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Mach, was wirklich zählt.

Symbolbild
Der Soldat am Arbeitsplatz in einer Insantsetzungshalle

Am Arbeitsplatz

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Bordhubschrauber: Crew Chief über die „Roadies“

Sie begleiten die Bordhubschrauber der Deutschen Marine in allen Einsätzen und Manövern: Die Techniker der Marineflieger kennen als „road crew“ die Weltmeere so gut wie jeder andere Seemann.

Im „Sea Lynx“ Mk88A steckt viel Technik – jede Menge Elektronik und kilometerlange Kabel und Schläuche sind im Rumpf eines Bordhubschraubers der Deutschen Marine verborgen. Hauptbootsmann Florian Steffe ist ein Spezialist auf seinem Gebiet und kennt den „Lynx“ wie seine Westentasche. Als Crew Chief ist er ein „Allrounder“: Er und sein Team sorgen dafür, dass die Bordhubschrauber überhaupt fliegen können.


Steffe war in die Lehre als Gas- und Wasserinstallateur gegangen und arbeite in dem Beruf, bis die Beschäftigungssituation 2005 zunehmend schlechter wurde. Sein älterer Bruder riet ihm: „Meine Zeit beim ‚Bund‘ war gar nicht so schlecht und technisch haben die viel zu bieten. Informier‘ dich doch mal da!“. Das tat er.

Als Norddeutschem sagte Steffe die Marine von Anfang an zu. Seefahrt – als Soldat wollte er die Welt bereisen. Ein wenig überrascht war er dann schon, als der Wehrdienstberater ihn gerne zur Marine schicken wollte, aber dann auf einmal von Flugzeugen und Hubschraubern sprach. „Ich wusste erst mal nicht, dass die Marine auch fliegt. Und dann dachte ich: ,Okay, ich werde dann wohl zukünftig Flugzeugtoiletten reparieren“, schmunzelt er. Nicht abwegig, denkt man an seinen Lehrberuf. „Mir wurde aber schnell klar, dass sie einen richtigen Fluggerätemechaniker aus mir machen wollten.“

2005 begann für Steffe in Nordholz seine viermonatige Umschulung. „Das war so schnell möglich, weil ich Grundlagen wie Hydraulik und Pneumatik bereits aus meiner zivilen Ausbildung kannte“, erläutert er weiter. Obwohl er zunächst Schiffe und nicht Hubschrauber im Kopf hatte, als er zur Marine wollte, fühlte er sich in seinem neuen beruflichen Zuhause schnell wohl.

Der Soldat abreitet am Rotorkopf des Helikopters

Rotorkopf

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Die Mechaniker fürs Grobe

Steffe landete schließlich bei den Fluggerätemechanikern derVerwendungsreihe 55. Sie selbst nennen sich „Flugwerker“: „Wir sind die Mechaniker fürs Grobe“, erklärt Steffe. Sie kümmern sich um die Rumpfstruktur des Bordhubschraubers „Sea Lynx“, die Rotorblätter, das Hauptgetriebe, die Räder oder auch die Hydraulikanlagen. Die Flugwerker sind neben den Triebwerkmechanikern, Elektrikern und Avionikern eines der vielen Teams, die sich um die Bordhubschrauber der Deutschen Marine im Marinefliegerstützpunkt Nordholz kümmern. „Wir sind auch für die Vorfluginspektion zuständig“, erklärt Steffe die etwa zweistündige Kurzinspektion, die vor jedem Flug durchgeführt werden muss. „Da checken wir alles, was selbst bei Ausfall der elektronischen Anlagen den Hubschrauber fliegen lässt. Das ist die Lebensversicherung für die Piloten.“

Im Anschluss schleppen sie den Helikopter auf das Vorfeld und übergeben ihn an den Piloten. „Einmal habe ich tatsächlich ein Werkzeug am Hubschrauber vergessen“, erinnert sich Steffe. „Weil ich sofort Bescheid gesagt habe, hat das zum Glück den Flug nicht beeinträchtigt, aber sowas vergisst man nie! Es passiert einem aber auch nicht mehr.“

Wichtig ist Steffe vor allem die Sensibilisierung der Kolleginnen und Kollegen. Er gibt seine eigenen Erfahrungen weiter, „damit Andere nicht erst selbst Fehler machen müssen, um daraus zu lernen“. „Vertrauen – das schreiben wir ganz groß“, fährt er fort. „Überhaupt: Sicherheit ist das A und O, denn ein Helikopter ist kein Auto, das im Ernstfall rechts ran fahren kann. Alles muss funktionieren, bevor der Hubschrauber abhebt. Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir Fehler vermeiden, aber sofort dazu stehen, wenn sie doch passieren.“

Nach seinem ersten Einsatz 2009 bei der Anti-Piraterie-Mission „Atalanta“ am Horn von Afrika war er vollends von seinem Beruf in Uniform überzeugt. Er beantragte die Verlängerung seiner Dienstzeit ein und machte 2010 seinen Meister. Damit stieg seine Verantwortung. Er bürgt nun auch für die jüngeren Techniker, die ihm unterstellt sind.

Als Vorgesetzter ist Steffe auch für den Ausbildungsstand seiner Soldaten zuständig. Zudem kümmert er sich um die Materialbeschaffung, hat immer ein Auge auf die neueste Technik und hält regelmäßigen Kontakt zu den Schiffen, von denen aus „seine“ Helikopter fliegen.

Hautnah

Hautnah

Foto: © Bundeswehr / Sascha Jonack

Ein Meister unter den Meistern

Seit 2013 hat Hauptbootsmann Steffe noch einen zweiten, sehr verantwortungsvollen Job: Er ist einer von sieben Crew Chiefs.„Crew Chiefs leiten die Technikerteams im Einsatz. Dafür braucht man schon viel Erfahrung. Man ist auch verantwortlich für das öffentliche Auftreten seines Teams im Einsatz fern der Heimat“, erklärt er die Aufgabe, die lange nicht jedem Meister anvertraut wird.

Wird ein Hubschrauber für eine Übung oder den Einsatz auf ein Schiff verlegt, packt Steffe seine Seekiste und übernimmt das Sagen über die eingeschifften Techniker der Marineflieger: An Bord unterstehen ihm im sogenannten Hauptabschnitt 500 die Flugwerker, Elektriker, Avioniker und Triebwerker. Zusammen mit einem sogenannten Luftfahrzeugprüfer ist er dafür verantwortlich, den Flugbetrieb an Bord sicherzustellen.

Verlegt so ein Team auf eine Fregatte, darf es nichts vergessen: Vorschriften, Werkzeug, Ersatzteile – eine komplette Werkstatt muss auf das Schiff gebracht werden. Denn schließlich ist aufgrund begrenzter Lagerkapazitäten kein Teil dieser Ausrüstung ständig an Bord. Um das zu organisieren, sollte man sich schon als „Allrounder“ verstehen.

Der Berufssoldat liebt die ständigen Herausforderungen. „Das macht meinen Beruf zum Traumberuf“, schwärmt Steffe. Dazu gehören für ihn auch die Einsätze. Die Erfahrungen hieraus schweißen alle im Marinefliegerstützpunkt zusammen. „Das Arbeitsklima ist toll, hier ist es ein bisschen wie in einer Familie. Kameradschaft wird sehr groß geschrieben“, erzählt er.

So weit gekommen denkt Steffe schon an seine nächsten Karriereschritte. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass ich eines Tages Luftfahrzeugprüfer Flugwerk oder Fachoffizier des technischen Dienstes werde und weiter zur See fahre“, stellt der Marineunteroffizier fest.

Autor: Iris Kretschmann, Jule Peltzer