trotzdem bemerkt der Schiri: „Good time!“ Es bleibt wenig Zeit und schon wartet die nächste von mehr als 15 Stationen auf die Panzermänner.

Drei Soldaten arbeiten an den Ketten und Laufrollen eines Panzers.

Geschwindigkeitswettkampf: Beim Laufrollenwechsel sitzt jeder Handgriff.

Foto: @ Bundeswehr / Maximilian Schulz

Panzerschießen mal anders

„Das Schießen vom fahrenden Panzer mit dem Gewehr ist völlig ungewohnt. Aber nach ein, zwei Schuss ist man im Schießrhythmus drin. Ich muss die Erschütterungen des Panzers mit dem Körper abfedern und dann ruhig zielen“, sagt einer der Richtschützen. Die Mannschaften sind begeistert: „Diese Verbindung von Dynamik und Präzision beim Schießen ist für uns alle eine neue und tolle Erfahrung.“

Das Pfeifen der Atemventile ihrer ABC-Schutzmasken ist schon von Weitem zu hören. Das Atmen fällt schwer. Mit den Gewehren im Anschlag geht es im Laufschritt über 150 Meter in die nächsten Stellungen. Es ist die letzte und zugleich anstrengendste Station der Challenge: das Schießen unter hoher körperlicher Belastung. Jetzt zählt jede Sekunde und jeder Treffer. Den Jungs fällt es sichtlich schwer, sich zu konzentrieren.

Über 300 Meter Verwundetentransport und Anschieben eines Geländewagens stecken der Panzercrew um Kommandant Jose schließlich schon in den Knochen. Schnell zeigt sich, worauf es im Ernstfall ankommt – körperlich ausgepowert die Waffe sicher bedienen und präzise schießen.

Das Team posiert für ein Gruppenfoto auf seinem Panzer.

Kameradschaft und die multinationale Zusammenarbeit sind der Gewinn für alle.

Foto: @ Bundeswehr / Maximilian Schulz

Nordic Tank Challenge 2017: Gewinner waren alle

An drei harten Wettkampftagen kämpften die Panzermänner aus Munster um jede Sekunde und jeden Punkt. Sonne, Wind und Regen waren ständig wechselnde Begleiter der Wettkampftage. Sie erreichten schließlich die Plätze 10 und 12. Das Treppchen teilten sich die Panzercrews aus Norwegen und Dänemark. „Wichtiger aber als die Platzierung war für uns der Austausch und das gemeinsame Arbeiten mit den Dänen und den Panzercrews der anderen Nationen. Die wachsende Kameradschaft und die Erweiterung unserer eigenen Erfahrungen sind der wahre Gewinn der Nordic Tank Challenge 2017“, fasst Kommandant Jose zusammen. Für die Munsteraner Panzermänner geht es ohne Pause weiter: Gerade sind sie auf der Übung Heidesturm. Dort bereiten sie sich auf den Einsatz als Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) Land 2019 vor. Die Übung dauert noch bis zum 9. Juni.

Autor: Rene Hinz