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Ein „Tornado“ mit Aufklärungspod nach der Landung.

Ein „Tornado“ mit Aufklärungspod nach der Landung.

Foto: © Bundeswehr / Baerwald

Im „Tunnel“ zum Ziel

Die scharfen Augen des „Tornados“.

Deutsche Soldaten vor dem Stützpunkteingang in Incirlik in der Türkei.

Welcome to Incirlik - Seit Anfang Dezember 2015 sind die ersten deutschen Soldaten in Incirlik in der Türkei.

Foto: © Bundeswehr / Baerwald

Seit Anfang Dezember 2015 leisten die ersten deutschen Soldaten ihren Dienst auf der Luftwaffenbasis Incirlik in der Türkei. Der Beitrag der Bundeswehr im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ besteht dabei nicht nur aus Aufklärungsflugzeugen vom Typ „RECCE-Tornado“, sondern auch aus einer Bodenstation zur Aufklärung – der Ground Exploitation Station (GES). Sie ist das Herzstück der Aufklärungsoperation der deutschen „Tornados“.

Leiter der „GES“ ist Major Peter T., Chef der Luftbildauswerter. Zu­sammen mit seinen Soldaten koordinierte er die Vorbereitungen in Deutsch­land, begleitete den Transport und stellt den Betrieb im Einsatz sicher.  


Auswerter: Gefragte Fachleute

Nur vier Tage blieben, um in Deutschland alles vorzubereiten: Hin­ter­grund­material, Satellitenbilder, Karten- und Höhendaten für die Ein­satz­re­gion mussten auf die Datenbanken gespielt werden. Insgesamt wurden zehn Kabinen beladen und nach Leipzig transportiert, um dort auf eine Transportmaschine vom Typ AN-124 „Antonov“ verladen zu werden. Der Plan zum Aufbau der Kabinen in der Türkei wurde bereits in Deutschland entwickelt und im Rahmen einer Vorerkundung in Incirlik festgelegt. Schnell stellten ein Gabelstapler und ein Kran die zehn Großkabinen, die etwas schmaler und länger als ein 20-Fuß-Container sind, im Karree auf. Container wurden miteinander ver­bun­den, Zwischenwände herausgenommen. Beim Aufbau waren auch Elektriker gefragt: Widerstände wurden gemessen, alles musste ge­erdet werden, Generatoren und die Klimaanlage wurden in Betrieb genommen. „Wir machen alles selbst, wir sind komplett autark“, erzählt Major Peter T. stolz. Bis Strom, Klimaanlage und die Rechner liefen, verging nicht einmal ein Tag.


Das Containermodul „Ground Exploitation Station“.

Das Containermodul „Ground Exploitation Station“ des deutschen Einsatzkontingents.

Foto: © Bundeswehr / Baerwald

Nach vier Tagen einsatzbereit

In der „GES“ gibt es neben einem Platz für den Leiter vier weitere Ar­beits­plätze. Der Missionsmanager, der erfahrenste Luftbildauswerter, ist für den Datenlink und die Organisation der Operation zuständig. Er verteilt schon vor dem Start die Aufklärungsziele an die drei Aus­wer­ter. Die Befehle für die Flüge des deutschen Einsatzkontingents kom­men aus dem „Combined Air Operations Center“ (CAOC) in Al Udeid (Katar). Die Aufklärungsziele für den kommenden Einsatzflug werden durch die dortigen Planer zwei Tage vorher vorgegeben. „Die Piloten wissen, wo und wie sie fliegen können. Wir wissen, wie viel wir aus­wer­ten können“, beschreibt Major Peter T. den nun beginnenden, ko­ope­ra­tiven Planungszyklus. Zusammen mit dem Personal des Militärischen Nachrichtenwesens beginnt am Tag vor dem Flug die Missionsplanung. Der „Tornado“ muss während des Aufklärungsfluges durch einen von der Besatzung festgelegten Luftraumkorridor, einen „imaginären Tunnel“, gesteuert werden.

Die vorher programmierten Sensoren filmen dann alles automatisch. Sobald sich der „Tornado“ in Reichweite der Datenlinkantenne der Bodenstation befindet, können bereits erste Echtzeitdaten ausgewertet werden. Die Übertragung der Daten benötigt hierbei nur wenige Sekunden.


Ein Mann bei der Auswertung der Informationen am Computer.

Bei der Auswertung der Informationen ist ein geschultes Auge und viel Erfahrung notwendig.

Foto: © Bundeswehr / Baerwald

Wie Mosaik und Daumenkino

Das System stellt dabei selbst fest, wie gut die Verbindung zur Aus­wer­te­sta­tion ist. Bei größeren Entfernungen oder einer störenden Wol­ken­decke werden die Bilder komprimiert gesendet, was eine Grob­aus­wer­tung ermöglicht. Das System merkt sich, welche Bilder komprimiert wurden und ersetzt sie später durch bessere Aufnahmen. Nach ver­schlüs­seltem Download übernehmen die Computer das Sichten und Sortieren sowie das Registrieren des Materials. Die Aufnahmen werden dazu mit Satellitenbildern verglichen und gespeichert. Bei einem Auf­klä­rungs­bild handelt es sich in der Regel nicht nur um eine einzelne Aufnahme. Der Sensor erfasst ganze Bereiche und macht viele Bilder, die wie ein Mosaik zusammengefügt werden. Abhängig von Flughöhe und Einstellwinkel der Kameras können selbst Gewehre an Personen erkannt werden. Eine andere Darstellungsmethode „kann man sich wie ein Daumenkino vorstellen, wenn eine Position aus mehreren Bildern und verschiedenen Winkeln aufgenommen wird, “ erklärt Major T.

Der Missionsmanager ist der erste, der die Ergebnisse kontrolliert. Bilder und Auswerteprodukte werden generiert, Erkenntnisse werden gekennzeichnet, beschriftet und mit Legenden versehen. Anschließend prüft der Leiter die Produkte und gibt diese frei. Letztlich müssen alle Auswerteprodukte der Auswerter ein präzises und zuverlässiges Gesamtbild ergeben. Abschließend werden die Ergebnisse an das CAOC übermittelt. Grundsätzlich stehen die freigegebenen Aufklärungsergebnisse nun allen an den Luftoperationen beteiligten Ländern zur Verfügung. 

Autor: Andreas Berg