Mach, was wirklich zählt.

Fregatte Hessen liegt im Trockendock
An Bord überprüft Katharina Feustel, Ingenieurin der Elektrotechnik, Details zu einem Auftrag

An Bord überprüft Katharina Feustel, Ingenieurin der Elektrotechnik, Details zu einem Auftrag

Foto: © Bundeswehr / Tobias Kliesing

Instandsetzungsmanagement im Marinearsenal

Das Marinearsenal in Wilhelmshaven gehört zum Geschäftsbereich des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr. Hier werden Schiffe, Boote und Landanlagen instandgesetzt. Das Instandsetzungsmanagement ist vom Docken über die Fertigstellung der Instandsetzung bis hin zur Übergabe zurück an die Marine verantwortlich. Technische Regierungsamtfrau Katharina Feustel ist Ingenieurin der Elektrotechnik und arbeitet als Sachbearbeiterin für Antriebs- und Elektrotechnik im Aufgabenfeld 113. 

Zu diesem Bereich zählen die planmäßigen und außerplanmäßigen Instandsetzungsarbeiten von Fregatten und Korvetten. Die Ingenieurin hat hier von ihrem Büro aus das gesamte Geschehen auf dem Gelände des Marinearsenals im Blick. Durch ihr Fenster kann sie die Schiffe sehen, für deren Instandsetzung sie verantwortlich ist. Auch wenn der Weg zum Schiff nicht allzu weit ist, erhält sie ihre Aufträge online in einer speziellen Datenbank.

1000 Aufträge sind keine Seltenheit

Technische Regierungsamtfrau Katharina Feustel erhält einen neuen Auftrag

Technische Regierungsamtfrau Katharina Feustel erhält einen neuen Auftrag

Foto: © Bundeswehr / Tobias Kliesing

Anträge zur Instandsetzung von defekten Anlagen und Geräten werden direkt von Bord der Schiffe verschickt. Notwendig ist dazu ein Materialerhaltungsantrag. Er wird durch das Bordkommando auf der Fregatte erstellt. Der Objektoffizier prüft den Auftrag und leitet ihn weiter. Feustel bekommt die Aufträge im Bereich der Antriebs- und Elektrotechnik dann wenig später auf ihrem Bildschirm angezeigt.

„Bei einer turnusmäßigen Instandsetzung einer Fregatte kommen so leicht 1000 Aufträge zusammen“, sagt Feustel. Jeder Antrag enthält eine genaue Leistungsbeschreibung, in der sämtliche notwendige Informationen über das defekte Material enthalten sein müssen. Anhand der Störungsbeschreibung gewinnt Feustel ein genaues Fehlerbild. „Bekomme ich nicht ausreichende Angaben geliefert, setze ich mich mit dem Bordkommando oder dem Objektoffizier in Verbindung“, ergänzt sie.

An Bord mit dem Antriebsoffizier

Der genaue Umfang der Arbeiten und die Kosten müssen kalkulierbar sein. Dies gilt insbesondere bei sehr komplexen Aufträgen, beispielsweise einem defekten Getriebe. „Dann muss ich mir an Bord einen genauen Überblick über das Schadensbild verschaffen. Gegebenenfalls muss das Getriebe geöffnet werden. Damit die Industrie die Kosten kalkulieren kann, muss ich die dazugehörigen Arbeiten genau beschreiben“, beschreibt Feustel ihre komplexe Arbeit.

Mit Sicherheitshelm und festen Schuhen ausgestattet verlassen wir kurz darauf das Büro und machen uns auf den Weg zum Schwimmdock. Ich möchte gerne vor Ort erfahren, was Feustel an Bord einer Fregatte alles tun muss, damit sie später einen Instandsetzungsauftrag schreiben kann.

Kapitänleutnant Matthias Christern, der Antriebsoffizier der Fregatte, nimmt uns gleich nach der Ausweiskontrolle in Empfang. Als Antriebsoffizier ist er für die gesamte Antriebsanlage verantwortlich und stellt somit sicher, dass das Schiff jederzeit fahrbereit ist. Derzeit koordiniert er sämtliche Instandsetzungsarbeiten der Antriebstechnik, und bildet zudem Soldaten im Bereich „Schiffsantrieb“ aus.

Antriebsoffizier Kapitänleutnant Matthias Christern zeigt Katharina Feustel einen Defekt an Bord

Antriebsoffizier Kapitänleutnant Matthias Christern zeigt Katharina Feustel einen Defekt an Bord

Foto: © Bundeswehr / Tobias Kliesing

Am Schiff angekommen, gehen wir gleich die enge Treppe zum Maschinenraum hinunter. Unzählige Kabel, Luftschläuche sowie Material für die Reparaturarbeiten machen den Weg beschwerlich. Wir müssen ständig aufpassen, dass wir uns nicht den Kopf stoßen. Ein paar Etagen tiefer zeigt mir dann die Ingenieurin, was alles bei der Fregatte zum Bereich Antriebs- und Elektrotechnik gehört.

Zur Antriebstechnik zählen neben vielen weiteren Komponenten die Gasturbine, die Antriebsdieselmotoren, die Antriebswellen, das Getriebe und die Propeller. „Kraftstoffpumpen sowie Kraftstoffreiniger sind ebenfalls Bestandteil der Antriebstechnik“, teilt mir Feustel mit. Auch die Stromversorgung der Maschinen und Pumpen mit Hilfe von Stromerzeugungsaggregaten fallen auch in den Zuständigkeitsbereich der Ingenieurin.

Es ist kaum zu glauben, dass die Fregatte schon in wenigen Tagen das Marinearsenal wieder verlassen wird. Überall wird noch mit Hochdruck gearbeitet und ich bin beeindruckt vom großen Aufgabenspektrum der Ingenieurin, von der Instandsetzung einer kleinen Pumpe bis zum kompletten Wechsel der Hauptmaschine. Nicht selten handelt es sich um äußerst komplexe Vorgänge, die einen hohen Koordinationsaufwand erfordern.

Ihre Kompetenz in dem Gebiet stellt Feustel bereits seit 2011 unter Beweis. Seitdem ist sie für ihr Fachgebiet allein verantwortlich und meistert ihre Aufgabe bravourös. „Auch diesmal läuft wieder alles planmäßig und die Fregatte wird bald wieder in See stechen“, ergänzt die Ingenieurin. 

Meine Arbeit ist für mich was ganz besonderes!

Nach einer Stunde verlassen wir das Schiff auch schon wieder. Auf dem Weg zurück teilt mir die Ingenieurin mit, was sie an ihrem Job so beeindruckend findet: „Ich habe hier die Möglichkeit, neben meiner Arbeit am Computer auch auf den großen Schiffen der Bundeswehr zu arbeiten. Die Nähe zu den Schiffen macht meine Arbeit sehr praxisnah. Für mich ist es ein besonders schönes Gefühl, wenn ein Schiff nach erfolgter Instandsetzung das Marinearsenal wieder in einem Topzustand verlässt“.