Mach, was wirklich zählt.

Modifizierter VW Touareg, ausgestattet mit rechnergesteuerter Aktorik und Sensorik.
Autonomes Fahren 1.0: Prof. Dieckmanns leistete mit dem „VaMoRs“, einem mit Kameras ausgestatteten Kleinbus, Pionierarbeit.

Autonomes Fahren 1.0: Prof. Dieckmanns leistete mit dem „VaMoRs“, einem mit Kameras ausgestatteten Kleinbus, Pionierarbeit.

Foto: © Bundeswehr

DIE WIEGE DES AUTONOMEN FAHRENS STEHT IN NEUBIBERG

Den ersten Prototypen eines komplett für autonomes Fahren designten Autos stellte Google 2014 im sonnigen Kalifornien vor. Während aber heute das autonome Auto, das selbstständig seinen Weg findet, während die Insassen Zeitung oder E-Mails lesen, in aller Munde ist, wissen die wenigsten: Bereits seit 1985 wird an der Universität der Bundeswehr in München an dieser Technik, in die praktisch alle großen Hersteller große Hoffnung setzen, intensiv geforscht.

Wegbereiter war Prof. Dr.-Ing. Ernst Dieckmanns, der mit dem „Versuchsfahrzeug für autonome Mobilität und Rechnersehen“ (VaMoRs) schon 1987 erste autonome Fahrten auf einer abgesperrten Autobahn durchführte. Der mit Kameras ausgestattete Mercedes-Passagierbus konnte das Geschehen vor und hinter dem Auto erfassen.

Autonomes Fahren 2.0: Ein Mercedes SEL 500 aus dem Projekt „Prometheus“.

Autonomes Fahren 2.0: Ein Mercedes SEL 500 aus dem Projekt „Prometheus“.

Foto: © Bundeswehr

BEREITS 1994 RUND 1000 KM IM ÖFFENTLICHEN VERKEHR

Unter dem Projektnamen „Prometheus“ wurden 1994 zwei Mercedes SEL 500 mit zahlreichen Hochleistungskameras und Computersystemen als zweite Generation ausgerüstet. Bis zur Ausmusterung 2006 wurde damit auf dem Gebiet des autonomen Fahrens Bemerkenswertes geleistet: So fuhr einer der Wagen 1994 rund 1000 km im öffentlichen Straßenverkehr – auf dreispurigen Autobahnen bei Paris! Eine Testperson kontrollierte bei diesen autonomen Fahrten lediglich die Funktionsfähigkeit der Systeme. Bei Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h wurden Konvoi-Fahrten mit automatischer Abstandhaltung sowie autonome Überholmanöver erfolgreich getestet.

Der Höhepunkt des Forschungsprojektes war 1995 eine rund 1.700 km lange Fernfahrt von München nach Kopenhagen. Der Versuchswagen fuhr selbstständig mit bis zu 175 km/h. Die längste Strecke, die das Auto ohne menschlichen Eingriff am Stück zurücklegte, betrug knapp 160 km.


In dritter Fahrzeuggeneration forscht Prof. Dr.-Ing. Wünsche am autonomen Fahren und nutzt dazu einen VW Touareg, das MuCAR-3.

In dritter Fahrzeuggeneration forscht Prof. Dr.-Ing. Wünsche am autonomen Fahren und nutzt dazu einen VW Touareg, das MuCAR-3.

Foto: © Bundeswehr

SO ENTWICKELT SICH AUTONOMES FAHREN HEUTE

Als Nachfolger von Prof. Dieckmanns entwickelt mittlerweile Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim Wünsche am Institut für Technik Autonomer Systeme selbstständige mobile Roboterplattformen. Derartige Systeme sollen zum Beispiel in die Lage versetzt werden, auf sich gestellt in unbekannter, unstrukturierter Umgebung zu navigieren und explorative Aufgaben zu bewältigen. Als Demonstrationsplattform wird ein modifizierter VW Touareg genutzt, der mit rechnergesteuerter Aktorik und Sensorik ausgestattet ist, und auf den Namen MuCAR-3 (Munich Cognitive Autonomous Car) hört.

Die Forschung zur Wahrnehmung konzentriert sich dabei auf eine agile, multifokale Kameraplattform als Hauptsensor, unterstützt durch einen hochauflösenden 360-Grad-Laserscanner auf dem Dach des Fahrzeugs. Zusammen ermöglichen beide Sensoren die algorithmische Erkennung befahrbaren Untergrunds sowie missionsrelevanter Objekte.

Einige der am Institut entwickelten Methoden konnten bereits Erfolge für sich verbuchen: Auf der von der amerikanischen Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) veranstalteten „Urban Challenge“ sowie auf dem europäischen, zivilen Gegenstück, dem European Land-Robot Trial (ELROB), fuhr das MuCAR-3 ganz vorne mit. So konnten die auf den Rennen zwischen autonomen Roboterfahrzeugen demonstrierten Fähigkeiten bereits in mehrere militärische Forschungsprojekte integriert werden. Dazu gehören unter anderem eine visuelle Spurverfolgung auf Feldwegen und markierten Straßen sowie eine lasergestützte Befahrbarkeitsanalyse und Objektverfolgung.