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Mach, was wirklich zählt.

Sisyphusarbeit: Der Triebwerkwechsel erfordert Konzentration.

Sisyphusarbeit: Der Triebwerkwechsel erfordert Konzentration.

Foto: © Bundeswehr / Baerwald

17.000 PS und 50.000 Bauteile

In Incirlik wechseln fünf Fluggerätemechaniker das Triebwerk eines Aufklärungstornados.

Ein Blick in das „Innenleben“ eines Tornados.

Ein Blick in das „Innenleben“ eines Tornados.

Foto: © Bundeswehr / Baerwald

Die riesigen Tore der Instandsetzungshalle auf der türkischen Luftwaffenbasis in Incirlik öffnen sich. Am Haken eines Schleppers hängt ein Tornado-Kampfflugzeug, das in die große Halle geschoben wird. Heute kommt auf die Fluggerätemechaniker einiges zu: Ein Triebwerk muss in den nächsten Stunden gewechselt werden.

Jetzt brauchen sie volle Konzentration, denn das Bauteil besteht aus 50.000 Einzelteilen, Schrauben und Unterlegscheiben nicht mitgezählt. Die fünfköpfige Crew der Teileinheit Antriebssysteme beginnt mit dem Ausbau der 17.000 PS-Anlage und nach zwei Stunden ist das eine Tonne wiegende, rund vier Meter lange Triebwerk freigelegt.


Schrauber aus Leidenschaft

Die Soldaten verpacken es vorsichtig in einen schon bereitstehenden Transportbehälter. Stabsunteroffizier Christian M. bringt die dicken Sicherungsschrauben an: „Wir müssen darauf achten, dass die schwere Ladung für den weiten Transport sicher fixiert ist. Der Behälter wird als Luftfracht nach Deutschland befördert, dabei darf nichts verrutschen.“ Dann kann mit dem Einbau des neuen Triebwerkes begonnen werden: Zuerst wird die Montage des Triebwerks mit zusätzlichen Anbauten für bestimmte Anschlüsse am Tornado vorbereitet. Die Technik-Crew muss Sorgfalt walten lassen, denn schon die kleinste Unaufmerksamkeit kann einen enormen Schaden nach sich ziehen. Alle Schrauben müssen richtig angebracht sein, es darf nichts vergessen werden, auch nicht irgendein Werkzeugschlüssel. Jede einzelne Schraube ist mit einer Drahtsicherung versehen, damit sie sich bei im Flug entstehenden Vibrationen nicht lösen können. Drei Stunden dauert der Anbau am Ende.


Erst Prüfung – dann Freigabe

„Unsere Piloten haben vollstes Vertrauen in unsere Arbeit – und das zu recht“, sagt Fluggerätemechanikermeister Hauptfeldwebel Knut W. voller Stolz. Bevor die Maschine mit dem neuen Triebwerk abheben darf, muss zunächst aber ein Testlauf am Boden durchgeführt werden. In einem eigens abgesperrten Bereich des Flugfelds kann der Bodenprüflauf erfolgen. „Hierbei gilt es, die Funktionswerte und die Leistungsparameter zu kontrollieren. Die 100-prozentige Kraftentfaltung muss nachgewiesen, die Nachbrennereinstellungen müssen gecheckt werden“, beschreibt Knut W. den Testlauf. Sobald alle notwendigen Leistungswerte eingestellt und keine Auffälligkeiten festzustellen sind, könnte der Tornado wieder fliegen. Zuvor muss jedoch noch die Prüfgruppe des Geschwaders das Flugzeug für den Flugbetrieb freigeben. „Es gibt nichts Schöneres, als den Tornado nach so einem Austausch wieder abheben zu sehen. Denn dann wissen wir, dass wir einen guten Job gemacht haben“, erklärt Christian M.

Autor: Roman Ladenko