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Mach, was wirklich zählt.

Die Marinesoldaten üben einen Wasserbruch auf der Fregatte „Köln“.

Die Marinesoldaten trainieren auf der Fregatte „Köln“ das richtige Verhalten bei einem Wasserbruch.

Foto: © Bundeswehr / Wilke

Zwischen Feuer und Wasser

Marinesoldaten lernen auf einer ausgemusterten Fregatte „Köln“, sich den Gefahren auf See zu stellen.

Eine Feuerübung auf der Fregatte „Köln“.

Eine Feuerübung auf der Fregatte „Köln“.

Foto: © Bundeswehr / Wilke

„Feuer im Schiff – Feuer im Schiff – es brennt in Abteilung III“, schallt es durch die Schiffslautsprecheranlage. Nur wenige Augenblicke später wird ein Wassereinbruch im Schiff gemeldet. Von nun an zählt jede Sekunde und jeder Handgriff muss sitzen. Denn jetzt geht es um Menschenleben. 

Extreme Hitze und durchdringende Kälte, ein hohes Maß an physischen und psychischen Belastungen – das Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Marine im holsteinischen Neustadt führt die Soldaten an die Extremsituationen heran, die an Bord auftreten können.


Erprobt in Extremsituationen

„Man muss zusammenarbeiten“, erklärt Obermaat P., als er mit triefend nassen Sachen aus dem kalten Ostseewasser steigt. Er befindet sich im Übungsschiff, der ehemaligen Fregatte „Köln“, die für Ausbildungszwecke in der Neustädter Bucht liegt. Dort werden die Szenarien „Feuer im Schiff“ und „Wassereinbruch“ unter realistischen Bedingungen geübt. Der Obermaat ist auf dem Lehrgang Schiffssicherungstruppführer. Zwischen zehn und 1000 Grad Celsius wird er dabei erleben. Denn nicht nur die Leckabwehr, die Bekämpfung von eindringendem Wasser, sondern auch die Brandabwehr gehört zum Lehrplan. Nach drei Tagen Theorie beginnt die praktische Ausbildung. Den Anfang machen kleinere Feuer, die mit dem Feuerlöscher bekämpft werden. Es folgt der Aufbau einer Feuerlöschstrecke, in der Wasser mit chemischem Löschmittel vermischt und zur Brandstelle gefördert wird. Dann wird es heiß. In der Brandhalle ist eine Übungsanlage aufgebaut, die dem Schiffsinneren nachempfunden ist. Dort bricht auf Knopfdruck ein Feuer aus, das die Soldaten in Teams bekämpfen müssen. „Ich war drei Jahre an Bord und da kann man Feuer nur simulieren. Hier erleben wir das mit echtem Feuer“, betont der Obermaat. Dabei erreicht die Luft unter der Decke über 1000 Grad Celsius.


Die ausgemusterte Fregatte „Köln“ eignet sich optimal für realistische Übungen.

Die ausgemusterte Fregatte „Köln“ eignet sich optimal für realistische Übungen.

Foto: © Bundeswehr / Wilke

Ostseewasser im November

Am nächsten Tag stehen die Teilnehmer in der Übungsanlage zur Leck­abwehr. Auch diese Anlage ist aufgebaut wie ein Schiff. Mit Abdicht­matten und Holzbalken müssen sie gegen eindringendes Wasser an­kämpfen, damit ihr „Schiff“ nicht sinkt. Dazu sind die Wände mit Lö­chern unterschiedlicher Größe versehen, durch die das Wasser nach Übungsbeginn eindringt. Obermaat P. gefällt besonders die Realitäts­nähe: „Es ähnelt hier alles der Situation an Bord. Es gibt enge Räume, Schotten und Platzmangel“. Hier beträgt die Wassertemperatur noch angenehme 20 Grad Celsius. Im zweiten Abschnitt der Leck­ab­wehr­aus­bil­dung geht es auf das Übungsschiff Ex-„Köln“. Hier wird mit dem Wasser aus der Ostsee gearbeitet. Die Lehrgangsteilnehmer stehen teilweise bis zur Brust in gerade mal zehn Grad „warmem“ Wasser und dichten Lecks ab. Doch mittlerweile sind alle professionell am Werk. Sie sägen die Leckabwehrbalken auf die richtige Länge und verkeilen mit ihnen das Leckabwehrbrett, das die Wassereinbruchstelle abdichten soll.

Obermaat P. verrät am Ende des Lehrgangs: „Egal ob Feuer oder Wasser, es ist beides sehr anstrengend. Aber ich fühle mich jetzt gut darauf vorbereitet!“ 

Autor: Daniel Timme