Soldat mit Waffe im Anschlag

Hauptgefreiter Kais beim Beobachtungshalt

Foto: © Bundeswehr / Uli Reinecke

Aufklärer im Heer: Bis zu zwei Wochen unter der Erde

Das Gesicht ein Mix aus grüner, brauner und schwarzer Farbe, das Gewehr G36 vor der Brust, bis zu 50 Kilogramm Ausrüstung am Körper. Hauptgefreiter Andreas Kais (24) ist Aufklärer in einem leichten Spähtrupp. Er hat sich als Soldat auf Zeit für vier Jahre in der Mannschaftslaufbahn beim Aufklärungsbataillons 8 in Freyung im Bayrischen Wald verpflichtet. Die Soldaten aus Bayern gehören zur Heeresaufklärungstruppe.

„Der Auftrag unseres sechs Mann starken Spähtrupps ist, einen Gegner im Einsatz auszuspähen und taktisch wichtiges Gelände und Objekte zu beobachten. Unsere Beobachtungsergebnisse melden wir, so werden wichtige Informationen für die eigenen Kräfte gewonnen“, erklärt der 24-jährige Zeitsoldat Hauptgefreiter Andreas Kais.

Sein Weg ins Heer: Nach dem Abschluss der Hauptschule hatte Kais seine dreijährige Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht. Dann kam er im Januar 2009 als freiwilliger Zeitsoldat zur Bundeswehr. „Die dreimonatige allgemeine Grundausbildung habe ich in Freyung gemacht“, so Kais. Es folgte ein Lehrgang für Richtschützen für die Granatmaschinenwaffe (Kaliber 40 Millimeter) an der Infanterieschule

Aufklärer müssen körperlich topfit sein

Soldat mit Gewehr G36 und Gepäck

Reichlich bepackt - bis zu 50 Kilogramm Ausrüstung sind dabei

Foto: © Bundeswehr / Uli Reinecke

Erhalten die Aufklärer einen Auftrag, geht es zumeist mit dem Dingo, ihrem gepanzerten Transportfahrzeug, zum Ausgangspunkt: „Von dort nähern wir uns zu Fuß, meist über mehrere Kilometer, unserem Beobachtungspunkt.“ Zwei Mann bleiben, je nach Dauer des Auftrages, am Fahrzeug. In unbekanntem Gelände und unter Einsatzbedingungen müssen die Aufklärer selbst unentdeckt bleiben, um nicht angegriffen zu werden. „Die für den Auftrag wichtige Ausrüstung wie Nachtsichtgeräte, Restlichtverstärker und Funkgeräte müssen wir ebenso mitführen wie unsere Waffen, Munition und Verpflegung. Da kommen leicht 30 bis 50 Kilo Ausrüstung für jeden zusammen“, erklärt Kais.

Bis zu 50 Kilogramm Ausrüstung am Mann – dabei nicht entdeckt zu werden, erfordert Kraft, Ausdauer und echte körperliche Fitness, aber auch mentale Stärke – der Kopf muss mitspielen. Kais betreibt neben dem Sport während der Dienstzeit dreimal wöchentlich intensives Krafttraining.

Auch im Einsatz war der Zeitsoldat schon, in einer gemischten Aufklärungskompanie in Afghanistan. Die umfangreiche Ausbildung für den Einsatz dauerte für den Hauptgefreiten insgesamt elf Wochen. „Wir haben auf verschiedenen Truppenübungsplätzen geübt, unter anderem im Gefechtsausbildungszentrum Letzlingen, dem modernsten Übungszentrum für Bodentruppen in Europa“, so Kais.

Jederzeit aufeinander verlassen können

Soldaten beim Füllen von Sandsäcken

Schweißtreibende Arbeit

Foto: © Bundeswehr / Uli Reinecke

„Der Auftrag kann es erfordern, ein Beobachtungsversteck für den Trupp auszubauen und für mehrere Tage dort zu bleiben“, erklärt der Vorgesetzte von Andreas Kais, sein Truppführer Oberfeldwebel Steve Köhler (25). Ein solches Beobachtungsversteck müsse der Aufklärer mühsam bei Nacht bauen und tarnen, damit der Gegner es nicht aufklären könne. Dazu muss der Soldat eine Grube ausheben, die er dann, je nach Gelände, mit Baumstämmen, Ästen, Erde und Gras abdeckt und damit perfekt tarnt. „Wir beobachten, essen, leben und schlafen im Extremfall bis zu zwei Wochen im Einsatz unter der Erde“, erzählt Kais. „Das schweißt zusammen. Einer muss sich auf den anderen jederzeit verlassen können, davon kann im Einsatz unser Leben abhängen“, erklärt der gelernte Einzelhandelskaufmann die Besonderheit seiner Verwendung. „Wir sind Kameraden, das findet man in keinem Beruf sonst so ausgeprägt“, ist Kais überzeugt.

Leben im Versteck

Soldat beobachtet aus einem verdeckten Bereich

Hauptgefreiter Kais beobachtet aus dem Versteck

Foto: © Bundeswehr / Uli Reinecke

Ist das Versteck fertig, beobachten die Aufklärer ungesehen mit ihren hochauflösenden Teleobjektiven und Spezialfernrohren. Wie in einem Fuchsbau leben und schlafen die Männer in ihrem Versteck. „Unsere Beobachtungen meldet der Truppführer über Funk“, erzählt der Hauptgefreite. So können taktisch wertvolle Informationen über einen möglichen Gegner gewonnen werden. Ziel ist es dabei, immer Informationen zu gewinnen ohne Feindberührung zu haben. Die Soldaten des Aufklärungsbataillons haben ihre Arbeit dann gut gemacht, wenn später niemand weiß, dass sie jemals da waren.

Jederzeit wieder

Noch während seiner Dienstzeit strebt Kais eine Weiterbildung zum Wirtschafts- oder Handelsfachwirt in der Abendschule an. Der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr unterstützt die Ausbildung. „Mein Ziel ist es, später die Ausbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt abzuschließen. Auf meine Erfahrungen als Zeitsoldat und im Einsatz möchte ich nicht verzichten. Ich würde jederzeit wieder Aufklärer beim Heer werden“, versichert Hauptgefreiter Andreas Kais, Zeitsoldat beim Aufklärungsbataillon 8 in Freyung.