Mach, was wirklich zählt.

Alles muss passen: Im Ernstfall gibt es keinen zweiten Versuch.
Ein Knall, dann dunkler Rauch: Die Soldaten verschaffen sich innerhalb kürzester Zeit Zugang zum Gebäude.

Ein Knall, dann dunkler Rauch: Die Soldaten verschaffen sich innerhalb kürzester Zeit Zugang zum Gebäude.

Foto: © Bundeswehr

Übung Black Star: KSK trainiert Befreiung von Geiseln

Ein ohrenbetäubender Knall, grelle Blendgranaten und rauchgeschwängerte Luft: Das Kommando Spezialkräfte (KSK) stürmt ein Gebäude, um deutsche Staatsbürger aus den Fängen von Terroristen zu befreien. Bei der Übung Black Star XI trainieren die Soldaten unter realistischen Bedingungen einen ihrer Hauptaufträge: Die Bewältigung von Geisel- und Entführungslagen.


Die Tür fliegt mit einem ohrenbetäubenden Knall auf – die Zugangssprengung war erfolgreich. Innerhalb von Sekunden stürmen die Kommandosoldaten in das Gebäude. Im Inneren detonieren mehrere Blendgranaten, die Nachtluft füllt sich mit Rauch und Staub. Die Lampen an den Gewehren durchschneiden den nebelartigen Dunst. Im Lichtkegel taucht ein bewaffneter Terrorist auf und richtet seine Waffe auf die Soldaten.


Für alle Szenarien gewappnet

Diese Szene stammt nicht aus einem Kinofilm, sondern war der Höhepunkt bei der Übung Black Star XI. Die Übungsreihe wurde eingeführt, um den Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) die Möglichkeit zu geben, einen ihrer Hauptaufträge intensiv trainieren zu können. Für die Bewältigung von Geisel- und Entführungslagen deutscher Staatsbürger im Ausland halten die Spezialkräfte ständig eine Einheit in Bereitschaft.

Um eine komplexe Geisellage bewältigen zu können, müssen die Soldaten ihr Vorgehen immer wieder üben und verbessern. Im Idealfall bekommen sie die Gelegenheit dazu nicht nur auf deutschen Übungsplätzen, sondern auch in einem völlig unbekannten Umfeld – nahe an einer möglichen Einsatzrealität. In diesem Jahr war daher Lettland Gastgeber für Black Star. Die Übung dient neben dem Training der Abläufe vor allem auch der Weiterentwicklung der Einsatzgrundsätze: Kräfteansatz, Vorgehensweise, Material – alles steht auf dem Prüfstand.

Die Übungslage orientiert sich nah an wahrscheinlichen Einsatzszenarien. In diesem Fall haben Aufständische in Lettland vier deutsche Geiseln genommen und Forderungen gestellt. Trotz umfangreicher Verhandlungen mit den Geiselnehmern erhält das KSK aus dem Verteidigungsministerium den Auftrag, sich mit der Planung einer Befreiungsaktion zu befassen. Dabei wird für alle denkbaren Möglichkeiten parallel geplant. „Wir müssen schnell und flexibel auf Lageänderungen reagieren können. Also planen wir für alle denkbaren Szenarien, schließen dabei keine Möglichkeit des Handelns frühzeitig aus”, erläutert Oberstleutnant B. aus der Führungsetage des KSK.


Planung bis ins letzte Detail

Mit der Entscheidung zum Einsatz der Bundeswehr beginnt die Entsendung der Kommandosoldaten in das Einsatzgebiet. Kaum vor Ort, machen sie sich bereit, um schnell auf jede Entwicklung reagieren zu können. Sofort beginnen sie mit der Aufklärung: Wetter, Gelände, Feind, Zustand der Geiseln – jede Information trägt dazu bei, den richtigen Zeitpunkt für die Befreiung zu bestimmen. Dabei ist die Zusammenarbeit mit den lettischen Spezialkräften besonders wertvoll: Durch ihre detaillierten Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Lagebild und Planung.

Detail um Detail wird akribisch ausgewertet, auch die kleinste Information findet sich in der Einsatzplanung wieder: Mögliche Eindringstellen werden identifiziert, Sprengladungen auf das Gramm genau berechnet und Taktiken und Techniken ständig an eingehende Informationen angepasst.

Ihr Vorgehen spielen die Soldaten vor dem Einsatz mehrmals durch, bis jeder Handgriff sitzt. An der Befehlsausgabe nehmen grundsätzlich alle Beteiligten teil, damit jeder den Ablauf und die dazugehörigen Notfallplanungen kennt. Nur so können alle flexibel auf plötzliche Änderungen der Bedingungen reagieren und so im Sinne des Ganzen handeln.


Es gibt nur einen Versuch

Alles muss passen: Im Ernstfall gibt es keinen zweiten Versuch.

Alles muss passen: Im Ernstfall gibt es keinen zweiten Versuch.

Foto: © Bundeswehr

Die letzten Vorbereitungen sind abgeschlossen, der Anmarsch zum Zielobjekt beginnt. Im Gefechtsstand koordiniert der Kommandeur des Einsatzverbandes alle Mittel und Kräfte, damit das Timing stimmt. Schließlich gibt es bei einer Geiselbefreiung nur einen einzigen Versuch.

Vor Ort haben die Trupps ihre Sturmausgangsstellung erreicht. „Übung oder Realität macht aufgrund unseres täglichen Trainings keinen Unterschied”, beschreibt Oberfeldwebel M. den Moment vor dem Sturm. „Kurz bevor es losgeht, gehst du noch einmal alles durch und konzentrierst dich voll auf deine Aufgabe. Die Abläufe sind dann fast automatisiert. Die ständige Schießausbildung im Vorfeld sorgt dafür, dass man den Kopf für andere Dinge frei hat.”

So wird dann auch der Geiselnehmer mit der Waffe im Anschlag blitzschnell bekämpft, um eine Bedrohung für die Soldaten und die Geiseln im Haus auszuschließen. Das Haus wird in wenigen Minuten eingenommen und gesichert, die Geiseln werden befreit.

Einer der Soldaten wurde verwundet, und eine Geisel befindet sich wegen einer Vorerkrankung in kritischem Zustand. Beide werden sofort von den sogenannten Medics, auf Notfallmedizin spezialisierten Kommandosoldaten, erstversorgt und schließlich an den luftbeweglichen Arzttrupp (LBAT) übergeben und evakuiert.


Üben, Auswerten, Lehren ziehen

Nach der Rückkehr nach Deutschland geht für die Soldaten des KSK die Übung in die nächste Runde. Es folgt die Auswertung. Was hat funktioniert? Wo hat es gehakt? Welche Erfahrungen können wir in Einsatzgrundsätze umsetzen? Welche Lehren ziehen wir für die Ausbildung daraus?

In den nächsten Übungen der Black Star-Reihe sollen die gewonnenen Erkenntnisse bereits umgesetzt werden. Schließlich geht es für die Soldaten des KSK darum, ihre Fähigkeiten ständig zu verbessern, um für den Ernstfall gerüstet zu sein und deutsche Staatsbürger wieder nach Hause zu holen. 

Autor: Anika Wenzel

Die Übung Black Star in Bildern.