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Mach, was wirklich zählt.

Ein Scharfschütze bei der Geländeüberwachung im Schnee
3 Soldaten erklimmen auf Skiern den schneebedeckten Berg in der Nacht.

Aufstieg bei Nacht

Foto: © Bundeswehr / Schmidt

Ungesehen in Schnee und Eis

Wer mal eben schnell Schießen gehen und dann wieder ins Warme will, der ist bei den Scharfschützen fehl am Platz. Eine gewisse Leidensfähigkeit gehört zum Beruf dazu. Die acht vollgepackten Soldaten steigen auf schmalen Pfaden immer höher den Berg hinauf. Was am Fuß des Berges noch als Regen auf sie niederging, fällt weiter oben in dicken, nassen weißen Flocken aus dem Nachthimmel. Für die acht Scharfschützen auf ihren Tourenskiern schwierige Bedingungen, denn sie sollen die nächsten 48 Stunden auf dem Berg unter freiem Himmel verbringen. Doch sie lassen sich nicht von den äußeren Bedingungen beirren. Das ist Bedingung für einen guten Scharfschützen.

"Leiden kann man lernen"

Truppführer Oberstabsgefreiter Frederic P. beschreibt die hohen Anforderungen an einen Scharfschützen: "Er muss psychisch und physisch belastbarerer sein als andere, hat mehr Gepäck dabei als andere. Es wird mehr verlangt von einem. Aber je öfter man das macht, desto leichter fällt es einem. Leiden kann man lernen", schließt der 27-Jährige mit einem Schmunzeln. Das Ziel ist ein Kamm oberhalb eines Plateaus. Das soll am folgenden Tag Treffpunkt von zwei gesuchten Separatistenführern werden. Die Scharfschützen haben den Auftrag, das Treffen von oberhalb zu beobachten und beim geplanten Zugriff Fluchtversuche zu unterbinden. Nach Stunden erreichen die Soldaten das über 1.000 Meter höher liegende Gebiet, von wo aus sie einen guten Blick auf das Treffen haben werden.

Einsatz im Team

Ein Soldat liegt mit Waffe In seiner Stellung und zielt

In Stellung

Foto: © Bundeswehr / Schmidt

Sofort erkunden sie die Stellungen. Eineinhalb Meter hoch hat sich der Schnee hier aufgetürmt. Das G22-Scharfschützengewehr und das Monokular tarnen die Soldaten sorgfältig ab. Keine Kanten, keine symmetrischen Linien dürfen zu sehen sein. Als die Scharfschützen fertig sind und in ihrer Stellung liegen, scheinen sie mit ihrer Umgebung zu verschmelzen. Nichts weist mehr auf die Zweimanntrupps hin. "Bei uns Scharfschützen ist es üblich, dass wir im Team arbeiten: ein Schütze und ein Spotter. Der Spotter ist dafür zuständig, die ganzen Angaben zu ermitteln, die der Schütze braucht, um seine Justierungen vorzunehmen", erläutert Frederic P., als er sich für eine kalte Nacht in seiner Stellung einrichtet. Noch vor Sonnenaufgang hört es auf zu schneien. Es klart auf – und am nächsten Morgen ist der Himmel wolkenlos und tiefblau. Die Scharfschützen in der Stellung am Hang rühren sich kaum. Sie beobachten, ermitteln Entfernungen, messen Windstärken und warten geduldig darauf, dass die Separatisten eintreffen.

Ein Schuss genügt

Das Treffen selbst läuft dann ganz anders, als es die Anführer der bewaffneten Rebellengruppen erwartet hatten. Schon kurz, nachdem sie auf dem Plateau angekommen sind, erfolgt der Zugriff. Einer der beiden Separatisten lässt sich widerstandslos festnehmen, der andere jedoch versucht, zu fliehen. Die Scharfschützen in ihren Stellungen reagieren sofort und geben genau einen einzigen Schuss ab. Der Rebellenführer bricht am Bein getroffen zusammen und kann von den Gebirgsjägern ebenfalls festgenommen werden. Doch die bewaffneten Rebellengruppen reagieren mit einer Offensive auf die Soldaten auf dem Kamm. Die Gebirgsjäger auf dem Plateau mit den festgenommenen Anführern und die Scharfschützen am Gebirgskamm müssen ausweichen. Der Weg hinab ist nicht weniger anstrengend als der Aufstieg. Glatte und schmale Pfade fordern volle Aufmerksamkeit von den Soldaten. Am Ende der Übung steht für alle das Fazit: Auftrag erfüllt – und wieder ein wenig Leiden dazugelernt.

 

Autor: Anika Wenzel

Scharfschützen-Übung: Ungesehen im Schnee