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Ausbildung in neuer Dimension

Panzer und Soldaten marschieren auf Straße.
3 Schützenpanzer vor einem Gebäude.

Die neu geschaffene Umgebung gibt der Ausbildung eine ganz neue Dimension.

Foto: © Bundeswehr / Sarah Mechenich

Schnöggersburg: Ausbildung in neuer Dimension

Schüsse sind zu hören. Woher sie kommen, ist schwer zu lokalisieren. In engen Straßenzügen und an unzähligen Gebäuden bricht der Schall – tausendfach. Das ist nur eine von vielen neuen Herausforderungen für die Übungstruppe. Vom 21. bis 27. März erprobten eine Panzergrenadier- und eine Jägerkompanie den Angriff im urbanen Ballungsraum Schnöggersburg. Ein Pilotprojekt der besonderen Art.


Im Oktober 2017 erhielt das Gefechtsübungszentrum des Heeres einen ersten Teilbereich der Übungsanlage Schnöggersburg zur Nutzung für die Ausbildung. In der in Deutschland einzigartigen Übungsstadt gibt es somit erste und für die Truppe absolut realitätsnahe Ausbildungsmöglichkeiten. Sowohl unterirdische Anlagen, wie ein U-Bahntunnel mit Station oder mehrere hundert Meter begehbare Kanalisation, als auch hoch aufragende mehrgeschossige Wohnhäuser, ein künstlicher Flusslauf und sogar ein Flugplatz stehen der Truppe nun in Originalgröße für Ausbildung und Übung im urbanen Gelände zur Verfügung.

Erste Eindrücke auf unbekanntem Terrain
Mehrere Soldaten auf der Außentreppe eines mehrstöckigen Hauses.

Mehrere Stockwerke hohe Gebäude erhöhen die Anforderungen in der Ausbildung.

Foto: © Bundeswehr /Denny Mechelke

560 Soldatinnen und Soldaten – Grenadiere mit ihrem Schützenpanzer Marder, Jäger mit ihrem Transportpanzer Boxer, Panzerbesatzungen auf dem Kampfpanzer Leopard 2 und viele Kampfunterstützer bis hin zum Sanitätsdienst – sind aufgefahren und üben die Operationsart "Angriff".

Oberstleutnant Frank Dieter Lindstedt, Dezernatsleiter im Amt für Heeresentwicklung, erklärt: "Diese Pilotübung ist enorm wichtig, um bewerten zu können, ob oder in welche Richtung wir unsere Einsatzgrundsätze und Übungsverfahren anpassen, weiterentwickeln und zukunftsorientierend ausrichten müssen.“ Dazu nannte Lindstedt ein Beispiel: "Nach kompletter Fertigstellung werden auf diesem Areal über 520 Gebäude für die Ausbildung verfügbar sein. Das sind völlig neue Dimensionen, die dann für die Ausbildung verfügbar sind. So etwas gab es bisher noch nicht.“

Ansprüche an Übungstruppe steigen
Soldatin in Kampfanzug.

"Es ist was Neues, etwas Besonderes, die Ausbildung hier in Schnöggersburg“, sagt Stabsgefreiter Michaela Rudolph.*

Foto: © Bundeswehr / Denny Mechelke

"Einhundert Meter und weniger betragen teilweise die Sichtweiten zwischen den Häusern. Es gibt unzählige Winkel, Ecken und Häuserkanten, hinter denen sich der Gegner verschanzen kann. Für uns ist auch ungewohnt, dass viele Häuser mehrere Etagen haben“, so beschreibt Stabsgefreiter Michaela Rudolph* ihre ersten Eindrücke von der Übung.
Sie ist für den Funk in ihrer Grenadiergruppe verantwortlich und weiß genau, wie wichtig präzise Feindmeldungen sind. "Das ist gar nicht so einfach, wenn alles fast gleich aussieht“, fügt sie hinzu.

3 Soldaten vor Gebäude im Feuerkampf.

Unter gegenseitiger Sicherung weichen die gegnerischen Kräfte aus.

Foto: © Bundeswehr / Denny Mechelke



Von Stockwerk zu Stockwerk, von Haus zu Haus arbeiten sich die Angriffsspitzen durch Schnöggersburg. Ihr Gegner in dieser Übung ist real. Die Ausbilder des Gefechtsübungszentrum des Heeres stellen den Feind während der Übung dar.
Oberfeldwebel Andreas Theis* ist Gruppenführer der Kräfte "Rot“ – das ist der Feind. Seine Soldatinnen und Soldaten nutzen die örtlichen Gegebenheiten der Übungsstadt gut aus und erhöhen durch ihren Einsatz, etwa dem Kampf aus den Gebäuden heraus, den realistischen Eindruck der Ausbildung.

"Auch für uns ist die Ausbildung hier in Schnöggersburg ein ganz neues Format. Diese ganz nah an der Realität geschaffene Umgebung vermittelt einem den Eindruck man sei tatsächlich mittendrin, das Gefühl für die Ausbildung ist irgendwie intensiver, also realer und das treibt einen noch zusätzlich an“, erzählt der Oberfeldwebel während einer Übungsunterbrechung.

Pionierpanzer räumt mit seiner Schaufel einen Berg Erde.

Mit einem Pionierpanzer Dachs räumen Pioniere eine Barrikade.

Foto: © Bundeswehr / Denny Mechelke

Angriffsziel Flugplatz

Nicht nur um Stockwerke, Häuserreihen oder Straßenzüge haben die Soldatinnen und Soldaten in der Erprobungsübung gekämpft. Im letzten Drittel des knapp vier Stunden dauernden Angriffes räumen Pioniere mit dem Pionierpanzer Dachs durch Barrikaden versperrte Straßen. Auch hier hat die enge urbane Architektur von Schnöggersburg eine besonders gezielte Koordination aller Übungsteilnehmerinnen und -teilnehmer gefordert. Das Öffnen der Barrikade gab letztendlich den Ausschlag für den Durchbruch der Gefechtsfahrzeuge und das massive Vorgehen bis zum Angriffsziel – dem Flugplatz.




Resümee: noch nie dagewesene Möglichkeiten

Diese erste Erprobungsübung mit zwei Kampfkompanien hat erste Erkenntnisse um die Ausbildung im urbanen Ballungsraum Schnöggersburg geliefert. Sie dienen als Grundlagenwissen für die Entwicklung zukünftiger Ausbildung.
Eins steht jetzt bereits schon fest. Schnöggersburg gewährleistet eine noch nie dagewesene Qualität, so das Resümee der Angreifer wie auch der Gegner.

*Namen redaktionell geändert

Autor: René Hinz

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