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Künstliche Intelligenz im Alltag
Zukunftsvision künstliche Intelligenz

Zukunftsvision künstliche Intelligenz

Foto: © Y/C3

SO BEEINFLUSST KÜNSTLICHE INTELLIGENZ UNSERE ZUKUNFT

Sich mit dem Smartphone unterhalten? Ganz normal. Cortana oder Siri verstehen meist sogar, was der Nutzer von ihnen will. Suchmaschinen im Internet sind erst recht nicht mehr wegzudenken. In neueren Autos übernehmen Bordcomputer auf Wunsch die Steuerung, Shoppingseiten generieren Kaufvorschläge aufgrund angeschauter und bestellter Produkte. Und jüngst schlug AlphaGo, eine von Google programmierte künstliche Intelligenz, erstmals einen menschlichen Spieler in „Go“, einem komplexen, in Asien verbreiteten Brettspiel.


DIE VISIONEN VON DAMALS SIND HEUTE SCHON ALLTAG

Schon die griechische Antike malte sich künstliche Wesen mit menschlichem Intellekt aus. Auch die Vorstellung von lebenden Maschinen lässt sich in der Literatur bereits seit Jahrhunderten finden. In den 1950er-Jahren entstand in den USA das Forschungsgebiet der künstlichen Intelligenz (KI). Die Wissenschaftler, vor allem Informatiker, verfolgten anfangs noch das Ziel, ein artifizielles Gehirn zu programmieren. Die Software sollte zu menschlicher Wahrnehmung und menschlichem Handeln fähig sein. Mittlerweile hat die Realität die Einbildungskraft aber eingeholt, Technologien beeinflussen mit künstlicher Intelligenz heute schon den Alltag.

Auch an der Universität der Bundeswehr in München wird zum Thema KI geforscht. Prof. Dr. Stefan Pickl (48) arbeitet dort beim Institut für Theoretische Informatik, Mathematik und Operations Research und gibt einen Einblick in sein Fachgebiet.

Prof. Dr. Stefan Pickl

Prof. Dr. Stefan Pickl

Foto: © Bundeswehr


Hallo, Herr Pickl. An welchen Projekten arbeiten Sie im Moment?

„Mein Team und ich analysieren derzeit Terroranschläge nach bestimmten Mustern. Unser Ziel ist es, Lösungen zu finden, um solche Attacken zu vermeiden – mithilfe von KI-Technologie. Zudem arbeiten wir zusammen mit IBM und behandeln in gemeinsamen Seminaren den selbstlernenden Computer Watson.“

Gibt es noch weitere KI-Projekte, an denen in München geforscht wird?
„Ja, die Uni ist in vielen Bereichen aktiv: Wir forschen unter anderem in den Bereichen Robotik und Satelliten- und Kommunikationstechnologie. Aber auch Cyber Security und autonomes Fahren sind wichtige Forschungsgebiete.“

Warum passiert gerade jetzt so viel auf diesem Gebiet?
„Zum einen ist die Technik nun weit genug fortgeschritten, zum anderen fallen durch die weltweite Vernetzung und Digitalisierung mittlerweile extrem viele Daten an. Ohne KI ist deren Handhabung und Auswertung, zum Beispiel zu Forschungszwecken, überhaupt nicht möglich. Menschen können solche Massen nicht schnell genug sortieren und auch nicht alle möglichen Verknüpfungen der Daten untereinander überblicken.“

Gehen von KI-Technologien Risiken aus?
„Natürlich sind auch bedenkliche Entwicklungen möglich. Beispielsweise könnten Krankenkassen ihre Mitglieder über Fitness-Tracker überwachen lassen. Wer sich dann zu wenig bewegt, wird von bestimmten Leistungen ausgeschlossen. Man sollte den moralischen Aspekt immer berücksichtigen und sich die Frage stellen: Was für gesellschaftliche Auswirkungen kann eine neue Technologie haben?“

Wo werden wir denn den ersten großen Umbruch erleben?
„Unsere Fortbewegungsmittel werden sich stark verändern: Autos, Busse, Züge – selbst Flugzeuge – steuern sich in wenigen Jahrzehnten selbst.“

Inwieweit ist Ihre Forschung relevant für die Bundeswehr und konkrete Einsätze?
„Wir konzipieren für Führungskräfte neue Lehrgänge im Bereich moderner Entscheidungsunterstützung, in die Aspekte von KI zentral mitaufgenommen werden.“

Vielen Dank, Herr Pickl.