Mach, was wirklich zählt.

Die Fregatte Augsburg auf hoher See
Portrait eines Marinesoldaten

Stabsgefreiter Jan-Phillip S.

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Stabsgefreiter Jan-Phillip S. – Antriebsgast auf der Fregatte Augsburg


Neben der Bewaffnung ist die Geschwindigkeit eines Kriegsschiffes ein entscheidender Faktor für seine Kampfkraft. Für die richtige Geschwindigkeit an Bord sorgt die Antriebsanlage. Auf der Fregatte Augsburg treffen wir den Stabsgefreiten Jan-Phillip S., einen der Antriebsgasten des Schiffes.

„Als Antriebsgast (Anm. d Red.: Gast ist die Bezeichnung der Mannschaftssoldaten bei der Marine) gehöre ich zum Bereich Antriebstechnik. Unser Team setzt sich aus einem Antriebsmeister, den Antriebsmaaten und den Mannschaftsdienstgraden, eben den Antriebsgasten, wie sie bei uns genannt werden, zusammen. Wir haben hier die Aufgabe, die Antriebsanlagen, also die Dieselmaschinen und die Gasturbinen, zu warten und zu reparieren. Das kann im Hafen, aber auch unter gefechtsmäßigen Bedingungen auf See passieren“, erläutert S. seine Tätigkeit.

Ein Marinesoldat geht im Maschinenraum zu einer Gasturbine

Auf dem Weg zur Gasturbine

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

Als FWD zur Bundeswehr

Der 25jährige Soldat aus Leverkusen trat als Freiwillig Wehrdienstleistender (FWD) in die Bundeswehr ein. „Zwei Faktoren spielten damals eine Rolle für meine Entscheidung. Zum einen hatte ich gerade meine Lehre zum Kfz-Mechatroniker abgeschlossen, konnte aber von meinem Lehrbetrieb nicht übernommen werden und zum anderen hatte ich einen guten Freund, der bereits Soldat war und mir erste Eindrücke vermitteln konnte. Also habe ich mich als Freiwilligen Wehrdienstleistender beworben. Als Verwendungswunsch gab ich eine technische Verwendung bei der Marine oder Luftwaffe an“, sagt der Stabsgefreite. Der Soldat erklärt uns, dass er bereits bei der Einstellung Glück hatte.

„Eine Einstellung bei der Luftwaffe war nicht sofort möglich. Da ich aber keine Zeit verschenken wollte, entschied ich mich für die Marine – ohne zu wissen, dass ich hier genau das finden würde, was ich mir als Tätigkeit gewünscht habe."

Aus der Allgemeinen Grundausbildung auf die Fregatte

Drei Marinesoldaten im Gespräch

Teamarbeit gibt Sicherheit. Die Antriebstechniker bei einem planmäßigen Dockaufenthalt des Schiffes.

Foto: © Bundeswehr / Jani Pushparajah-Hoof

Seine Allgemeine Grundausbildung absolvierte er an der Marinetechnikschule in Parow. „Meine Grundausbildung gliederte sich in zwei große Bereiche. Im ersten Abschnitt, der ungefähr einen Monat dauerte wurde uns das militärische Grundwissen, wie Waffen- und Schießausbildung, Marsch, Orientieren im Gelände usw. vermittelt. Die restliche Zeit der dreimonatigen Ausbildung befasste sich dann auch schon mit den verschiedenen Bereichen der Schiffstechnik. Das war natürlich genau mein Ding“, äußert der Marinesoldat lächelnd. Nach der Allgemeinen Grundausbildung ging es ohne weitere Umwege auf die Fregatte Augsburg und zwar genau in seinen Wunschbereich, der Antriebstechnik.

Teamarbeit gibt Sicherheit

Natürlich hat man als neuzuversetzter Soldat immer ein mulmiges Gefühl. Was erwartet einen? Wie sind die Vorgesetzten? Das sind Fragen, die sich der junge Soldat unwillkürlich stellte. „Diese Unsicherheit wurde mir aber durch die Crew an Bord sehr schnell genommen. Ich fühlte mich vom ersten Tag an wohl. Das lag auch daran, dass ich sofort das Gefühl hatte, dazu zu gehören, ein Teil der Crew zu sein“, sagt Jan-Phillip S.

Ein Techniker der Marine steht in dem Maschinenraum einer Fregatte

Viel Platz darf man im Maschinenraum nicht erwarten

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

Auch bei seinen Vorgesetzten in der Antriebstechnik fand er immer wertvolle Ansprechpartner. „Natürlich wusste man als gerade zuversetzter Soldat nicht viel über die Antriebstechnik. Das wurde einem mit viel Ruhe und Verständnis von den Vorgesetzten beigebracht. Auch wenn ich aus der Kfz-Technik kam und viele Reparatur- und Wartungsarbeiten ähnlich sind, ist es schon ein Unterschied, ob man an einem Kfz-Motor rumschraubt oder an einem 51.600 PS starken Schiffsmotor. Dazu kam eine für mich ganz neue Antriebstechnik – die Gasturbine."

Auch hier wurde S. nicht ins „kalte Wasser“ geworfen. Ähnlich einer Ausbildung am Arbeitsplatz wurde ihm durch seine Vorgesetzten alles beigebracht, was er für seine Tätigkeit können musste. „Das gab mir von Anfang an die Sicherheit, die man braucht, um an diesen komplexen Systemen zu arbeiten. Ich habe bei der Marine gelernt, dass schnelles, konzentriertes Arbeiten nicht in Hektik ausarten muss, wenn man sich als Team sieht und auch so agiert“, so der Marinesoldat.

Beruf und Privatleben

Logischer Weise ist man als Marinesoldat oft und lange auf See. Aber auch hier ist man nie ganz vom privaten Umfeld abgeschnitten. „Wir haben an Bord die Möglichkeit Emails zu schreiben und zu empfangen. Dazu stehen uns mehrere Rechner zur Verfügung. Auch telefonieren ist möglich. Das allerdings nur zu festen Zeiten für ca. 20 Minuten am Tag. Aber es ist eine Möglichkeit, mit der Familie oder Freunden zu sprechen. Es ist dann schön, mal die vertrauten Stimmen zu hören und Neuigkeiten nicht erst nach Wiedereinlaufen mitzubekommen“, erklärt der Stabsgefreite.

Ich habe die Entscheidung nie bereut

Ein technischer Soldat der Marine arbeitet am Schiffsantrieb einer Fregatte

Stabsgefreiter Jan-Phillip S. - ein Fachmann in Sachen Antriebstechnik

Foto: © Bundeswehr / S. Sanders

Stabsgefreiter S. hat sich mittlerweile auf 8 Jahre verpflichtet. Er gehört zu den erfahrenen Soldaten der Crew und hat auch schon einige Einsätze miterlebt. Unter anderem war er bei einem Einsatz der Fregatte im Rahmen der ATALANTA-Mission mit an Bord. (Anm. d. Red.: ATALANTA ist die EU-geführten Operation zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias und zum Schutz der Schiffe des Welternährungsprogramms).
„Ich habe meine Entscheidung bisher nicht einen Tag bereut. Die Erfahrungen, die ich in dieser Zeit gesammelt habe, haben mich reifer und auch ruhiger werden lassen. Und ganz ehrlich, ich hätte während meiner Kfz-Mechatroniker-Ausbildung nie daran gedacht, dass ich einmal Länder wie Kenia oder Tansania sehen und andere Kulturen kennenlernen würde“, sagt S.
Deshalb geht er nach dem Ende seiner Dienstzeit, wie er sagt, auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sorgen um seine Zukunft macht er sich allerdings nicht. „Als Soldat auf Zeit für 8 Jahre steht mir ein Berufsförderungsanspruch von ca. drei Jahren zu. Ich könnte mir vorstellen, bei der Bundespolizei, dem Zoll oder der Feuerwehr eine Anstellung zu suchen. Aber auch eine Arbeit als Techniker für erneuerbare Energien fände ich sehr interessant. Ich lasse mich da aber vom Berufsförderungsdienst der Bundeswehr beraten, wenn es soweit ist“, schließt Stabsgefreiter Jan-Phillip S.


Autor: H. Cabanski

Die Fregatte Augsburg