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Mach, was wirklich zählt.

Kampfjet startet auf dem Flugfeld
Ein Tornado steht in der Morgendämmerung

Tornado kurz vorm Start

Foto: © Bundeswehr /Jirka Ohk

Up in the Sky – Die Tornado-Piloten

Der Tornado ist vorbereitet und steht aufgetankt bereit. Fehlt nur noch die Crew, um ins Einsatzgebiet zu fliegen und für die Operation Inherent Resolve Aufklärungsbilder über Syrien und dem Irak zu machen. Doch dazu ist eine gute Vorbereitung der Besatzungen und der Frauen und Männer der Einsatzstaffel notwendig.

Im ersten Teil dieser Serie habe ich mir angeschaut, wie professionell die Tornado-Techniker die deutschen Tornados für die Einsatzflüge vorbereiten. Heute und morgen hänge ich mich an die fliegenden Besatzungen und schaue mir als Presseoffizier des deutschen Kontingents „Counter Daesh“ an, wie die Männer ihren nächsten Flug ins Einsatzgebiet vorbereiten.
Der Zeitpunkt könnte kaum passender sein. Vor fast genau einem Jahr sind die ersten Tornados von der Luftwaffenbasis Incirlik gestartet, um mit ihren Aufklärungsergebnissen die internationale Koalition zu unterstützen. Eine gute Gelegenheit, die Jungs und Mädels der Einsatzstaffel zu begleiten. Eine Tornado-Besatzung besteht immer aus einem Piloten und einem Waffensystemoffizier, der hinten im Cockpit sitzt und sich unter anderem um die Navigation kümmert. Jeder Einsatzflug besteht aus einer „Two-Ship“, was bedeutet, dass immer zwei Tornados einen Auftrag gemeinsam fliegen. Das hat den Hintergrund, dass so stets zwei Tornados Fotos von den Aufklärungsgebieten machen und dadurch die Chance auf verwertbare Bilder erhöht wird. Der viel wichtigere Aspekt ist jedoch die Sicherheit. Muss sich eine Besatzung beispielsweise über feindlichem Gebiet aufgrund eines technischen Defekts per Schleudersitz rausschießen, kann der zweite Tornado über der Absturzstelle kreisen, notwendige Rettungsmaßnahmen einleiten und die „gestrandete“ Besatzung am Boden schützen. „Ja, es ist immer gut, einen Buddy dabei zu haben“, denke ich mir.

Die Tornadobesatzungen

Zwei Piloten mit ihrer Ausrüstung

Vorbereitung ist alles

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Ich treffe mich mit den vier Besatzungsmitgliedern, die heute im mobilen Gefechtsstand die Aufklärungsflüge planen. Sie tragen, im Gegensatz zu den meisten anderen Soldaten in Incirlik, die Fliegerkombi. Der mobile Gefechtsstand ist ein Verbund aus mehreren Containern. Jeder dieser Container hat seinen eigenen Zweck und die darin arbeitenden Soldaten sind auch genau für diesen Zweck ausgebildet. Es ist wie bei einem Puzzle: Jedes Teil ist für das gesamte Bild wichtig. Fehlt eines, ist das gesamte Puzzle nichts wert.

Innerhalb dieses mobilen Gefechtsstandes herrscht Fotografierverbot. Viele der Informationen und Arbeitsunterlagen darin unterliegen der Vertraulichkeit. Genauso sieht es mit dem Großteil des Personals aus. Die Besatzungsmitglieder dürfen – auch aus Sicherheitsgründen – nicht auf Fotos erkennbar sein. Das macht meine Arbeit nicht leichter, aber Sicherheit geht nun mal vor. Zumindest kann ich einzelne Fotos zu Anschauungszwecken machen.


Aufträge aus Katar

Ein Soldat am Schreibtisch

Arbeitsplatz im Einsatz

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Hauptmann Fabian L., ein Pilot, erklärt mir die einzelnen Arbeitsabläufe. Zuerst gehen wir in den separaten Bereich der GES (Ground Exploitation Station). Die GES ist die Zelle, in der die Luftbilder ausgewertet werden. Außerdem erhält die GES, die Aufklärungsaufträge vom CAOC (Combined Air Operation Center) aus Katar. Das CAOC ist das Zentrum, in dem alle Luftoperationen der internationalen Koalition organisiert und koordiniert werden.

Der Leiter der Luftbildauswertung, Hauptmann Stefan S., erklärt mir, dass die Koordinaten der anzufliegenden Objekte aus Katar im Vorfeld an die GES übermittelt werden. „Sobald wir die Liste erhalten, setze ich mich mit dem Flugdienstleiter und der Wetterberatung zusammen. Dann besprechen wir, wie und wann wir die einzelnen Aufträge abarbeiten können. Das richtet sich natürlich nach dem Wetter und auch nach der Priorität der einzelnen Aufträge.“


Unterwegs müssen wir tanken

Währenddessen arbeiten die beiden Waffensystemoffiziere bereits an der Flugroute für ihren morgigen Einsatzflug. Dafür müssen sie gewisse Zeitfenster einhalten. Es ist abzusehen, dass der Treibstoff nicht für Hin-und Rückflug reichen wird. Die zwei Tornados müssen also in der Luft betankt werden. Leider ist das nicht so einfach wie beim Autofahren, wo man einfach an die nächste Tankstelle fährt, wenn sich die Tanknadel in den roten Bereich bewegt. „Wir stellen die Anfrage für einen Tanker bereits im Vorfeld. Fürs Tanken selbst bleibt uns nur ein kleines Zeitfenster, denn er steht ja nicht nur uns, sondern allen Nationen der Koalition zur Verfügung“, erklärt Phillip M., ebenfalls Waffensystemoffizier.


Das Wetter spielt mit

Soldaten vor den Computern

Offiziere am Computerarbeitsplatz

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Zusammen mit Pilot Fabian gehe ich den Container, in dem Oberleutnant Lisa Z. die Besatzungen in Sachen Wetter berät und unterrichtet. „Morgen gibt es keine Einschränkungen“, während sie auf ihren Bildschirmen die aktuelle Wetterlage zeigt.
Alles nochmal genau durchsprechen
Am nächsten Tag geht es weiter. Zwei Stunden vor dem Start werden die beiden Besatzungen nochmal über die aktuelle Sicherheitslage im Einsatzgebiet unterrichtet. Anschließend gibt Oberleutnant Lisa Z. ein letztes Wetter-Update. An der guten Wetterlage hat sich nichts geändert – es kann planmäßig losgehen.
Anschließend besprechen die vier Besatzungsmitglieder in einem separaten Container noch einmal ganz detailliert jeden Schritt ihres bevorstehenden Fluges.

Wenn man schon mal gehört hat, wie sich zwei Ärzte fachlich unterhalten, kann man sich das ungefähr vorstellen. Der Laie versteht hier nur „Bahnhof“.


Soldaten nehmen Ihre Ausrüstung hinter einem Tresen entgegen

Piloten beim Ausrüstungsempfang

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Empfang der Ausrüstung

Danach geht es für die vier Flyer zum Container der Flugausrüstung. Hier erhalten sie von Stabsunteroffizier Danijar D. das Material, was sie unterwegs benötigen: Ihren Helm, die Anti-G-Hose, die dafür sorgt, dass bei hohen Fliehkräften das Blut nicht in die Extremitäten absackt, eine Pistole P8 mit dazugehöriger Munition und weitere Dinge, die im Notfall helfen.

Letzte Station: Flugdienstleiter
Letzte Station, bevor es raus an den Flieger geht, ist der Einsatzoffizier. Er leitet den Flugdienst und bespricht mit den beiden Crews nochmal grob den Auftrag. Am Ende wünscht er ihnen einen erfolgreichen Flug.


Piloten beim Jet

Pilot und WSO auf dem Weg zum Tornado

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

 Ab zu den Tornados

Jetzt geht es raus aus den Containern. Draußen wartet schon Stabsgefreiter Robert P. mit seinem Kleinbus. Wir steigen ein und machen uns auf den Weg zu den beiden Kampfjets.
An den Tornadozelten angekommen übergeben die Techniker den Besatzungen die Luftfahrzeuge. Pilot und Waffensystemoffizier machen sich anschließend noch mal ein eigenes Bild beim „Rund-um-Check“. Erst danach steigen sie in ihre Cockpits.




Soldaten stehen neben dem Tornado

Letzter Check vor dem Start

Foto: © Bundeswehr / Stephan Jeglinski

Die Startfreigabe folgt

Sie fahren die Systeme hoch und arbeiten weitere Checks ab. Techniker schnallen die beiden Besatzungen an und machen die Maschinen von außen startklar. Das alles dauert etwa 40 Minuten. Dann kommt auch schon die Startfreigabe vom Tower. Sie rollen los zur Startbahn.
Ich stehe mit meiner Kamera am Ende der Startbahn und beobachte, wie die beiden Tornados wenige Minuten später abheben. Nur kurze Zeit später verschwinden sie am Horizont. Guten Flug Jungs, „many happy landings“ und kommt heil zurück!

Autor: Stephan Jeglinski