Mach, was wirklich zählt.

Zwei Soldaten lehnen an Ihrem Geländefahrzeug

Portrait

Foto: ©Bundeswehr / Sascha Jonack

„Die Panzer-Chauffeure“ - ein ganz besonderer Job im Libanon

Beinahe unbemerkt versehen acht deutsche Soldaten ihren Dienst im UN-Hauptquartier im südlibanesischen Naqoura, nahe der Grenze zu Israel. Seit zehn Jahren beteiligt sich die Bundeswehr an der UNIFIL-Mission der Vereinten Nationen im östlichen Mittelmeer. Der Großteil der derzeit etwa 130 Soldaten ist auf der Korvette "Braunschweig" und in der zyprischen Hafenstadt Limassol, im Camp „Castle", stationiert. Einen kleineren Teil bilden die Soldaten auf dem libanesischen Festland.

Die Nachmittagssonne brennt. Das Thermometer zeigt 36 Grad Außentemperatur. Philipp W. sitzt hinterm Lenkrad und steuert seinen weiß lackierten und speziell geschützten Daimler Benz durch die Straßen Beiruts. Eine kilometerlange Blechlawine erstreckt sich vor ihm. Genervte Autofahrer hupen unermüdlich. Aus den vier Spuren der Straße werden kurzerhand sechs gemacht. „Das ist normal", sagt der Oberstabsgefreite.

Trotz des chaotischen Straßenverkehrs sind die beiden Fahrer entspannt. Philipp fährt im gleichmäßigen Tempo. „Man passt sich dem Verkehr an. Man wird zwar nicht rücksichtlos, aber wir sitzen in einem besonders verstärkten und geschützten Pkw. Das hilft. Wenn wir die Spuren wechseln, halten die anderen Abstand."
Neben ihm sitzt Dennis M. Die beiden Oberstabsgefreiten sind die Kraftfahrer des deutschen Anteils im UN-Hauptquartier in Naqoura. „Wir sind immer zu zweit unterwegs", sagt Dennis.


„UN-Wölfe" mit spezieller Rüstung

Zwei Geländefahrzeuge der UN

Wölfe im Sonnenaufgang

Foto: ©Bundeswehr / Sascha Jonak

Beide haben die Lizenz zum „Panzer-Chauffeur", denn nur sie dürfen die geschützten Fahrzeuge bewegen. Als Kraftfahrer haben sie ein besonderes Fahrtraining absolviert, kennen sich mit der Fahrphysik aus und wissen, wie sie reagieren müssen. Zwei weiße „Wölfe" mit großen Lettern „UN" an den Seiten stehen für die Fahrten zur Verfügung.

Aufgrund des Sicherheitsrisikos werden alle Fahrten außerhalb des UN-Geländes mit gepanzerten oder besonders geschützten Fahrzeugen absolviert. Die Fahrgastzelle der „UN-Wölfe" ist mit einer Rüstung versehen, so dass den Insassen im Ernstfall nichts passiert. Beide Soldaten fahren mehrmals pro Woche die deutschen Soldaten quer durchs Land. „Das Fahren hat seine Besonderheiten. So hat das Schwergewicht mit seinen 3,5 Tonnen ein vollkommen anderes Fahrverhalten als herkömmliche Autos. Die Bremswege sind wesentlich länger, der Wendekreis größer und ich muss mit der Geschwindigkeit aufpassen", betont Beifahrer Philipp.


Über die Küstenstraße gen Süden

Fahrer im Geländefahrzeug mit Blick auf die Wüstenstraße

Aus dem Fahrerhaus

Foto: ©Bundeswehr / Sascha Jonack

Kaum raus aus Beirut, löst sich die Blechlawine auf und es geht im zügigen Tempo gen Süden. Ziel ist das 110 Kilometer entfernte UN-Hauptquartier in Naqoura. Links erstreckt sich die braun-gelbe Berglandschaft aus Bäumen, Geröll, Sand. Dazwischen vereinzelte Häuser. Auf der anderen Seite das azurblaue Mittelmeer.

„Wenn das Wasser neben uns ist, sind wir richtig", grinst der Fahrer. Die beiden Soldaten haben unzählige Kilometer auf dieser Küstenstraße erfahren. "Wir kennen fast jedes Schlagloch und die Gefahrenbereiche, wo wir besonders aufpassen müssen", betont Marinesoldat Dennis. "Auch die Libanesen schimpfen übrigens über die chaotischen Verkehrszustände", betonen die beiden schmunzelnd.


Viele Eindrücke bis zum Einsatzende

Zwei Fahrzeuge parken auf Geröll und Sand

UN im Libanon

Foto: ©Bundeswehr / Sascha Jonack

Mittlerweile sind die zwei Soldaten mehrere Monate im Einsatz und stehen kurz vor ihrer Ablösung. „Anfangs war einem schon mulmig. Wir kannten die Strecken nicht, die Hitze im Sommer, die Verkehrsverhältnisse und viele neue Eindrücke prasselten auf einen ein. Aber nach einer Weile hat man sich an die neue Situation gewöhnt und passt sich an", holt Oberstabsgefreiter Dennis aus.
Als Kraftfahrer übernehmen sie auch den wöchentlichen Einkauf der Lebensmittel und der Dinge des täglichen Bedarfs. „Hier kommt es oft vor, dass wir Urlauber aus Deutschland antreffen. Da kommt man schnell ins Gespräch. Oft wird man auch spontan zum Kaffee eingeladen", sagt Philipp.

Der deutsche Anteil im 1.000 Mann starken „Force Headquarters“ in Naqoura ist mit acht Soldaten eher gering. „Wir gehören zu den kleineren Kontingenten und müssen uns arrangieren. Die Kameradschaft untereinander ist jedoch sehr gut und die gute Beziehung zu den Soldaten anderer Nationen hat sich im Laufe der Zeit immer weiter gefestigt", sagt Philipp. Für Philipp und Dennis endet ein interessanter Einsatz, bei dem sie die Gastfreundlichkeit nicht nur der UN-Kameraden, sondern auch die der Libanesen kennengelernt haben.

"Wenn wir wieder in Deutschland sind, müssen wir uns erst mal an das geordnete Autofahren gewöhnen. Dort geht es ja zum Glück meist gesitteter zu", sagen beide am Ende.

 

Autor: Sascha Jonack